Melanie Nerlich
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Fossile Energien sind Kostenfallen. Der Krieg im Iran hat uns gerade erst wieder gezeigt, wie teuer es für die Menschen in unserer Stadt ist, von Öl- und Gaslieferungen aus anderen Ländern abhängig zu sein. Deshalb wollen wir die Wohnungen in unserer Stadt mit erneuerbaren Energien warm bekommen. In zentralen Gebieten mit Fernwärme und in dezentralen Gebieten mit Wärmepumpen. Um das Hamburger Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, müssen, das hat die Stadt berechnet, jährlich knapp 13.400 neue Wärmepumpen in Hamburg installiert werden. Aktuell werden aber nur etwa 9.000 Heizungen jährlich überhaupt getauscht, und davon sind lediglich 1.500 neue Wärmepumpen und 500 Wärmenetzanschlüsse. Wir brauchen also eine Verachtfachung der Zubaugeschwindigkeit. Dafür werden Informationskampagnen und Beratungen, auch wenn die super sinnvoll sind und natürlich trotzdem durchgeführt werden, alleine nicht ausreichen. Zusätzlich brauchen wir im Hamburger Landesrecht die Möglichkeit, Anforderungen an die Nutzung von erneuerbaren Energien bei neuen Heizungen festzuschreiben. Das brauchen wir, meine Damen und Herren, nicht primär für den Klimaschutz, sondern für den Verbraucherschutz. Klimaneutralität 2040 bedeutet nämlich, dass 2040 kein Gas mehr aus der Leitung kommt, sondern stattdessen mit Fernwärme und Wärmepumpen geheizt wird. Menschen also heute noch zu suggerieren, dass eine neue Gasheizung eine supergute Idee sei, ist einfach Verbrauchertäuschung. Warum? Weil Heizungen im Schnitt 20 Jahre halten, also von heute bis etwa 2046. Das heißt, wenn man sich heute noch für neue Gasheizungen ausspricht, meint man eins von zwei Dingen: entweder a) dass man das mit dem Klimaschutz einfach komplett aufgibt, oder b) dass man den Menschen aufdrückt, innerhalb von 14 Jahren zweimal in eine neue Heizung zu investieren. Beides davon finden wir nicht tragbar. Der Referentenentwurf des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes auf Bundesebene suggeriert nun aber leider, dass man sich wirklich heute noch eine Gasheizung einbauen könne. Dann müsse man später nur ein bisschen Wasserstoff oder Biomethan beimischen und dann sei schon alles okay. Das ist schlichtweg falsch. Wasserstoff ist knapp und teuer und muss dort eingesetzt werden, wo es wirklich nicht anders geht, vor allem bei der Dekarbonisierung der Industrie. Wasserstoff in seiner privaten Heizung buchstäblich zu verheizen, wird sich niemand, wirklich niemand leisten können. Auch Biomethan wird niemals auch nur ansatzweise in der benötigten Menge und dazu noch bezahlbar zur Verfügung stehen. Um das mal einzuordnen: Deutschland ist 35,8 Millionen Hektar groß. Knapp die Hälfte davon – 16,7 Millionen Hektar – sind landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon werden aktuell nur knapp 22 Prozent für die direkte Nahrungsmittelproduktion genutzt. Der Großteil – 60 Prozent – geht für den Futtermittelanbau für unseren viel zu hohen Fleisch- und Milchkonsum drauf. Und bereits heute werden 14 Prozent für den Energiepflanzenanbau genutzt. Wenn wir nun alle mit Biomethan heizen wollen würden, dann müsste sich dieser Anteil vervielfachen. Mal ganz abgesehen von den negativen Auswirkungen auf den Naturschutz, weil der Energiepflanzenanbau oft in Monokulturen mit Pestizideinsatz geschieht, haben wir dafür einfach die Fläche nicht. Wir könnten natürlich 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche freisetzen, wenn jetzt das ganze Land schlagartig vegan würde. Fänd ich persönlich prima, sehe ich aber mit unserem Landwirtschaftsminister Rainer auch so gar nicht kommen. Nur mal zum Vergleich: Für Windenergie brauchen wir nur 2 Prozent der gesamtdeutschen, also etwa 1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Und auch für Solarparks brauchen wir, um alle Klimaziele zu erreichen, nur etwa 1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Mit einem Solarpark bekommt man von ein und demselben Hektar 18 bis 27 mal so viel Energie runter wie mit Silomais für Biogas. Es ist also um ein Vielfaches flächeneffizienter, eine Wärmepumpe mit erneuerbaren Energien zu betreiben, als Biomethan in privaten Heizungen buchstäblich zu verheizen. Also: In Hamburg wollen wir Verbraucherschutz, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Damit wir das umsetzen können, brauchen wir Regelungskompetenz auf Landesebene. Vielen Dank.
