Lisa Kern
Sehr geehrter Präsident, liebe Kolleg:innen. Förderbedarfe frühzeitig zu erkennen und Kitas, Kinder, Eltern, Schule optimal zu unterstützen, ist ein zentrales und wichtiges Anliegen. Der Antrag der CDU beschäftigt sich mit einem Thema, das uns, glaube ich, alle, die wir uns mit Kindern und Jugendlichen, mit Schule beschäftigen, umtreibt, nämlich der Sprachentwicklung unserer Kinder und der Frage, wie wir sie frühzeitig, verlässlich und wirksam unterstützen können. Aber es lohnt sich, hier genauer hinzuschauen. Wir haben jetzt schon viel darüber gehört, dass Hamburg ein Viereinhalbjährigen- Vorstellungsverfahren hat, ein gesetzlich verankertes, fachlich erprobtes und über die Jahre gewachsenes Instrument. Es liegt in einer Phase in der kindlichen Entwicklung, wo diese stabil und vergleichbar ist, wo valide Einschätzungen möglich sind und gleichzeitig noch genügend Zeit bleibt, um wirksame Förderung zu organisieren. Das Verfahren ist eingebettet in eine enge Zusammenarbeit aus Schule und Kitas, Eltern und Kindern. Und genau diese Verzahnung zwischen den verschiedenen Institutionen ist seine große Stärke. Mit der Viereinhalbjährigen-Vorstellung beginnt die Übergangsphase von Kita in Schule. Dieser Übergang braucht Vertrauen, gute Abstimmung und ein gemeinsames Bild vom Kind. Hierbei ist es aus unserer Perspektive wichtig, dass Kinder vor allem nicht zu spät gesehen werden, weil ihr Geburtstag vielleicht unglücklich liegt mit Blick auf den Behördenkalender. Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist in dieser Debatte, weil er im Antrag und leider häufig auch in der öffentlichen Diskussion immer wieder verzerrt dargestellt wird, ist: Kitas sind kein Ort geringerer fachlicher Qualität, wenn es um Sprachförderung geht. Ganz im Gegenteil. Erzieher:innen... Danke schön. Erzieher:innen sind qualifizierte pädagogische Fachkräfte. Sie sind ausgebildet, Sprachentwicklung zu beobachten, Sprachstände einzuschätzen und Sprachförderung durchzuführen. Sprache gehört zu den Schwerpunktaufgaben unserer Kitas – für alle Kinder und insbesondere für Kinder mit Förderbedarf. Sprachförderung ist keine Frage des Gebäudes, sondern der Qualität. Und die gibt es in Hamburg sowohl in unseren Kitas als auch in unseren Schulen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Von rund 3.800 Kindern mit ausgeprägtem Sprachförderbedarf werden derzeit etwa 350 additiv in Kitas gefördert. Die übrigen sind alle in der Vorschule. Also diese Erzählung, dass da ganz viele in Kitas unterwegs sind, und man müsse die alle unbedingt in die Vorschule holen, die steht auf ganz dünnen Füßen. Zumal in den Kitas diese Förderung alltagsintegriert durchgeführt wird, auf Grundlage pädagogischer Konzepte, die sich bewährt haben. Ein Kind, das täglich in der Kita Sprachförderung erhält, den ganzen Tag lang, wird genauso wirksam unterstützt wie ein Kind, das an zwei Tagen pro Woche eine additive Förderung in einer Vorschule erhält. Glauben Sie mir, ich habe eine Vorschülerin zu Hause sitzen. Ich weiß sehr genau, wie Vorschule funktioniert, und ich weiß sehr genau, wie anders da die individuelle Betreuung einzelner Kinder funktioniert. Schauen Sie sich die Betreuungsschlüssel an. Schauen Sie, wie viele Personen in Vorschule dort da sind, um tatsächlich das Kind genau zu sehen und es zu unterstützen. Diese Fokussierung von Ihnen auf die Vorschule ist unnötig. Kitas in Gebieten mit einem höheren Anteil an Kindern mit Sprachförderbedarfen erhalten zusätzliche personelle Ressourcen. Die Förderprogramme oder das Förderprogramm KitaPlus, es hat hier einen deutlichen Qualitätsschub gebracht. Die Erzieher:innen sind bestens ausgebildet, sie leisten hervorragende Arbeit. Und auch die Frage, wo die Viereinhalbjährigen-Vorstellung stattfindet, wird zu einseitig betrachtet. In der Regel ist sie in der Schule, und für viele Viereinhalbjährige ist das toll, endlich mal in ihre zukünftige Grundschule gehen zu können. Aber es gibt doch auch Kinder, die das nicht können, die das nicht wollen, Eltern, die anders betreut werden möchten. Warum wollen Sie all denen so sehr das Gefühl geben, dass da ein Defizit herrscht? Ein Punkt, den die Kollegin auch schon angesprochen hat, ist, dass der große Unterschied bei der Einschätzung ist: In der Vorschule ist es ein punktuelles Betrachten des Kindes, die Erzieher:innen beobachten ihre Schützlinge oft über Jahre lang. Und auch hier gilt wieder: Es ist eine unnötige Fokussierung darauf, dass das alles in der Schule erfolgen muss. Die Kinder sind in unseren Kitas wirklich gut gesehen. Wir müssen wachsam bleiben. Der Sprachförderbedarf ist zuletzt gestiegen aus verschiedenen Gründen. Und deshalb ist es richtig, dass wir weiter daran arbeiten, eine durchgängige Förderkette zu haben, ein gutes Monitoring und die Zusammenarbeit zwischen Kita und Schule zu stärken, aber nicht einseitig zulasten der Kita. Und natürlich fordern wir auch als GRÜNE, dass unbedingt früh gefördert wird. Wo nötig auch gerne früher. Aber das Wichtige ist: kindgerecht, gemeinsam mit den Kitas, nicht gegen die Pädagog:innen in den Kitas, zusammen mit den Eltern, zusammen mit den Kindern. Und deswegen lehnen wir wegen dieser einseitigen Fokussierung auf das Gebäude Schule und auf das System Schule Ihren Antrag ab. Vielen Dank.
