Simone Dornia
Sehr geehrter Präsident, meine Damen und Herren! Wenn wir heute über das Freiwilligensurvey sprechen, dann sprechen wir nicht zuerst über Zahlen. Es geht, liebe CDU, hier auch um die Erhebung, um dann zielgerichtet handeln zu können. Wir sprechen über Menschen, über die Trainerin, die zweimal pro Woche Kinderfußball organisiert; über die Nachbarn, die ältere Menschen zum Arzt fahren; über die Ehrenamtlichen bei der Feuerwehr, im THW oder im Rettungsdienst; über die Frau, die am Wochenende Lebensmittel austeilt; über Menschen, die Kulturveranstaltungen ermöglichen, Vereine, die zusammenhalten, Sprachcafés organisieren oder sich gegen Einsamkeit engagieren. Kurz gesagt: Wir sprechen über diejenigen, die Hamburg jeden Tag ein Stück menschlicher, lebenswerter und liebenswerter machen. Mehr als eine halbe Million Hamburger:innen engagieren sich laut letzter Auswertung freiwillig. Das ist keine Randnotiz. Das ist das Fundament unserer Stadtgesellschaft. Und genau deshalb ist dieser Antrag zum Freiwilligensurvey so wichtig. Denn der Freiwilligensurvey zeigt uns nicht nur, wie viele Menschen sich engagieren, er hilft uns zu verstehen, warum sie das tun. Was sie antreibt, was sie motiviert, aber auch, was sie davon abhält. Denn die entscheidende Frage lautet doch: Warum investieren Menschen ihre Zeit, ihre Kraft und oft auch ihre Nerven ohne Bezahlung, ohne großen Applaus, häufig neben dem Beruf, der Familie oder auch der Pflegearbeit. Die Antwort ist zutiefst hoffnungsvoll: Menschen engagieren sich, weil sie gestalten wollen, weil sie Verantwortung übernehmen wollen, weil sie nicht nur zusehen möchten. Viele engagieren sich aus Mitgefühl, andere aus Überzeugung, manche, weil sie selbst Hilfe erfahren haben und es zurückgeben möchten. Und viele schlicht deshalb, weil Gemeinschaft auch glücklich macht. Freiwilliges Engagement entsteht dort, wo Menschen sagen: "Das hier ist auch meine Stadt. Das ist mein Viertel, das ist meine Gesellschaft." "Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen." Gerade in einer Zeit, in der oft über gesellschaftliche Spaltung gesprochen wird und sie förmlich mit den Händen greifbar ist, einem die Nachrichten und Weltlage einen Schauer über den Rücken laufen lässt, ist das eine unglaublich starke Botschaft. Denn Ehrenamt verbindet Menschen, die sonst sich vielleicht nie begegnen würden. Es schafft Vertrauen, es schafft Zusammenhalt. Und manchmal schafft es sogar Zuversicht, wo vorher Resignation war. Deshalb dürfen wir Ehrenamtpolitik niemals nur verwalten. Wir müssen sie ermöglichen, und dafür brauchen wir gute Daten. Der neue Freiwilligensurvey zeigt bundesweit einen leichten Rückgang des Engagements, das wurde hier eben schon gesagt. Das sollte uns aufmerksam machen, aber keineswegs pessimistisch. Denn viele Menschen wollen sich engagieren, stoßen aber auf Hürden wie Zeitdruck, die benannte Bürokratie, fehlende Informationen, finanzielle Belastungen oder die Schwierigkeit, das Ehrenamt mit der Sorgearbeit und dem Beruf zu vereinbaren. Gerade deshalb ist eine Hamburg-spezifische Auswertung so wichtig. Wir müssen genauer hinschauen: Wer engagiert sich und wer nicht? Welche Gruppen finden Zugang? Welche vielleicht noch nicht? Und braucht es unsere bessere Unterstützung? Und wie können wir die Bereitschaft zum Engagement weiter stärken? Denn eins ist klar: Ehrenamt ist keine unerschöpfliche Ressource. Es lebt davon, dass Menschen Wertschätzung erfahren, dass Strukturen funktionieren, dass Engagement nicht zusätzlich erschwert wird. Und deshalb möchte ich heute vor allem eins sagen: danke schön! Danke an all die Hamburger:innen, die Verantwortung übernehmen, oft still, oft selbstverständlich und oft ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Sie sind es, die zeigen, dass Demokratie mehr ist als Wahlen, dass Zusammenhalt mehr ist als ein politisches Schlagwort und dass eine Stadt nicht allein durch Verwaltung funktioniert, sondern durch die vielen Menschen, die füreinander einstehen. Sie verdienen auch gute politische Rahmenbedingungen. Der Freiwilligensurvey kann uns helfen, genau diese Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln – klug, zielgerichtet und nah an der Lebensrealität der Engagierten. Darum bitte ich um die Zustimmung zu diesem Antrag. Vielen Dank.
