Dr. Sabine Ritter
Sehr geehrtes Präsidium! Liebe Kolleg:innen! Was nützt die schönste Ausgründungsvereinheitlichung, wenn an den Hochschulen die Lichter ausgehen? Beide Anträge polieren die Oberfläche, während das eigentliche hochschulpolitische Problem unserer Tage weiter ignoriert wird. Die Realität an den Hamburger Hochschulen sieht doch so aus: massive Kürzungen, unterfinanzierte Studiengänge, marode Infrastruktur und ein dramatischer Mangel an sicheren Beschäftigungsverhältnissen. Befristung – ja, Sie wissen das alle, ich sag's trotzdem noch mal –, Befristung reiht sich an Befristung, Stellen werden nicht oder nur verzögert nachbesetzt und Studienangebote stehen auf der Kippe. Satte 4,5 Prozent müssen oder sollen über alle Bereiche an der Uni verteilt mit dem Rasenmäher gekürzt werden. Der Brandbrief vom Dezember und das enorme Medienecho darauf haben ziemlich unmissverständlich gezeigt, wie ernst da die Lage ist. Und nun also Forschungsergebnisse an die Privatwirtschaft verticken! Hochschulen sind staatliche Einrichtungen und dienen dem Gemeinwohl, nicht der privaten Wertschöpfung. Forschung darf nicht davon abhängen, ob sie markttauglich ist oder Investor:inneninteresse weckt. Die Idee, dass Wissen erst dann wertvoll ist, wenn es Geld bringt, gefährdet soziale und gesellschaftlich dringend notwendige Innovationen, von Klimaschutz bis Pflege, die sich eben gerade nicht vermarkten lassen, egal ob im Hochschulgesetz verankert oder woanders. Wissenschaft soll Horizonte öffnen und nicht Renditeerwartungen erfüllen. Hamburg wird dann ein echter Wissenschaftsstandort, wenn das Denken frei bleibt, und nicht, wenn Forschungsideen möglichst schnell zu Investitionsprojekten werden. Das sind also nicht nur beides Schaufensteranträge, sondern gehen auch beide meiner Meinung nach in die ganz falsche Richtung. Deswegen werden sie beide abgelehnt. Vielen Dank.
