Sehr geehrte Präsidentin, meine Damen und Herren. Sie haben jetzt gerade fünf Minuten intellektuelles Hochreck gehört zur Klimapolitik. Ich versuch, das mal ein bisschen einzuordnen. Also erst mal spannend, dass Sie das angemeldet haben. Vielen Dank, dass Sie das Thema angemeldet haben. Die letzten sechs Jahre haben Sie über jeden Bericht gesagt, das seien Scharlatane und das sei alles absurd, was drinsteht. Und wenn Sie was finden, was Sie falsch auslegen können, melden Sie's sogar selbst an. Das freut mich sehr. Wir gucken einfach mal in den Bericht zusammen rein. Sie haben ja die Überschrift vorgelesen, dann wahrscheinlich nicht mehr umgeblättert. Also Fakt ist Folgendes: Es ist tatsächlich so, das Worst-Case-Szenario RCP 8.5 – das steht für "repräsentativen Konzentrationspfad", also wie hoch ist die Treibhausgasemission in der Atmosphäre –, das krasseste aller Szenarien ist unplausibel. Genau. Und warum? Haben Sie diese intellektuelle Transferleistung schon mal angedacht, zu sagen, warum? Warum ist dieses Modell abgesagt? Ist das einfach abgesagt worden? Nein, sondern weil man gucken muss, auf was beruht denn dieses Modell? 2010 wurde dieses Modell erstellt unter folgender Prämisse: Wenn man gesagt hat, dass nach der damaligen Wirtschaftsentwicklung der Welt, die damals überwiegend auf Öl und Kohle basiert hat, wenn das so weiter wachsen würde mit der gleichen Energie- und Klimapolitik, die zwei... Ah, schon zu viele Fakten, ne? Also wenn man das einfach hochzieht, das Modell sich einfach mal anguckt, das kann man sich ja angucken! Worauf beruht dieses Modell? Auf einem solchen Anstieg, der quasi auf Öl und Kohle basiert. Und wenn man dann guckt, dass das jetzt abgesagt wurde, was bedeutet das? Wir sehen, dass in den letzten 16 Jahren, gerade mal 16 Jahren, nicht zwei, drei Generationen, sondern wir haben es in 16 Jahren geschafft, dass trotz gewachsener Wirtschaft, global, zu 2010, obwohl Länder wie China und Amerika ja trotzdem auch noch fossile Sachen ausbauen, trotzdem der Anteil von regenerativen Energien weltweit so stark gestiegen ist, dass jetzt schon, nach 16 Jahren, das krasseste Szenario vom Tisch ist. Das ist doch nix Dramatisches, das ist was Großartiges, dass wir das alle zusammen geschafft haben! Herr Mohrenberg, zu Ihren Erläuterungen hätte jetzt Herr Mennerich noch eine Nachfrage. Nein, danke. Ihre Fraktion hat sechs Redner hier angemeldet. Sie können sich nachher gerne melden. So. Zur Wahrheit gehört aber auch: Dass das krasseste aller Szenarien abgesagt ist, darf uns auch nicht beruhigen. Sie haben gerade so en passant gesagt: "Ja, dann wird es halt nur noch ein, zwei Grad wärmer." Als ob ein, zwei Grad wärmer zu jetzt entspannt ist. Fragen Sie mal ältere Menschen im Hochsommer in dieser Stadt, was das bedeutet, wenn sich die Temperatur in den nächsten Jahren noch krasser bewegen wird. Wir sehen jetzt schon die Waldbrände und Dürren auch in diesem Land, und wenn wir uns den globalen Süden angucken... Und das ist eine Entwicklung, wo nicht mal die Hälfte von dem, was als realistisch eingeschätzt wird, passiert ist. Das heißt, dass das krasseste aller Szenarien vom Tisch ist, ist großartig, aber das zweit- und drittkrasseste Szenario ist immer noch ein Problem für unsere gesamte Spezies! Und deswegen muss man schon sagen: Es ist gut, dass wir daran festhalten, genauso weiterzumachen. Und jetzt müssen wir aber eine Sache festhalten, die will ich einmal auch zum Lobe der anderen Oppositionsparteien sagen: Ich muss heute wieder feststellen, es gibt nur noch eine Kraft im Haus, die wirklich die Sinnhaftigkeit von Klimaschutz ständig pauschal infrage stellt. Und ehrlicherweise: Klimaschutz ist nicht leicht. Das macht auch nicht immer Spaß, politisch. Ist halt eine Herausforderung für den sozialen Zusammenhalt. Aber es geht darum, ob man vor dieser Herausforderung wegläuft oder ob man sich der stellt. Und ehrlicherweise: Wir in dieser Stadt, alle anderen Fraktionen stellen sich dieser Herausforderung! Man kann da ja auch sehr unterschiedliche Meinungen haben. Wir haben nachher ein paar Debatten mit der CDU, die ganz andere Ansätze hat als wir, aber die haben wenigstens eine Meinung, wie man anderweitig Energiepolitik machen könnte. Mit Herrn Jersch streit ich mich auch regelmäßig hier, aber der hat jedes Mal eine andere Meinung. Sie leugnen einfach das Problem! Ich muss sagen, Sie laufen jetzt seit sechs Jahren weg vor der Herausforderung. Sie machen sich kleiner, als Sie sind, dass Sie sagen: "Wir trauen uns gar keine Meinung dazu zu." Ich finde das schwach und dieses Parlaments nicht würdig, eine der größten sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen einfach zu negieren und Angst zu haben vor einem Lösungsvorschlag. Das ist das, was Sie tun. Am Ende muss es doch darum gehen, dass wir darüber debattieren: Wie ist der beste Weg? Ist jede Maßnahme, die gerade bundesweit getroffen wird, gut? Wahrscheinlich nicht. Aber wir müssen uns überlegen: Was ist das sinnigste Herangehen um Klima- und Energiewende... Weil wir sehen jetzt nach 16 Jahren großartige Ergebnisse, wissen aber auch, da gibt's noch viel zu tun. Wir haben unseren Ansatz gefunden. Wir versuchen zu sagen, das muss sich einfach für normale Bürger... Die Sozialverträglichkeit muss erhalten bleiben. Wir glauben, dass das der sinnigste Weg ist, den anzugehen. Wenn wir über die Solarstrategie reden, gibt's zurecht die Kritik: Da könnte noch mehr passieren. Und wir sagen Ja – und am besten auch mit Mieterstrom zusammen, damit Bürgerinnen und Bürger günstigen Strom haben. Dann sparen sie Nebenkosten, zahlen nur noch 4 bis 5 Cent die Kilowattstunde. Das sind die aktuellen Kosten, die Solarstrom produziert. Es gibt Debatten in dieser Stadt darüber: Wie läuft das mit der Wärmeversorgung? Da haben wir heute eine große Debatte. Wir glauben, es ist sinnvoll zu gucken, dass man große Skalierungen macht mit Fernwärme, mit Quartierslösungen, weil für alle das günstiger wird, als sich jetzt eine Ölheizung einzubauen und dann in 20 Jahren doppelt und dreifach draufzuzahlen. Da kann man sehr unterschiedliche Ansichten haben, was der sinnigste Weg ist. Aber wir sollten wirklich gucken, dass wir dieses Parlament dafür nutzen zu schauen: Was ist der beste Weg für die Energiewende in Hamburg, für die Energiewende in Deutschland? Weil wir sehen an genau diesem Bericht, den Sie dankenswerterweise angemeldet haben, dass bereits nach 16 Jahren, nach nicht mal einer Generation das schlimmstmögliche Szenario vom Tisch ist. Und ich glaube, wir sollten alle zusammen daran arbeiten, dass wir das zweit- und drittschlimmste Szenario auch noch vom Tisch bekommen. Packen wir es an, drücken wir uns nicht vor der Herausforderung! Die Klima- und Energiepolitik liegt vor uns, wir sollten sie proaktiv angehen! Vielen Dank.