Kay Jäger
Hier liegt noch Stift – zur Information. Liebe Hamburgerinnen und Hamburger! Die Tarifverhandlungen im Hamburger Nahverkehr, und damit die Frage um die Löhne und Arbeitsbedingungen derjenigen, die unsere Stadt Tag und Nacht wortwörtlich am Laufen halten, sind festgefahren. Nicht, weil die Forderungen der Beschäftigten nach höheren Löhnen und Arbeitszeiten, die zum Leben passen, übertrieben sind, sondern weil der Sparkurs des Senats keinen Spielraum für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensrealitäten der Beschäftigten zulässt. So wird die Verkehrswende, die wir alle wollen, nicht gelingen! Denn was bedeutet es eigentlich in Hamburg, im ÖPNV zu arbeiten? Sie stehen 3 Uhr morgens auf, fahren Ihren Dienst, an der Endhaltestelle, oftmals keine Toilette. Bei der vhh gilt das sogar für über 90 Prozent der Endhaltestellen. Und wenn sie dann nach Hause kommen: Meistens schlafen die Kinder schon. Am Wochenende: von 52 Sonntagen im Jahr haben Sie im Durchschnitt gerade mal 18 davon für sich. <i>- Wie bei der Polizei!</i> - Freunde fragen Sie einmal... Sie können sich gerne wieder hinsetzen, ich lasse keine Zwischenfrage zu. Freunde fragen Sie einmal, ob Sie am Wochenende Zeit haben, vielleicht ein zweites Mal; beim dritten Mal werden Sie nicht mehr gefragt. Wer Familie hat, wer Freunde hat, wer ein Leben außerhalb der Arbeit haben möchte, der hat in diesem Beruf bei der HOCHBAHN und beim vhh schlicht ein Problem. Und wenn beim Streik die Busse stehen und die Bahnen nicht fahren, dann merken wir alle, wie wichtig die Kolleg:innen sind. Die Streiks führen immer wieder zu Unmut, aber genau dieser Unmut ist die Antwort auf die Frage, warum faire Löhne, warum gute Arbeitsbedingungen keine Verhandlungsmasse, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit und eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Und es ist ja nicht so, dass Hamburg knapp bei Kasse ist. Egal ob Elbtower, Milliardeninvestitionen für Olympia – für Prestigeobjekte jeder Art scheint der Senat eine offene Brieftasche zu haben, für bessere Löhne und gute Arbeitsbedingungen leider nicht. Dabei wird die Verkehrswende nicht durch schöne Worte und Absichtserklärungen umgesetzt, sondern sie wird von den Menschen getragen; von denjenigen, die unsere Busse und Bahnen fahren, die um 3 Uhr morgens das Steuer übernehmen, während alle anderen noch schlafen.
