Martin Wolter
Ja, liebe Hamburger:innen, danke für das freiwillige Engagement, das hier in der Stadt geleistet wird. Und, ja, sicher, das wird auch von uns an dieser Stelle erwartet, aber es ist halt auch absolut berechtigt und ehrlich gemeint, ne? Und je nach Möglichkeit manchmal punktuell, manchmal für ganze Vereine existenziell. Und oft genug stehen die Heldinnen und Helden unserer Gesellschaft nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dabei ist jede Minute wertvoll, die nicht in ein Nebeneinander, sondern in ein Füreinander hineingesteckt wird. Sie kann sowohl die persönliche Entwicklung als auch die politische Teilhabe stärken, ob Gemeinschaft finden oder Demokratie stärken, ob nun allgemeine Kassentätigkeiten im Hintergrund oder beim regelmäßigen Lebensrettungseinsatz ganz vorne mit dabei. Die Menschen haben unterschiedliche Voraussetzungen, Motive, Interessen und so weiter, ne, für ihre freiwilligen Tätigkeiten. Was steckt jedoch nun hinter dem Rückgang des freiwilligen Engagements in Hamburg? Ja, also diese Verringerung zeigt ja der Deutsche Freiwilligensurvey 2024 in seiner Langzeiterhebung auf, ja? Also 2014 waren es in Hamburg noch 36 Prozent, 2019 waren es dann nur noch 35,6 Prozent. Jetzt, das steht schon drin für Hamburg in der Auswertung, sind es noch 31,5 Prozent. Also damit liegt Hamburg auf dem vorletzten Platz vor Sachsen-Anhalt. Tja, fragen wir uns, ne, wann zeigen sich eigentlich die Erfolge Ihrer vor zwölf Jahren gestarteten Hamburger Ehrenamtstrategie? Und ja, Herr Çapar, jetzt haben Sie es noch mal reingebracht mit den Olympischen Spielen. Werden die jetzt auch aufgenommen in die Ehrenamtstrategie? Da frage ich mich aber tatsächlich, welche Ehrenamtlichen Sie meinen. Meinen Sie die hochbezahlten ehrenamtlichen Funktionäre des Vereins IOC mit ihren sechsstelligen Abfindungen? Oder meinen Sie die Menschen, die sich die Tickets nicht leisten können und deshalb 100 Stunden da zum Beispiel in Paris ehrenamtlich gearbeitet haben, damit sie überhaupt dabei sein konnten? Na, wir werden sehen. Vielleicht auf jeden Fall kann diesen Rückgang ein weiterer Länderbericht dieser Langzeiterhebung hier für mehr Aufklärung sorgen, ne? Wir stimmen dem Antrag auf jeden Fall zu. Und ja, viele Menschen scheitern nicht an mangelnder Motivation, sondern an strukturellen Hürden. So zeigen die bereits vorliegenden Ergebnisse, dass insbesondere bei Frauen mit Kindern unter 14 Jahren im Haushalt ein bedeutsamer Rückgang im Bereich Freiwilligenarbeit zu verzeichnen ist. Ja, das deutet eventuell schon mal auf mangelnde Geschlechtergerechtigkeit hin. Da passt auch gut zusammen, dass im Survey als Gründe für die mögliche Einschränkung oder Beendigung ihres Engagements circa zwei von drei Freiwilligen am häufigsten zeitliche Faktoren nennen, ja? Also die Menschen brauchen offensichtlich mehr Entlastung und weniger Druck in dieser Leistungsgesellschaft, ja? Und eine größere Vereinbarkeit natürlich jetzt in dem konkreten Beispiel vom Engagement in Care-Arbeit. Klar ist, dass Mittelkürzungen, fehlende Räume oder fehlende Tarifanpassungen bei Vereinen nicht zu einer angestrebten Steigerung der Engagementzahlen führen werden. Eine solche Zunahme ist aber gerade auch im Sinne der Demokratiestärkung wünschenswert. Und wenn wir in den kommenden Monaten nun auf den Länderbericht warten, hoffen wir darüber hinaus auf eine stärkere Förderung gerade jungen Engagements, auf eine verbesserte Förderpraxis, unkomplizierte Förderpraxis und auf Fortschritte in Sachen Digitalisierung. Danke.
