Stephan Jersch
Herr Präsident, meine Damen und Herren, Hamburg ist ein ganz eigenes Biotop: da, wo Prüfungen und Analysen blühen und das Handeln mittlerweile aus seinem angestammten Habitat verdrängt wurde. Aber gut ist es natürlich, dass die Kritik des Naturschutzrats hier aufgenommen worden ist, denn die Situation ist in der Tat ernst. 43 Prozent der Brutvogelarten, 65 Prozent der Schmetterlinge stehen mittlerweile auf der roten Liste. Nur, die Flächenpolitik der Stadt Hamburg, die tut so, als wenn es kein Morgen geben würde. Das Standarddienstfahrzeug in der Verwaltung scheint der Bulldozer zu sein. Und letztendlich muss man mit so einem Antrag doch dann auch mal definieren, wo nicht gebaut werden kann, wo nicht gebaut werden darf. Und da reicht der Verweis auf die erneuerbaren Energien nun wirklich nicht. Und Vernetzung und qualitative Aufwertung, lieber Kollege Mohrenberg, werden es alleine nicht lösen. Wir wissen, wo die Defizite sind, wo es Handlungsalternativen gibt. Und da hört sich hier manches so an wie ein Automechaniker, der ständig kaputten Autos hinterherrepariert. Denn wenn Sie von Feuchtgebieten reden, dann rede ich von der A26, dann rede ich von verzögerten Ausgleichsmaßnahmen, ich rede von der Waldzerstörung am wilden Wald. Und da soll wieder hinterherrepariert werden, ohne dass es einen Paradigmenwechsel gegeben hat. Die Handlungsalternativen sind bekannt, das sagte ich. Es gibt keinen Zeitrahmen in diesem Antrag. Und ich kann eigentlich nur feststellen, wenn wir mit den Nachhaltigkeitszielen auch Umweltgerechtigkeit realisieren wollen, dann ist das kein Antrag, der dieses realisiert. Analysieren, identifizieren, das ist in Ordnung, aber nicht nur die Belange der erneuerbaren Energien müssen berücksichtigt werden. Und, lieber Kollege Mohrenberg, auch Sie kommen aus Bergedorf. Die Belange der Landwirtschaft vermisse ich in diesem entsprechenden Antrag wirklich komplett. Der Antrag tut ansonsten niemandem weh. Er hat Potenzial, etwas zu verbessern. Und ich habe heute interessiert vernommen oder eben nicht vernommen, dass es sich rechnen muss. Insofern hoffe ich auf eine Besserung. Das entspricht nämlich nicht der bisherigen Regierungspolitik in Hamburg. Aber es braucht klare Tabuzonen statt Bauerwartungsland, und das leistet der Antrag nicht. Und trotzdem, er tut keinem weh, er geht wieder in die Richtung, aber deswegen werden wir ihm trotz alledem zustimmen. Aber wir werden ein genaues Auge drauf haben, was das für Hamburg zu tun hat und ob die Biotopverbunde wirklich sich weiterentwickeln.
