Antje Hebel
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hamburger. Im Juli vergangenen Jahres waren die Beiträge um den interfraktionellen Antrag "Unterstützung der gehörlosen Menschen in Hamburg" seitens der Altparteien sehr umfangreich und überboten sich an Anteilnahme. Was der Antrag bringt, werden wir ja noch erleben – hoffentlich. Aber statt darauf zu warten und zu hoffen, könnte man in seinen Bemühungen auch einfach fortfahren und vielleicht auch mal zuhören, die Integration der Hörgeschädigten zu verbessern. Was spricht dagegen, fortwährend an einer dauerhaften und verpflichtenden Verbesserung der Situation der Gehörlosen zu arbeiten, wenn es der Senat ernst damit meint? Dies wäre der Fall, wenn der Senat über den Bund versuchen würde zu erreichen, dass die Gebärdensprache als nicht-territoriale Minderheitensprache in die Europäische Sprachen-Charta aufgenommen würde. Das fordert der vorliegende Antrag. Passiert das, würden völkerrechtliche Verpflichtungen verlangen, den Gebrauch der Sprache im öffentlichen Leben, zum Beispiel in der Justiz, Verwaltung oder den Medien anzuwenden. Nicht vielleicht oder ein bisschen, sondern es hat dann zu geschehen. Aber das ist dem einen oder anderen dann vielleicht ja auch schon ein bisschen zu viel Integration, oder? Lieber ein bisschen warme Worte, reicht ja vielleicht auch. Was eine Umsetzung für Gehörlose bedeuten würde und warme Worte nicht erreichen können, das kann man in den USA sehen. Der "Americans with Disabilities Act" fördert die Gebärdensprache seit 1990 so, als sei sie in die Sprachen-Charta aufgenommen worden. Dass die meisten Fernsehsendungen und Veranstaltungen mit Gebärdendolmetschern übersetzt werden, ist nur einer der alltäglichen zahlreichen Vorteile. Bei uns ist man stolz darauf, dass auf Videotexttafel 150 die meisten Sendungen mit Untertitel angeboten werden. Das Beispiel aus den USA zeigt, was eine verpflichtende Verbesserung der Situation von Gehörlosen per Bestimmung bewirkt. Richtig: Die Europäische Sprachen-Charta schützt bisher nur territoriale Minderheitensprachen und Sprachen bestimmter ethnischer Gruppen. Aber diese Selbstbeschränkung ist ja nicht zementiert. Im Mittelalter dachte man ja auch noch, die Erde sei eine Scheibe. Betreiben Sie Aufklärungsarbeit bei denen, die einer Öffnung der Sprachen-Charta für nicht-territoriale Minderheitensprachen entgegenstehen. Oder sollen die ewig auf der Scheibe weiterleben? Aber wenn Sie das nicht wollen, den vorliegenden Antrag ablehnen, der genau diese Aufklärung fordert, konterkariert das natürlich Ihre mit großem Spektakel in Szene gesetzte Aufklärung. Verzeihung, Frau Hebel, meine Damen und Herren, es wird immer lauter. - Also... - Ja, das ist halt das demokratische Verhalten hier. Nee, entschuldigen Sie, Herr Thering. Wenn Sie einfach noch mal eine halbe Minute zuhören, - dann hätten wir's auch zu diesem Thema. - Genau. Frau Hebel, bitte. ...konterkariert das natürlich Ihre mit großem Spektakel in Szene gesetzte Aufführung vom Juli 2025 und zeigt zwei Dinge. Erstens: Wie ernst Ihnen tatsächlich die Integration der Gehörlosen in die Gesellschaft ist. Und zweitens: Dass auch Sie lieber weiterhin auf einer Scheibe leben wollen.
