Sehr geehrte Präsidentin, meine Damen und Herren. Schön, dass wir wieder über Solarausbau auf öffentlichen Dächern sprechen. Das ist, glaub ich, so alle eineinhalb Jahre hier mindestens in letzten Jahren der Fall gewesen. Herr Kappe, es freut mich, dass Sie das in unseren Antrag reinlesen, was Sie darin lesen wollen. Ich würde ihn ein bisschen anders lesen, aber ich stelle ihn gerne vor. Also es ist ja so, wir sind uns, glaube ich, alle einig, es geht nicht schnell genug voran, was die Belegung der öffentlichen Dächer mit Solar angeht. Darüber haben wir auch nie ein Hehl gemacht. Wir haben bewusst vor zwei, drei Jahren zusammen mit BUKEA und der Finanzbehörde ja auch die Art und Weise geändert, wie diese Dächer belegt werden sollen und wer sich darum kümmert, um da ein bisschen Tempo reinzukriegen. Ich glaub, wir sind uns aber auch weiter uneins, was der sinnigste Weg ist, das hinzubekommen. Vielleicht mal zur Einordnung: Die Zahlen, die Sie hier darstellen, sind eigentlich nicht die richtigen. Sind ein bisschen überdramatisiert. Warum? Man kann ja nicht ein paar Zahlen aneinanderreihen und daraus automatisch Statistik machen. Man kann nicht sagen: "Wie viele Dächer gibt es insgesamt und wie viele haben Solar?" Sondern der eigentliche Maßstab ist ja, wie viele Dächer sind eigentlich tauglich dafür, mit Solaranlagen belegt zu werden? Von wie vielen Dächern wissen wir das? Und das sind eben nicht alle Dächer der Stadt. Wie bei Privaten ist es ja genauso. Da haben wir Dächer mit der völlig falschen Statik, in die falsche Richtung ausgewiesen oder wo, noch viel schlimmer, es völlig unwirtschaftlich wäre, das jetzt zu machen, bis wir nicht sowieso die Dachhaut sanieren müssen. Also am Ende des Tages kann man nicht sagen, was ist die Gesamtheit der Dächer und was ist die Anzahl der belegten Solaranlagen. Das erweckt einen völlig falschen Eindruck und ist auch ein bewusst falscher Maßstab, der hier angesetzt wird. Wir wollen ja nicht, dass sinnlos Gelder der öffentlichen Hand vergeben werden, um Dächer zu ertüchtigen, die dafür nicht geeignet sind. Deswegen haben wir einen anderen Ansatz gefahren, und ehrlicherweise unterscheiden sich auch die Geister zwischen uns, wenn wir mal anschauen, was der Vorschlag in Ihrem Antrag ist und was in unserem Zusatzantrag ist, wie man hier wirklich mehr Tempo reinbekommt. Sie wollen, wie alle zwei Jahre, sagen: "Wir machen mal möglichst viel privatisiert." "Wir schreiben das alles einfach nur aus. Der Markt wird es richten." Tatsächlich ist das hier nicht der Fall. Auch wir schreiben in unserem Zusatzantrag nicht: "Wir wollen alles ausschreiben." Weil Niedersachsen, Herr Kappe, Sie haben gerade ein Beispiel gegeben, es ist schön, dass einzelne Hamburger Unternehmen daran sehr gut profitiert haben. Das freut mich sehr für den Standort. Aber wenn wir jetzt mal gucken auf Niedersachsen und die Anzahl der belegten Dächer, ist ja Folgendes passiert, was so oft passiert, weswegen wir das eben nicht blind machen wollen: Wenn man einfach groß ausschreibt, dann schnappen sich die Privaten die wirtschaftlichsten Dächer und die öffentliche Hand bleibt auf den unwirtschaftlichen Sachen liegen und darf am Ende gucken, wie man das irgendwie dann noch hinbekommt. Oder es passiert Folgendes, was Niedersachsen dann gemacht hat: Man schreibt also möglichst große Portfolios aus, um zu versuchen, alles Mögliche miteinander zu verbinden. Und da passiert Folgendes: Die kleinen Handwerksunternehmen können da nicht mithalten, sondern nur besonders große Akteure. Und es freut mich, dass es ein Hamburger ist, aber ich finde nicht, dass wir die Ausschreibung so machen können, dass nur noch Unternehmen, die bald an die Börse gehen, in der Lage sind, diese Ausschreibungsportfolios zu bekommen und alle anderen nicht groß genug sind. Also das Verfahren aus Niedersachsen ist nicht ein gutes Vorbild für uns, weil entweder die Stadt auf den schlechten Flächen sitzen bleibt oder alle öffentlichen Aufträge nicht an kleine Handwerksunternehmen gehen. Also beides finde ich nicht das Gelbe vom Ei. Deswegen sagen wir Folgendes: Wir gucken uns an, wie wir mehr Tempo reinbekommen können in das Verfahren, was wir gerade haben, sodass auch wirklich kleine Unternehmen profitieren können und die öffentliche Hand nicht alle guten Dächer weggeben muss. Und zwar haben wir das Ganze schon gebündelt bei der HEnW KommunalEnergie GmbH. Es ist nicht so schlecht, wie Sie darstellen. Wir haben jetzt 70 neue Anlagen, 80 weitere sind im Bau. Wenn wir überlegen, wo wir vor zwei Jahren waren, ist es ein enormer Anstieg. Aber es geht doch eigentlich um Folgendes: Wir haben jetzt Stück für Stück die ganzen Erkenntnisse: Wie sehen Dächer aus, was können wir da eigentlich machen? Und wir sind dafür, dass wir Folgendes machen, dass wir uns lieber anschauen, von diesen knapp 3.500 öffentlichen Gebäuden, die jetzt zum Beispiel im Projekt Sonne gerade untersucht werden, muss man priorisieren: Erstens, was kann die Stadt eigentlich selbst? Wo verdient die Stadt auch gut, per se ist selbst dran, es zu machen? Wo kann Strom selbst genutzt werden? Wo sparen wir für Schulen, Bezirksämter, Kitas und Co. massiv Betriebskosten? Und wenn wir dann Projekte sehen, die dazu zu umfangreich sind, dass sie die öffentliche Hand to go dazu eben auch noch macht, kann man die gut ausschreiben. Dann gibt man eben nicht blind alles Mögliche nur in private Hände, sondern guckt, dass die Stadt sinnvoll ihre Dächer solarisiert und das, was in den nächsten fünf Jahren nicht städtisch leistbar ist, und das rausgibt. Dann haben wir beides. Dann haben wir... Nee, vor zwei Jahren haben wir gesagt, wir müssen mal erheben, was für Daten wir eigentlich haben, weil von jedem zweiten Schuldach keiner wusste, wie's aussah. Jetzt haben wir diesen Datenbestand und teilen das halt zweigleisig auf. Damit können wir das doppelte Tempo haben, anstatt jetzt alle guten Dächer nur auszuschreiben. Die guten Dächer schnappen sich Private. Die Stadt fängt von vorne an, und dann haben wir immer wieder den gleichen Kreislauf, auf Steuergelder vorzubereiten, was Private dann umsetzen können. Das ist doch nicht sinnvoll. Lasst uns doch lieber zweigleisig vorgehen. Die Stadt nutzt das, was sie selbst belegen kann. Und das, was wir nicht selbst schaffen oder wo wir sagen: "Das ist zu groß, das aufzurechnen," "da haben andere mehr Erfahrung", das zusätzlich auszuschreiben. So können wir zwei Dinge machen: Wir können das Tempo erhöhen, aber debattieren nicht zum x-ten Mal über Zuständigkeiten, sondern lieber schneller in der Umsetzung. Ich würde mich freuen, wenn unser Zusatzantrag angenommen wird. Ihren Antrag werden wir daher ablehnen. Ich finde es gut, dass wir immer wieder darüber sprechen, aber wir sind nicht dafür, alles auszuschreiben und zu gucken, was der Markt macht, sondern zielgerecht zu schauen, wo können wir selbst es gut machen, und wo wir's nicht können, dass es da Private machen. Das ist, glaube ich, sinnvoller. Das Beispiel Niedersachsen zeigt, dass sonst die Stadt, das Land und Kleinunternehmen auf der Strecke bleiben. Das ist nicht der richtige Weg. Unser versucht, alle mitzunehmen. Stimmen Sie gerne für unseren Zusatzantrag. Vielen Dank.