Marco Schulz
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen. Das Shared-Service-Prinzip stammt aus den wirtschaftswissenschaftlichen Theorien und kann in großen Unternehmen durchaus sinnvoll sein, Querschnittsaufgaben zu bündeln, Doppelstrukturen vermeiden, Kosten senken. Das klingt alles sehr plausibel. Warum auch mehrfach beispielsweise Personal oder IT betreiben, parallel am besten noch, wenn am Ende dann ohnehin dieselben, ja, Systeme verwendet werden? Doch was in Unternehmen funktioniert, funktioniert nicht immer automatisch auch im staatlichen Bereich. Und als selbst gebranntes Kind bei dieser Frage kann ich Ihnen sagen: Viele Probleme, über die wir heute – endlich, muss man ja auch sagen – beispielsweise bei der Bundeswehr sprechen, sind durch eine falsch verstandene Zentralisierung entstanden. Wenn über Material beispielsweise von Stellen entschieden wird, die dieses Material nie gesehen haben und praktisch auch nicht wissen, wie es einzusetzen ist, sind Fehlentscheidungen vorprogrammiert. Gerade bei Beschaffungsvorgängen zeigt sich das Leid immer wieder. Wenn nicht vor Ort entschieden wird, sondern im sprichwörtlichen Elfenbeinturm, geht das am Ende schief. Oder ums mal ganz einfach auszudrücken: Wer noch nie in einem Panzer gesessen hat und nicht weiß, wie er im Einsatz zu funktionieren hat, sollte auch keinen bestellen dürfen. Sonst bekommt man ein Fahrzeug, das auf dem Papier zwar super aussieht, aber in der Praxis versagt. Vor diesem Hintergrund halten wir auch die HGV als vorgesehenes Pilotprojekt hier für wenig erkenntnisreich, da deren Geschäftsbereiche vergleichsweise homogen sind. Die HOCHBAHN wäre beispielsweise deutlich spannender gewesen. Gerade im ÖPNV treffen komplexe technische Anforderungen, Sicherheitsfragen und operative Abläufe aufeinander. Dort würde sich schnell zeigen, ob zentrale Lösungen Effizienz schaffen oder zusätzliche Probleme. Da Sie diesen Mut aber nicht aufbringen und stattdessen hier auch ein Beispiel gewählt haben, bei dem kaum etwas schiefgehen kann, aber zugleich auch keine neuen Erkenntnisse entstehen, werden wir dieser Simulation eines Pilotprojekts auch nicht folgen. Vielen Dank.
