Julian Herrmann
Ja, Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren. Hamburg ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands, eine Wirtschaftsmetropole, ein internationaler Wissenschaftsstandort und eine Stadt mit enormem Potenzial. Umso ernüchternder ist es, dass wir beim Thema Start-up-Gründung hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben. Hamburg liegt bei Neugründungen pro 100.000 Einwohnern jetzt seit Kurzem nur noch auf Platz 11 in Deutschland, nicht in Europa, in Deutschland auf Platz 11. Für eine Stadt mit unserer Ausgangslage, mit unserem Anspruch ist das eindeutig zu wenig. Dabei geht es doch beim Thema Gründung um den zukünftigen Wohlstand unserer Stadt, um Wertschöpfung, um Arbeitsplätze, um technologische Souveränität und um die Frage, ob Hamburg auch in 10, 15 oder 20 Jahren nicht den Anschluss verpasst, sondern noch in Wohlstand leben kann. Und im Moment leben wir leider in vielen Bereichen von der Substanz, von der Vergangenheit, aber von alter Stärke. Aber Wohlstand lässt sich auf Dauer nicht verwalten. Man muss ihn immer wieder neu erarbeiten und jeden Tag dafür kämpfen, dass man diesen erhalten kann. Und dafür braucht es mehr Gründungen, mehr Innovation und mehr Mut für neue Ideen. Ein wichtiger Hoffnungsschimmer für eine neue Gründungsdynamik in Hamburg war dabei zuletzt die Impossible Founders. Und so positiv es ist, dass es diese Initiative gibt und es dieses private Engagement, das private Kapital und diesen privaten Gestaltungswillen gibt, so zeigt es vor allem eins, dass die Impulse im Bereich Start-up-Hotspot in Hamburg leider nicht aus dem Rathaus kommen, meine Damen und Herren. Im Gegenteil, aus privater Hand kommt das alles, aus dem Rathaus kommt leider nur wenig. Und jetzt wird sicherlich gleich ausgeführt werden: "Ja, es gibt doch aber die IFB, und die haben auch Programm, das heißt InnoFounder." Ja, natürlich gibt es auch in Hamburg Förderinstrumente, und ich will die auch gar nicht grundsätzlich schlechtreden. Aber wenn wir uns die IFB jetzt mal angucken mit dem Programm InnoFounder, was am ehesten daran kommt, was wir hier mit dem Gründungsstipendium fordern, dann sieht man relativ schnell auf deren Website, dass es 24 Förderungen im Schnitt pro Jahr gibt. Und ein positiver Antrag dauert 129 Tage. Wenn ich das vergleiche mit dem Gründungsstipendium, wie es Schwarz-Gelb in NRW aufgelegt hat, dann sieht es einfach aus, dass es deutlich schneller, deutlich unbürokratischer ist. Und dort haben wir im gleichen Zeitraum seit 2018 nicht 24 Gründungen pro Jahr, die begleitet werden, also 160 sind's insgesamt laut IFB, sondern da haben wir über 4.500 Gründer, die im gleichen Zeitraum schon gefördert wurden. Und natürlich, jeder weiß, NRW ist größer, aber das sind Dimensionen. 24 Teams pro Jahr, 160 insgesamt versus über 4.500 Gründer. Und genau an dieser breiten Förderung von neuen Innovationen, von neuen Ideen mangelt es in unserer Stadt leider. Und nun wollen wir mit diesem Gründungsstipendium Gründer und Gründungsteams mit überzeugenden Ideen, mit 1.350 Euro Zuschuss zu ihren Lebenshaltungskosten pro Monat unterstützen. Das Ganze soll in bestehenden Strukturen passieren. Es soll schnell und praxisnah passieren. Das heißt eben durch eine Jury mit erfolgreichen Gründern, Professoren und Innovationsexperten, die darüber entscheiden, und nicht Sachbearbeiter einer städtischen Bank. Und genug Gründergeist, um das auszulasten, gibt es bei uns in der Stadt allemal. So zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung nämlich, dass jeder zweite junge Mensch zwischen 14 und 25 Jahren in diesem Land bereit ist, ein Unternehmen zu gründen, sich das vorstellen kann. Also das Potenzial ist definitiv vorhanden. Wir haben hier eine Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und selbst etwas aufzubauen. Aber wir müssen eben auch dafür sorgen, dass sie den Mut haben, das dann auch wirklich durchzuziehen. Und die Studie liefert nämlich auch die Antwort darauf, wie wir dieses Potenzial entfesseln können. Und zwar ist das eben ein Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten in der Anfangsphase der Gründung. Das hält die meisten Menschen, jungen Menschen davon ab, zu gründen. Und im Kern ist es dann ja auch eine Frage der Chancengerechtigkeit. Denn gründen können heute oft vor allem Leute, die Rücklagen haben oder auf familiäre Unterstützung zurückgreifen können. Aber Unternehmergeist, gute Ideen und Mut zur Verantwortung hängen nicht vom Kontostand der Eltern ab. Ich bin mir sicher, da wird mir auch die SPD bei zustimmen. Und weil gleich sicherlich auch noch mal dann das Instrument oder das Argument der Finanzierung kommen wird: Natürlich kostet ein Gründungsstipendium zunächst Geld, gar keine Frage. Aber es geht doch vor allem darum, was kostet es uns als Standort eigentlich, wenn wir diese Investitionen nicht machen, wenn die Unternehmen eben nicht hier bei uns in Hamburg gegründet werden, sondern wenn sie dann eben in Nordrhein-Westfalen oder sonst wo in Deutschland oder sogar außerhalb Deutschlands gegründet werden. Was kostet uns, wenn wir diese Chancen verpassen und das nicht hier passiert? Ich glaube, die Kosten sind deutlich höher, und die Evaluation aus NRW zeigt deutlich, das ist ein total positives Instrument. Zwei Drittel der dort geförderten Unternehmen sind noch aktiv. Es gibt steigende Umsätze, neue Arbeitsplätze. Und genau deshalb ist ein Gründungsstipendium eine sinnvolle Investition in die Zukunft unserer Stadt. Es geht beim Gründungsstipendium also um ein konkretes, an anderer Stelle bereits implementiertes Instrument für mehr Chancengerechtigkeit, mehr Gründungen, mehr wirtschaftliche Dynamik in unserer Stadt. Wer Hamburgs Wohlstand von morgen sichern will, sollte daher dem Antrag zustimmen. Vielen Dank.
