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Lisa Maria Otte

GRÜNE 4:35 min Sitzungen 23/20

Gut. Sehr geehrtes Präsidium, liebe Abgeordnete! Wir werden in Hamburg die Artenvielfalt jetzt noch gezielter schützen. Denn unsere Stadt ist nicht nur ein Zuhause für uns Menschen, sondern auch für viele Tiere, für Rotkehlchen, Bienen, Frösche, Kröten, Eichhörnchen und auch für viele Pflanzenarten. Hamburg ist eine hoch verdichtete Großstadt, das ist klar. Und wir wollen ja auch noch mehr bauen. Wir wollen zum Beispiel noch mehr Wohnungen bauen. Aber uns muss auch allen klar sein, dass wir nur mit einer intakten Natur auf Dauer auch ein gutes Leben haben werden. Schätzungen der UN zufolge sterben jeden Tag unfassbare 150 Arten aus. Solche erschreckenden Zahlen dürfen uns aber natürlich jetzt nicht lähmen, sondern müssen uns Ansporn sein, hier in Hamburg auch unseren Beitrag zu leisten und hier zu handeln. Das haben wir in Hamburg ja auch schon. Wir haben 10 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz gestellt, und das ist wirklich, wirklich gut für eine Großstadt. Aber wir müssen eben die bestehenden Biotope dringend besser miteinander verbinden. Denn Tiere und Pflanzen müssen wandern können. Sie überleben nur dann langfristig, wenn der genetische Austausch auch möglich ist und – praktisch gesagt – sie nicht auf der Straße ständig überfahren werden. Und wie konkret das Problem ist, das sehen wir ja jetzt auch gerade bei der Amphibienwanderung. Denn wir, ja, haben jetzt jede Nacht Kröten, Frösche und Molche, die auf dem Weg zu ihren Laichgewässern überfahren werden. Sie stoßen auf Straßen, an Bordsteine, sie fallen in Gullys. Nein, danke. Und das sind alles Barrieren, die für uns Menschen kaum sichtbar sind. Uns fällt es kaum auf, aber für die Tiere sind das unüberwindbare Barrieren. Deswegen sperren wir jetzt gerade am Ohlsdorfer Friedhof auch die Straße nachts, damit die Kröten sicher wandern können. Und ich muss auch sagen, ohne die vielen Ehrenamtlichen in Hamburg und ohne die Naturschutzverbände wären wir auch an einem ganz anderen Punkt, denn wirklich Hunderte Menschen kümmern sich jede Nacht darum, in kleinen Eimern die Kröten über die Straße zu tragen, alles in Handarbeit. Und ich denke, es ist wirklich gut, dass wir, Hamburg als Stadt, den Schutz der Arten jetzt auch noch strategischer angehen. Denn wir wissen ja auch bereits, welche Maßnahmen wirken. Professionelle Leitanlagen und Querungshilfen für Amphibien zum Beispiel, abgesenkte Bordsteine, weniger Versiegelung, Tempolimits dort, wo besonders viele Tiere unterwegs sind. Und das gilt ja übrigens jetzt auch nicht nur für Frösche und Kröten, sondern die niedrigen Bordsteine, die helfen auch anderen Tieren, Igeln zum Beispiel, sich rechtzeitig von der Straße zu retten. Auch Rehe, Biber, Fischotter leben länger, wenn die Autos langsamer fahren. Weitere Maßnahmen, die wir schon machen, sind ökologisch aufgewertete Blühstreifen am Straßenrand, damit Wildbienen zum Beispiel Nahrung und Rückzugsorte finden. Und, wie Herr Mohrenberg auch schon gesagt hat, der gezielte Ankauf von Flächen, um Biotope zu verbinden. Und das alles wollen wir künftig eben noch strategischer angehen. Und damit bauen wir auf auf der Fachgrundlage Biotopverbund. Das ist ein Papier von der Umweltbehörde, in dem wissenschaftlich eine Analyse gemacht wurde unserer Gewässer, der Wälder, der Trocken- und Feuchtgebiete. Und nun wird der Senat für uns noch mal analysieren: Wo sind die entscheidenden Lücken in dem Biotopverbund? Wo fehlen die Verbindungen? Wo entfaltet welche Maßnahme die größte Wirkung? Denn die Fläche in Hamburg ist knapp, und umso wichtiger ist es, dass wir sie klug einsetzen. Wir müssen nicht irgendwelche Flächen sichern und es geht eben auch nicht nur um die Größe der Flächen, sondern um die Qualität. Wir müssen die richtigen Flächen für den Naturschutz sichern: Flächen, die verbinden und aus isolierten Ökosystemen wieder ein lebendiges Netz machen. Und wir haben in Hamburg ja auch schon viele sehr gute Projekte, das muss man ja auch mal sagen. "Natürlich Hamburg!" zeigt, wie Parks und Grünflächen zu Lebensräumen und Wanderkorridoren werden können. Oder "Hamburg, deine Flussnatur", das Naturschutzgroßprojekt, das Gewässer ökologisch aufwertet und blau-grüne Verbindungen schafft. Oder "Abpflastern", ein Wettbewerb, bei dem alle mitmachen können. Und diese Beispiele zeigen: Wir machen in Hamburg schon an vielen Stellen guten Artenschutz, aber genau hier müssen wir eben auch weitermachen, strategischer vorgehen für die wandernden Arten, für klimaresiliente Lebensräume und für ein lebenswertes grünes Hamburg. Vielen Dank.

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