Carola Veit SPD
Meine Damen und Herren, wir trauern um unseren ehemaligen Präsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft, Dr. Martin Willich, der am Montag im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Heute Vormittag hat seine Familie den Tod bekannt gegeben. Wir sind in Gedanken bei seinen Hinterbliebenen und wünschen Kraft in dieser schweren Zeit. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die politische Bühne betrat Dr. Martin Willich sehr früh. 1965 in die SPD Hamburg eingetreten... CDU Hamburg eingetreten. Ich entschuldige mich. 1965 in die CDU Hamburg eingetreten, wurde er gleich mit der nächsten Wahl 1970 Mitglied der Bezirksversammlung Wandsbek und Deputierter in der Wissenschaftsbehörde – der Beginn einer beeindruckenden Karriere. Bereits mit 29 Jahren wurde er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, erledigte noch rasch das Zweite Staatsexamen, promovierte und begann die Familiengründung. Er benötigte dann nicht einmal zwei Wahlperioden, um als Kandidat für das Präsidentenamt gehandelt zu werden im Vorfeld der Wahl 1982. Dr. Martin Willich galt als politischer Senkrechtstarter. Als damaliger stellvertretender Fraktionsvorsitzender zählte er zu einem der besten Debattenredner des Parlamentes, so Uwe Bahnsen in der "Welt". Tatsächlich gewann die CDU dann 1982 knapp die Wahl und ebenso Martin Willich als damals bundesweit jüngster Parlamentspräsident. Weitsichtig warb er damals in seiner Antrittsrede für Respekt und Sachlichkeit. Er sagte: "Wenn wir unserer gemeinsamen Verantwortung gerecht werden wollen," "müssen wir alle auch und gerade voneinander lernen." Er übernahm unter den strengen Augen von Alterspräsidentin Charlotte Fera das Amt und stellte sich damit auch der Aufgabe, mit den neu eingezogenen GRÜNEN und ihrem imperativen Mandat klarzukommen. Das war aber nicht das einzige Ärgernis, denn es gab ja ein Patt zwischen SPD und CDU, die sogenannten "Hamburger Verhältnisse". Dass Martin Willich einen wochenlangen Streit um den größten Sitzungsraum im Rathaus schlichten musste, war eines der kleineren Probleme, denn weit und breit war keine Koalition in Sicht. So durfte er nur sechs Monate im Präsidentenamt wirken, bis neu gewählt wurde und sein Vorgänger Peter Schulz auch sein Nachfolger wurde. Bis nach der nächsten regulären Wahl vier Jahre später, 1986, als die CDU die SPD wiederum knapp überholen konnte und Martin Willich erneut Parlamentspräsident wurde. Dass auch dann keine Koalition zustande kam und im darauffolgenden Jahr neu gewählt wurde, hat jedenfalls nicht an Dr. Martin Willich und seinem Engagement für dieses Parlament gelegen. Der geborene Erfurter hat hier im Norden in der ihm so eigenen kreativen und humorvollen Art stets für seine wichtigsten Werte eingestanden: Freiheit und Unabhängigkeit. Und als überzeugter Vertreter des Feierabendparlamentes war Martin Willich auch beruflich zeitlebens fest in unserer Stadtgesellschaft verankert. Er prägte unsere Stadt nämlich auch als Geschäftsführer der Film- und Fernsehgesellschaft Studio Hamburg, die er zum bundesweit größten TV-Dienstleister ausbaute. Mehr als 25 Jahre an der Spitze dieses Unternehmens hat Martin Willich Hamburgs Image als Medienstadt wesentlich geprägt. Dr. Martin Willich war ein liberaler Konservativer, mit eigenem Kopf, unabhängig, nicht zwingend immer der Mehrheitsmeinung seiner Partei. Er war bodenständig, humorvoll, nahbar, eben ein Demokrat durch und durch. Es war großes Glück, dass wir ihn 2005 zum Mitglied unseres Verfassungsgerichtes wählen konnten, mit über 95 Prozent der Stimmen. Einige von uns werden sich erinnern. Mir ist Dr. Martin Willich als wichtiger Fels in der Brandung der Demokratie, auch in dieser Funktion als Verfassungsrichter, in bester Erinnerung und durchaus auch als wohlmeinender Ratgeber an der einen oder anderen Stelle. Vom politischen Gegner war Martin Willich anerkannt. Bitte verzeihen Sie noch einmal den Versprecher eingangs, aber vielleicht stützt es das. Er war stellvertretendes Kuratoriumsmitglied der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung, und das war nur eines, ein kleineres seiner Ehrenämter. Ich erwähne es aber, weil es daran erinnert, dass er auch jahrelanges geschätztes Mitglied der Freitagsgesellschaft bei unserem Bundeskanzler a.D. Schmidt war. Vizepräsident der Handelskammer, Mitglied der Freien Akademie der Künste, Kirchenvorsteher und auch bekennender Familienmensch – all das war Martin Willich. Bis 1995 blieb er Mitglied unseres Hauses. Wir, die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft, werden sein Andenken in Ehren halten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau, seiner Familie, seinen Freunden. Sie haben sich erhoben. Ich danke Ihnen.
