Philine Sturzenbecher
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD fordert heute eine 180-Grad-Wende in der Klimapolitik. Und schon die Überschrift der Aktuellen Stunde zeigt, worum es ihr eigentlich geht: Zweifel säen, Wissenschaft delegitimieren, Menschen einreden, die Klimakrise sei übertrieben oder gar erfunden und man müsste nichts oder eben etwas anders machen. Und genau das ist verantwortungslos. Denn wer wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt verzerrt, um politisch Stimmung zu machen, der greift am Ende nicht nur den Klimaschutz an, sondern das Vertrauen in Wissenschaft insgesamt. Und das ist brandgefährlich. Die AfD versucht heute, aus einer fachlichen Debatte über Klimamodelle abzuleiten, dass die Klimakrise insgesamt infrage stünde. Doch genau das ist falsch. Ja, in der Klimaforschung werden Modelle überprüft und weiterentwickelt. Manche Szenarien gelten heute als weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Jahren. Aber was zeigt das eigentlich? Es zeigt, dass Wissenschaft funktioniert, dass Klimaschutz funktioniert. Wissenschaft lebt davon, Annahmen zu überprüfen, Daten neu zu bewerten und Erkenntnisse weiterzuentwickeln. Gerade die Fähigkeit zur Selbstkorrektur macht sie glaubwürdig. Das Gegenteil davon erleben wir bei der AfD. Da wird nicht nach Erkenntnis gesucht, sondern nach Schlagzeilen. Nicht nach Lösungen, sondern nach Verunsicherung. Denn obwohl einzelne Extremszenarien heute anders bewertet werden, bleibt der wissenschaftliche Befund eindeutig: Die Erde erwärmt sich, der Mensch verursacht diese Erwärmung maßgeblich und die Folgen sind real: mehr Hitzewellen, mehr Dürren, mehr Starkregen, steigende Meeresspiegel. Das alles ist keine Panikmache, das ist wissenschaftlicher Konsens. Und gerade wir hier in Hamburg wissen doch, was das bedeutet. Wir sind eine Stadt am Wasser. Küstenschutz und Hochwasserschutz sind für uns keine theoretischen Debatten. Wir erleben schon heute häufiger Extremwetterereignisse und zunehmende Belastungen durch Hitze in der Stadt. Diese lokalen Beobachtungen decken sich mit den harten Fakten der Wissenschaft. Der aktuelle Bericht des EU-Klimawandeldienstes Copernicus und der WMO belegt, dass Europa der Kontinent ist, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Allein aus Eigeninteresse muss die Politik daher verantwortlich halten. Jetzt so zu tun, als könnten wir einfach weitermachen wie bisher oder gar Klimaschutzmaßnahmen zurückschrauben, ist geradezu fahrlässig. Und natürlich kann und muss Politik über den richtigen Weg streiten. Das ist Ausdruck unseres demokratischen Systems und einer kritischen Wissenschaftsdebatte. Aber was wir nicht tun dürfen, ist, die Realität zu leugnen. Denn die Folgen der Klimakrise verschwinden nicht dadurch, dass man sie kleinredet. Das ist nicht nur ökologischer Wahnsinn, sondern ökonomisch fatal. Die Transformation hin zu klimaneutraler Industrie, zu erneuerbaren Energien und moderner Infrastruktur ist längst im Gang – weltweit. Wer jetzt aussteigen will, gefährdet nicht nur das Klima, sondern auch Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze. Und deshalb werden wir Klimaschutz weiter sozial gerecht, wirtschaftlich vernünftig und faktenbasiert voranbringen, statt mit populistischen Nebelkerzen von den realen Herausforderungen und politischer Verantwortung abzulenken. Vielen Dank.
