Marco Schulz
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kollegen, wir stimmen dem Antrag ausdrücklich zu. Allerdings müssen wir feststellen, dass die CDU selbst erstaunlich unklar ja bei ihren Forderungen bleibt. Denn im Antrag ist von "maßvollen" Öffnungszeiten die Rede und von einer Orientierung an den "Lebensrealitäten" einer modernen Metropole. Daher würden wir gern mal wissen: Was ist denn das konkret? Was ist denn maßvoll? Was was ist denn die Realität? Wenn wir ehrlich sind, Hamburg ist eine Stadt, in der rund um die Uhr gearbeitet wird. In Krankenhäusern, in der Logistik, am Hafen, in Hotels. Wer hier bewusst unkonkret bleibt, läuft Gefahr, auch absichtlich missverstanden zu werden. Und am Ende heißt es dann wieder, man fordere eine Pflicht zur Sonntagsarbeit. Das will man offenbar auch nach dem Maulkorberlass des Befehlshabers Merz innerhalb der CDU vermeiden, aber Politik braucht diese Klarheit und den Mut zur Wahrheit. Und zur Wahrheit gehört nun mal, dass Deutschland in Europa in einer kleinen einstelligen Minderheit sich befindet, die fanatisch an einem nahezu vollständigen Arbeitsverbot am Sonntag festhält. Selbst tief katholisch geprägte Länder wie Polen oder Italien handhaben das deutlich pragmatischer. Und in anderen Ländern wie den Niederlanden ist sonntägliches Arbeiten gänzliche Normalität, und zwar auf freiwilliger Basis. Genau darum geht es. Sonntagsarbeit darf stattfinden, sie muss aber nicht stattfinden. Und niemand wird gezwungen, vor allem nicht in der heutigen Zeit, denn wir befinden uns auf einem Arbeitnehmermarkt. Wer unzufrieden ist, wechselt den Arbeitgeber. Mit entsprechenden Zuschlägen wird es stets immer genug Freiwillige geben. Dass da bei der SPD Hopfen und Malz verloren ist, ist klar. Für sie ist es ja schon ein Sakrileg, eine Jobmesse in Hamburg am Sonntag zu fordern. Und dass die Genossenschaft oder die Gewerkschaft sich hier dagegen ausspricht, ist auch verständlich. Man muss sich ja Sonntag ausruhen, um am Montag fleißig zu streiken, ne. Insofern: Deshalb sagen wir klares Ja zur Lockerung auf diesem insgesamt langen Pfad, den wir noch aufzuholen haben. Vielen Dank.
