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Arne Platzbecker

SPD 4:49 min Sitzungen 23/16

Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben ja gerade eine weltweite Goldgräberstimmung, was die KI betrifft. Es wird sehr viel versprochen über KI, oft viel mehr, als sie eigentlich heute schon halten kann. Deshalb ist für uns wichtig: Wir reden hier nicht über Heilsversprechen, sondern über Werkzeuge, über Technologien, die sich gerade erst sortieren, und über die Frage, wo wir sie für Hamburg konkret einsetzen können und wo wir konkret Mehrwerte schaffen können. Denn eins ist klar: Wenn sich der aktuelle Hype gelegt hat, wird KI nicht verschwunden sein. Sie wird bleiben und sie wird Arbeitsprozesse, Steuerung und auch Planungen verändern. Und die entscheidende Frage ist also nicht, ob wir das nutzen, sondern wie wir damit umgehen. Und ob wir uns frühzeitig Gedanken darüber machen, das hatte Dominik Lorenzen ja schon gesagt, wo sie der Stadt wirklich nützen kann. Dominik, du hast bereits eindrucksvoll geschildert, wie KI-Tools die Planung, Buchung und damit das Reiseverhalten beeinflussen und verändern können. Das ist die eine Seite der Medaille. Und heute, wer das vielleicht in der Presse gelesen hat, hat Südafrika für den nordamerikanischen Markt eine eigene KI-basierte App rausgebracht, die das Reiseverhalten der Amerikaner antizipieren soll und sie eben ins südliche Afrika bringen soll. Also die sind schon diesen Schritt gegangen und machen das schon. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Gleichzeitig ist für mich auch maßgeblich, wie wir KI für unsere Stadt und für die Menschen, die hier leben, sinnvoll einsetzen können. Für uns als SPD ist dabei entscheidend: Tourismus ist kein Selbstzweck. Ja, liebe Linke-Fraktion, lieber Herr Hosemann, Sie werden das sicherlich auch wieder nutzen hier, um zu sagen gleich, dass wir Übertourismus haben. Aber für uns ist Tourismus auch kein Selbstzweck. Tourismus ist ein Ermöglicher, ein Wegbereiter. Er schafft Nachfrage, die Angebote in dieser Stadt erst möglich macht, von denen wir alle insgesamt profitieren. Gastronomie, Kultur, Infrastruktur, öffentliche Räume, aber das funktioniert eben nur – und da gebe ich Ihnen ja recht –, wenn Tourismus gut gesteuert ist. Und unser Ziel ist deshalb klar: Qualität statt Masse. Wir wollen Gäste willkommen heißen, ohne dass es für die Hamburgerinnen und Hamburger zur Belastung wird. Und wir wollen vermeiden, dass sich zu bestimmten Zeiten zu viele Menschen an bestimmten Orten ballen. Und was heißt das jetzt konkret? Ich möchte drei Beispiele nennen, nicht als fertige Lösungen, sondern als Anwendungsfelder, die bereits heute für die KI maßgeblich in anderen Städten genutzt werden. Sie zeigen, was technisch bereits möglich ist. Und unser Antrag schafft nun den Rahmen, solche Ansätze auch für Hamburg zu prüfen. Erstens: Besuchersteuerung und Aufenthaltsqualität. Städte wie Helsinki oder Amsterdam arbeiten mit digitalen Stadtmodellen und anonymisierten Echtzeitdaten, um Besucherströme besser zu verstehen. Auf dieser Grundlage können Engpässe zum Beispiel frühzeitig erkannt und Gäste gezielt auf alternative Routen umgesteuert werden. Das Ziel ist also nicht Kontrolle, sondern Entlastung. Zweitens: Wirtschaftliche Effekte besser in der Stadt verteilen. In Sevilla zum Beispiel wird KI genutzt, um große Mengen öffentlicher Bewertungen auszuwerten. Und so lassen sich eben auch Orte identifizieren, die besonders positiv wahrgenommen werden und eben nicht von der Masse besucht werden, sogenannte Hidden Gems. Die werden dann gezielt in die touristische Kommunikation aufgenommen und eben Touristenströme auch umgeleitet. Drittens: Nachhaltigkeit messbar machen. Valencia zum Beispiel nutzt digitale Systeme, um den Ressourcenverbrauch des Tourismus zu steuern. Eine sehr interessante Entwicklung, die dort passiert. Auf dieser Basis kann die Stadt nämlich ganz gezielt steuern und fördern. Der entscheidende Punkt ist also: weg vom Bauchgefühl hin zu belastbaren Daten. Denn nur wenn wir messen, können wir das auch verantwortungsvoll managen. Und genau diese Beispiele zeigen zwei Dinge sehr deutlich. Erstens: Ein so verstandener Tourismus kann ein Gewinn für die Stadt sein und zur Stärkung der Akzeptanz beitragen, weil Belastungen reduziert und Effekte eben fairer verteilt werden in der Stadt. Und zweitens, und das ist mir genauso wichtig: Diese Erkenntnisse fallen eben nicht vom Himmel. Und das sind keine Lösungen, die in einer so stark fragmentierten Querschnittsbranche alleine entstehen können. Dazu braucht diese Branche unsere Hilfe. Und die Tourismuswirtschaft kann sich da auf uns verlassen. Wir werden das mit der Stadt und der Tourismuswirtschaft gemeinsam machen. Und wenn wir ernsthaft über KI, über Datensteuerung sprechen, dann braucht es eben Anreize, gemeinsame Standards und bewusste politische Prioritäten, um die Vorteile nutzbar zu machen. Und es braucht ein politisches Bekenntnis. Das Thema lässt sich nicht nebenbei erledigen. Es braucht Zeit, Abstimmung und Verlässlichkeit. Und es braucht eben die gemeinsame Anstrengung von uns. Wir wollen, dass die Hamburg Tourismus GmbH diese Entwicklung weiter aktiv begleitet, nicht als reine Marketingorganisation, sondern als Managerin unseres Tourismusstandorts. Eine HHT, die datenbasierte Entscheidungen unterstützt, Kooperation ermöglicht und politische Steuerung vorbereitet, gerade in Zeiten knapper Kassen. Deswegen: Stimmen Sie unserem Antrag bitte zu. Danke.

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