Frau Präsidentin, meine Damen und Herren Abgeordneten, die entsetzliche Tat vom U-Bahnhof Wandsbek Markt hat uns alle, hat die Stadt wie nur sehr wenige Verbrechen erschüttert, viele von uns auch persönlich, mich auch. Und die Hamburgerinnen und Hamburger haben mit breiter aufrichtiger Anteilnahme darauf reagiert, so wie sie auch der Erste Bürgermeister für den Senat zum Ausdruck gebracht hat. Dieser Mord wühlt uns auch nach zwei Wochen noch auf: ein Selbstmörder, der eine völlig Unbeteiligte auf einem U-Bahnhof, einem Bahnsteig ohne erkennbare Ursache vorsätzlich und brutal mit in den Tod reißt. Die Hintergründe und die Umstände der Tat sind weitestgehend bekannt, aufgeklärt, aber eine Erklärung haben wir nicht. Und trotzdem müssen wir mit den Fragen umgehen, die sich jetzt stellen. Und die besondere Tragik und Dramatik der Tat verlangt auch, dass wir wirklich über diese Tat sprechen. Für uns als Staat, als Sicherheitsbehörden sind solche Taten natürlich immer Anlass auch zu prüfen, hätten wir etwas anders machen können, hätten wir was zusätzlich machen können? Vor allen Dingen, was können wir in Zukunft vielleicht noch mehr tun, um das Risiko solcher Taten – so weit wie es irgend geht – zu minimieren? Das betrifft einmal die Erkennung von Risikopotenzialen bei Menschen mit psychischer Belastung, psychischer Erkrankung. Wir haben viele solche Fälle gehabt in der Vergangenheit, auch gravierende, und haben deshalb Strukturen aufgebaut, die bundesweit Modellcharakter haben. Das Kompetenzzentrum für Risikobewertung beim LKA, behördenübergreifendes Netzwerk, Risikomanagement, Gesundheitsbehörden, Sicherheitsbehörden arbeiten Hand in Hand, um möglichst frühzeitig solche Gefahren zu erkennen und entsprechend tätig zu werden. Und wir werden das auch weiter aufbauen und werden es auch versuchen bundesweit zu etablieren. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, wir hatten nach allem, was wir jetzt wissen, eben keinen belastbaren Hinweis darauf, dass der Täter an einer psychischen Erkrankung litt. Und nach allen fachlichen Risikoindikatoren, die man überhaupt anlegen kann, wäre er nicht und ist auch nicht auf irgendein Radar, auf irgendein Monitoring geraten. Ja, er war auffällig, er war aggressiv. Aber von diesen Fällen haben wir ehrlicherweise Hunderte in der Stadt. Ja, auch Geflüchtete, ja, ja, aber auch ganz viele andere. Ganz viele andere. So. Das ist ein Umstand, mit dem wir in unserer Gesellschaft umgehen müssen und wo wir auch alles, was wir tun können auf allen Ebenen, umsetzen müssen, um mit dieser Gefahr umzugehen. Aber es gab im konkreten Fall eben nichts, was auch nur ansatzweise auf die Gefahr einer so gravierenden Straftat hingewiesen hätte. Der zweite zentrale Punkt ist die Sicherheit – ist angesprochen worden – an Bahnhöfen und im ÖPNV. Wir wissen natürlich, wie sensibel das ist, weil jeder von uns steht an den U-Bahnhöfen, an den Bushaltestellen und ist in seinem Sicherheitsgefühl betroffen durch solche Taten. Deswegen haben wir enorm investiert in den letzten Jahren. Wir haben als erstes Bundesland Waffenverbote, Messerverbote flächendeckend im gesamten ÖPNV durchgesetzt, weil natürlich die... Ja, das sehen Sie kritisch, das sehen Sie kritisch, ne, Herr Nockemann. Ja, das habe ich mir gedacht, Herr Nockemann. Ja, wir haben das im Übrigen... Ach so, das ist jetzt Selbstbewaffnung. Man soll Waffen mit in den ÖPNV nehmen können. Habe ich das jetzt... Zur Verteidigung, ja, natürlich! Ja, alle sollen Waffen im ÖPNV tragen. Das ist Ihre Sicherheitspolitik. Ja, wir haben das im Übrigen wirklich auch gegen die Union im Bund durchgesetzt, dass man keine Waffen im ÖPNV zu tragen hat – niemand! Auch die HOCHBAHN hat die Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich aufgebaut. Das Personal, was jetzt gefordert wird bei der Hochbahnsicherheit, ist deutlich aufgestockt worden, in den letzten Jahren um über 25 Prozent. In diesem Jahr noch mal 60 Kräfte, die dazukommen. Videotechnik ist ausgebaut worden, wird demnächst intelligente Videotechnik. Notrufsysteme sind ausgebaut worden und und und. Und diese Maßnahmen zeigen auch Wirkung. Sie zeigen Wirkung! Die Straftaten im ÖPNV sind rückläufig, in der aktuellen Polizei- und Kriminalstatistik um 4 Prozent, und die Gewalttaten, die Gewalttaten im ÖPNV sind im letzten Jahr um 12,4 Prozent zurückgegangen. Das heißt nicht, dass wir da keine Probleme haben, aber der ÖPNV wird sicherer. Und jeder, der den Menschen etwas erzählt, was heißt, unser ÖPNV ist unsicher und wird unsicherer, der belügt die Menschen. So, jetzt kommen wir zur Migrationspolitik. Ja, der Täter ist 2024 über ein Resettlement-Programm nach Deutschland gekommen. Die Große Koalition in Berlin hat diese und andere freiwillige Aufnahmeprogramme inzwischen auslaufen lassen. Und vor dem Hintergrund der sehr hohen Zahl bereits aufgenommener Schutzbedürftiger in Deutschland ist das auch in Ordnung. Aber auf eines muss man natürlich schon hinweisen. Resettlement ist ein international anerkanntes Instrument der Flüchtlingshilfe in der Verantwortung des UNHCR, bei der gezielt Menschen mit sehr hohem Schutzbedarf ausgewählt werden, und jeder Fall wird einzeln geprüft. Im Fall des Täters war es so, dass er, seitdem er elf Jahre alt war, als Waise in diesem Lager in Kenia war und, nachdem er mehr als die Hälfte seines Lebens dort verbracht hatte, ausgewählt wurde für das Programm. Es war wahrscheinlich die einzige Chance für ihn überhaupt, irgendeine Lebensperspektive zu entwickeln. Er ist dann über das BAMF nach Hamburg verteilt worden. Und die Sicherheitsüberprüfung, die dann hier auch noch mal vorgenommen wurde, hat keinerlei Hinweise, keinerlei Erkenntnisse auf eine Sicherheitsgefahr ergeben. Insgesamt sind über das Resettlement seit 2013 418 Menschen nach Hamburg gekommen. Das sind gemessen an der Zahl der Gesamtflüchtlinge 0,28 Prozent – im Übrigen mehr als die Hälfte davon Frauen und knapp die Hälfte unter 18. Dieses Programm jetzt nachträglich zu einem Sicherheitsrisiko zu erklären, so wie es die CDU tut, und die frühere Bundesregierung dafür unmittelbar verantwortlich zu machen für diesen Tod dieses Mädchens, das ist nicht nur in der Sache haltlos, es ist auch die denkbar schlechteste und politisch schäbigste Art, mit diesem Vorfall umzugehen. Und es ist, das muss ich leider sagen, es ist ein typisch Thering'scher Reflex. Wir sehen das immer wieder bei Ihnen. Ich kann mich erinnern nach dem Überfall der Hamas auf Israel. Wir standen an der Reesendammbrücke. Alle Redner haben erst mal ihre Anteilnahme, ihre tiefe Trauer zum Ausdruck gebracht. Sie waren der Einzige, der nach einem kurzen Satz des Bedauerns sofort das für einen politischen Angriff genutzt hat. Das machen Sie immer. Man glaubt Ihnen die Anteilnahme gar nicht mehr, weil Sie jede Tat nutzen. Und was bedeutet das denn eigentlich? Was bedeutet denn das? Heißt denn das, wenn das jetzt ein Vorwurf ist, heißt denn das, dass alle Geflüchteten, die unter früheren Bundesregierungen hier ins Land gekommen sind, unter Aufnahmeprogrammen anderer Regierungen, da sind die dann auch schuld? Ja, Resettlement gibt es schon viele, viele Jahre unter unterschiedlichsten Bundesregierungen, auch unter Ihrer Bundesregierung. Oder jetzt haben wir einen Innenminister Dobrindt, auf den Sie ja sehr stolz sind, wo Sie sagen: "So, jetzt werden ja Grenzkontrollen durchgeführt" und so weiter. Genau. So. Ja, Grenzkontrollen wünschen Sie sich auch in Hamburg. Kann ich mir vorstellen, Herr Dob... Herr Dobrindt, sage ich schon. So. Trotzdem kommen aber natürlich immer noch Tausende über die Grenzen. Heißt das denn jetzt, wenn einer, der jetzt noch über die Grenze kommt und hier eine Straftat begeht, dass wir dann... dass Sie sich dann hier hinstellen und sagen: "Das sind die..." Hier hat sozusagen Herr Dobrindt die Verantwortung für diese Verbrechen? Ist das sozusagen jetzt die Argumentation, mit der Sie damit umgehen wollen? Das ist... Ja, die AfD klatscht laut Beifall. Wollen Sie das? Ist das Ihre Argumentation? Ja? So, und jetzt sind wir beim letzten Punkt, Aufenthaltsrecht. Hätte der Aufenthalt früher beendet werden können, beendet werden müssen? Ich kann nur sagen, nach geltendem Recht nicht. Ich weiß nicht, wie weit jetzt geltendes Recht für Sie noch relevant ist, aber nach geltendem Recht jedenfalls nicht. Und da hat Hamburg eine ganz, ganz klare Linie. Bei Straftaten schöpfen wir in aller Konsequenz den vollen rechtlichen Rahmen aus und führen auch alle Rückführungen durch, die gehen. Die Zahlen sind kontinuierlich gestiegen, im letzten Jahr um die 270. Das sind die Zahlen, und das schafft natürlich auch mehr Sicherheit. Und wir können auch gerne darüber diskutieren, ich halte das auch für eine richtige Diskussion, ob die Hürden, die rechtlichen Hürden, die wir jetzt haben, zu hoch sind. Das kann man diskutieren. Hamburg hat, wir haben mehrfach, Hamburg hat mehrfach auf Bundesebene Initiativen gestartet, um auch bei Schutzbedürftigen diese Grenzen anders zu fassen und auch zu senken – bisher erfolglos. Das kann man jetzt ja mal sehen. So. Und wir müssen auch... Und wir müssen uns ja ernsthaft eine ganz... Einen Moment! Wir müssen uns schon auch damit auseinandersetzen, dass der Maßstab, der rechtlich gilt, und das, was Menschen von uns erwarten an dieser Stelle, auseinanderklafft. Das ist so. Deswegen ist es richtig, auch über diese Maßstäbe zu reden. Aber eines wird doch immer... Ach so, natürlich... Und es gibt jetzt den Vorstoß, darauf haben Sie sich, glaube ich, auch bezogen, den Vorstoß aus Dänemark, auf EU-Ebene was zu tun. Das kann ja sozusagen dann auf Bundesebene von Ihrem Bundesinnenminister auch unterstützt werden. So. Das kann man alles machen. Aber eines ist doch mal klar: Egal bei welchem Maßstab wir landen, es wird immer, immer eine rechtskräftige Verurteilung brauchen in einem Rechtsstaat. Und jetzt kommen Sie, Herr Thering, und sagen: "Nein, das brauchen wir gar nicht mehr." "Wir brauchen keine Verurteilung mehr." "Wir brauchen keinen rechtsstaatlichen Maßstab mehr." Nein. Doch. Jede Straftat und wer polizeilich auffällig wird... Ich will Ihnen mal was sagen, was das heißt: jede Straftat. Das heißt, das junge afghanische Mädchen, das abends zu einer Feier fährt, ihre Fahrkarte vergisst und eine Leistungserschleichung damit begeht, weil sie erwischt wird, die wollen Sie nach Afghanistan abschieben. Ist das Ihre Politik? Ja! Das bedeutet es, wegen jeder... Jede Straftat soll zur sofortigen Aufenthaltsbeendigung führen. Und noch mal, jede polizeiliche Auffälligkeit, polizeiliche Auffälligkeit... Also der Nachbar zeigt den Ausländer an, sagt: "Der macht hier Ruhestörung", das macht er zweimal, dreimal, es gibt einen Nachbarschaftskonflikt, ist in den Akten: "Polizeiliche Auffälligkeit". Damit, damit, damit init... Es steht... Ich muss Sie beim Wort nehmen, Herr Thering. Ich muss Sie doch beim Wort nehmen. Das haben Sie verlangt! Und dann sagen Sie... kommen Sie gern nach vorne und sagen: "Tut mir leid, habe ich nicht so gemeint." "Man darf das nicht so auf die Goldwaage legen, was ich dann so sage." Das kann ja sein. Ich hab das jetzt mal ernst genommen. Wenn ich Sie zu ernst genommen hab, tut es mir leid, dann bin ich auch beruhigt. Aber ich hab mal Ihren Wortlaut jetzt ernst genommen. Und dann sagen Sie eben noch hier, und es geht ja noch weiter, dann sagen Sie noch: "So jemand, der hier vermehrt auffällig geworden ist," "dass der noch frei rumläuft..." Das heißt also, Sie wollen Leute unabhängig von Haftgründen, unabhängig von Strafverfahren, von allem, wollen Sie Leute einsperren auf Verdacht. Das ist Ihre Vorstellung, wie Sie damit um... Das ist eines Rechtsstaates unwürdig. Das ist keine Politik, die man verfolgen kann. Und dann noch ein Wort zur AfD. Herr Nockemann, Ihnen müsste die Anteilnahme für Fatemeh Z., die müsste Ihnen eigentlich im Hals stecken bleiben, weil Ihre gesamte Politik darauf ausgerichtet ist, dass diese Familie niemals Schutz bekommen hätte in Hamburg.