Benjamin Mennerich
Verehrtes Präsidium, meine Damen und Herren! "Wir wollen möglichst allen Schülern die Teilnahme an Austauschprogrammen ermöglichen." So eben O-Ton der SPD. Wir haben in Hamburg etwa eine Viertelmillion Schüler an knapp 500 Schulen. Mit den hier vorgestellten Förderprogrammen wurden im vergangenen Jahr an 28 dieser Schulen 34 Schüler gefördert. Das entspricht etwa 0,01 Prozent der Schüler. Dies ist ein ganz hervorragendes Beispiel für die Sinnhaftigkeit Ihrer politischen Maßnahmen. Nun hat das Förderprogramm glücklicherweise mit 140.000 Euro im letzten Jahr zwar auch nur einen überschaubaren Rahmen, das entspricht aber immer noch rund 4.000 Euro pro Kopf und gefördertem Schüler. Die wesentliche Frage ist also: Was soll hier eigentlich politisch erreicht werden? In meiner Schulzeit gab es nur einen sehr überschaubaren Anteil an Schülern, die einen solchen Auslandsaustausch von etwa einem Jahr auf eigene Faust unternommen haben. Die meisten Eltern konnten sich auch damals schon eine solche Auslandsreise nicht leisten. Die Schüleraustausche, an denen fast alle Schüler teilgenommen haben, waren die, die im Klassenverband durchgeführt wurden, und die waren deutlich günstiger. Für 4.000 Euro, meine Damen und Herren, da führe ich eine mehrwöchige Luxusreise durch und keinen Sprachaustausch. Davon abgesehen: Selbst der Inflationsausgleich würde das nicht rechtfertigen. Es muss unser Ziel sein, unseren Schülern neben der Wissensvermittlung auch einen Sinn für gemeinschaftlichen Zusammenhalt zu vermitteln. Das lässt sich durch Klassenfahrten, Austauschprogramme im gesamten Klassenrahmen sehr gut erreichen. Auslandsreisen für Einzelschüler bringen uns in dieser Hinsicht leider nur sehr wenig. Als Fazit bleibt festzuhalten: Es wurden viel zu wenig Schüler mit unverhältnismäßig hohem Finanzaufwand in eine schulisch und gesellschaftlich wenig hilfreiche Austauschart vermittelt. 0,01 Prozent für 4.000 Euro pro Kopf ist nicht nur ein Zeugnis Ihrer politischen Wirksamkeit, es zeigt auch, dass die Fähigkeit zur Anwendung des einfachen Dreisatzes, ob mathematisch oder politisch, bei den Regierungsparteien verloren gegangen ist. Es ist ein Armutszeugnis, meine Damen und Herren!
