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Marco Hosemann

DIE LINKE 5:08 min Sitzungen 23/16

Ja, sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Hamburgerinnen und Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Wir sehen in Hamburg keinen Bedarf für mehr Werbung für Hamburg als Reiseziel, sondern für eine Studie, mit der die Akzeptanz für Tourismus in Hamburg untersucht wird, wie wir es zuletzt 2024 gefordert haben. Denn ja, Herr Platzbecker, wir haben ein Problem mit Übertourismus. Und das ist auch nicht nur ein Bauchgefühl, das höre ich seit Jahren in Gesprächen, sehe ich in Form von Tourist-go-home-Parolen an Wänden und habe ich auch schon direkt als Stadtführer erlebt, indem ich und meine Gruppe als "Scheißtouristen" beschimpft wurden. Natürlich haben wir das Problem nicht das ganze Jahr und auch nicht in der ganzen Stadt. Und da kann man auch dazu sagen, ne, da wird ja Hamburg immer gerne mit Barcelona, Venedig und anderen Städten verglichen. Auch diese Städte haben das Problem nicht ganzjährig und überall, sondern vor allen Dingen in der Saison. Und in Hamburg gibt es das Problem vor allen Dingen von Mai bis September. Ne, im Mai geht's ja los mit dem Hafengeburtstag et cetera. Es werden auch immer mehr Besucher:innen. Das ist auch gar nicht schlimm. Ich möchte auch mich hier gar nicht gegen den Hafengeburtstag aussprechen. Das Problem ist nur, es kommen immer mehr Sachen dazu. Und, genau, und vor allen Dingen sind halt, ja, Stadtteile belastet und werden zunehmend belastet wie St. Pauli, Schanze, Karoviertel, Neustadt und HafenCity. Dabei spielt eben nicht nur der Tourismus an sich eine Rolle, sondern auch die zunehmende Eventisierung, also durch so Veranstaltungen wie die Harley Days, Schlagermove und auch immer mehr Sportveranstaltungen, die führen einfach zu immer mehr Belastungen und Einschränkungen. Und wenn man das überreizt, dann hört's halt irgendwann auf mit der Akzeptanz, und die, ja, diesen Kipppunkt, den sehe ich als erreicht an. Und deswegen sollten wir handeln. Und es geht dabei auch nicht nur allein jetzt um die Menschenmassen, die Touristenhorden irgendwie, die zum Urlaub oder für Events irgendwie in unsere Stadt kommen, und ihre unmittelbaren Auswirkungen, sondern auch um andere Folgen, wie eben die Verschärfung der Wohnungsnot, ne. Es gibt einen Zusammenhang einfach zwischen Hamburg als touristischem Standort und den steigenden Mieten. Die Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen. Wenn wir irgendwo uns jetzt auch die Neubauprojekte mal der letzten Jahre auf St. Pauli oder sonstwo anschauen, ja, das ist eigentlich... muss man gar nicht irgendwie in die Pläne schauen. Da kann man schon sich sicher sein, dass dort, ja, entweder ein Hotel oder Büros werden, obwohl wir in gerade auch diesen Stadtteilen mehr Bedarf eigentlich an bezahlbarem Wohnraum haben. Und wenn die Menschen das da draußen sehen, ne, dass jetzt in ihrer Nachbarschaft, wo sie sich den Wohnraum kaum noch leisten können, statt bezahlbarem Wohnraum noch ein Hotel entsteht, ja, dann ist auch da irgendwann die Akzeptanz vorbei. Oder es zeigt sich auch durch die Veränderung des Einzelhandels, ja. Wenn man sich in seiner Nachbarschaft umschaut und zunehmend Kioske, Restaurants, Cafés, Souvenirläden, Angebote der Nahversorgung verdrängen, dann hört's auch irgendwann auf mit der Akzeptanz. Belastung von Klima und Gesundheit, Stichwort Kreuzfahrtemissionen, ne. Wir haben eine wachsende Zahl an Kreuzfahrtschiffanläufen, und die haben eben nicht alle die Möglichkeit, Landstrom zu verwenden. - Deshalb... Bin ich schon zu Ende? - Nee, ich wollte sagen, dass Herr Hosemann hat das Wort, Zwischenrufe hin und wieder okay. Aber Herr Erkalp, Sie können auch ans Mikro gehen, wenn Sie was zu sagen... Ja, Sie haben die Option, ansonsten noch mal bitte ich um die Aufmerksamkeit für den Redner. Danke schön. Ja, das Grundrauschen da, das bin ich schon ein bisschen gewöhnt. Also, genau. Also es gibt noch weitere Belastungen, das war jetzt nur eine kleine Aufzählung. Vielleicht noch als letzter Punkt die Belastung der Infrastruktur: voller ÖPNV, ne, und auch Stadträume, gerade in den Lagen, die, wie gesagt, schon ohnehin belastet sind. Und wenn der Weg nach Hause zum Spießrutenlauf wird oder man irgendwie die zweite Bahn abwarten muss, bis man dann denkt: "Okay, da gehe ich jetzt doch mal irgendwie rein", dann dann hört's, wie gesagt, auch auf mit der Akzeptanz. Deshalb sagen wir: Wir sollten nicht schauen, wie wir Hamburg als Reiseziel in die Antworten von KI-Chatbots bringen, sondern wie wir den Tourismus in Hamburg eben nachhaltig gestalten. Und, genau. Und wenn Sie, ne... Ich hör's ja jetzt hier mir entgegenschwallen, dass Sie es bestreiten, dass wir ein Problem mit Übertourismus haben, wobei Herr Platzbecker es ja auch ein bisschen zugegeben hat, da würden wir uns wünschen, dass doch, wenn Sie unseren Anträgen schon nicht zustimmen, so eine Akzeptanzstudie durchzuführen, dann bringen Sie vielleicht eigenen Antrag mal ein, also eine unabhängige Untersuchung, nicht so 'ne Untersuchung, wie sie uns vor einigen Jahren vom Tourismusverband irgendwann vorgelegt wurde, wo vor allen Dingen auch befangene Menschen irgendwie befragt wurden und dann 1.000 Leute über die ganze Stadt verteilt. Nein, es müssen vor allen Dingen auch die Menschen befragt werden nach der Akzeptanz, die eben in den von Tourismus betroffenen Stadtteilen wohnen. Vielen Dank.

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