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Mithat Çapar

SPD 5:26 min Sitzungen 23/24

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn wir über freiwilliges Engagement sprechen, dann sprechen wir nicht über ein Randthema. Wir sprechen über den Kitt, der unsere Stadt zusammenhält. Wir sprechen über Menschen, die nach Feierabend noch den Trainingsplatz aufschließen, über Menschen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr ausrücken, wenn andere schlafen, über Menschen, die im Stadtteil helfen, Nachbarschaften zusammenbringen, Geflüchtete begleiten, ältere Menschen besuchen, Kultur möglich machen, Kinder und Jugendliche unterstützen oder in Initiativen unsere Demokratie lebendig halten. Kurz gesagt: Wir sprechen über Menschen, ohne die Hamburg nicht das wäre, was es ist. In Hamburg engagieren sich laut der letzten Hamburger Auswertung des Deutschen Freiwilligensurveys rund 569.000 Menschen – freiwillig! Das ist eine beeindruckende Zahl, aber hinter dieser Zahl stehen keine abstrakten Statistiken. Dahinter stehen Gesichter, Zeit, Verantwortung, Verlässlichkeit und oft auch sehr viel Herzblut. Und gerade deshalb ist unser Antrag so wichtig. Denn Wertschätzung bedeutet nicht nur am Tag des Ehrenamts Danke zu sagen, Wertschätzung bedeutet auch: Wir wollen genau wissen, wie es den Engagierten nämlich geht. Wo funktioniert Engagement gut? Wo entstehen neue Formen des Mitmachens? Wo gibt es Hürden? Wer wird erreicht und wer eben noch nicht? Der Deutsche Freiwilligensurvey 2024 zeigt bundesweit: Das Engagement bleibt auf einem hohen Niveau, ist aber gegenüber 2019 zurückgegangen. Das sollte uns aufmerksam machen, nicht alarmistisch, aber ernsthaft. Denn freiwilliges Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Menschen wollen sich einbringen, aber sie finden keinen Zugang. Manche haben wenig Zeit, weil Beruf, Familie und Pflege sie stark beanspruchen. Manche erleben bürokratische Hürden, manche fragen sich, ob sie überhaupt gemeint sind, und manche würden sich gerne engagieren, aber die Strukturen passen nicht zu ihrem Alltag. Deshalb wollen wir eine Hamburg-spezifische Auswertung. Wir wollen wissen: Wie hat sich das Engagement in unserer Stadt entwickelt? Welche Unterschiede gibt es nach Alter, Geschlecht, sozialer Lage, Bildung, Migrationsgeschichte oder Behinderung? In welchen Bereichen engagieren sich Hamburgerinnen und Hamburger? Was motiviert sie und was hält sie zurück? Das ist keine Statistikübung, das ist die Grundlage für gute Politik. Denn... Denn wenn wir Engagement stärken wollen, müssen wir wissen, wo Unterstützung gebraucht wird. Wir müssen Vereine, Initiativen und Organisationen entlasten. Wir müssen Zugänge einfacher machen. Wir müssen Engagement auch für diejenigen ermöglichen, die nicht ohnehin schon gut vernetzt sind. Für uns als SPD ist immer dabei klar: Engagement darf nicht vom Geldbeutel, vom Bildungsweg, von Herkunft oder Wohnort abhängen. Eine starke Stadtgesellschaft lebt davon, dass alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Und genau deshalb passt dieser Antrag auch in eine größere Entwicklung. Am 23. Mai, dem Geburtstag unseres Grundgesetzes, findet erstmals der bundesweite Ehrentag statt. Für dich, für uns, für alle! Das ist ein starkes Signal. Denn Demokratie lebt nicht allein von Institutionen. Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, im Kleinen wie im Großen. Hamburg greift dieses Signal mit dem "Forum WIR" auf. Dort geht es um Engagement, Integration, Austausch und Zusammenhalt. Das ist genau der richtige Ansatz: Menschen zusammenbringen, Erfahrungen sichtbar machen, voneinander lernen und neue Impulse setzen! Und auch mit Blick auf die Debatte um Olympia wird deutlich: Große Ereignisse leben nicht nur von Stadien, Infrastruktur oder Organisation. Sie leben von Menschen; von Volunteers, von Vereinen, von Helferinnen und Helfern, von einer Stadtgesellschaft, die breit getragen ist, Gastgeber zu sein. Gerade deshalb sehe ich in Olympischen und Paralympischen Spielen eine große Chance für Hamburg. Sie können Menschen zusammenbringen, freiwilliges Engagement sichtbar machen und neue Begeisterung für unsere Stadt entfachen – über Generationen und Herkunft hinweg. Aber Engagement entsteht nicht auf Knopfdruck. Es braucht Vertrauen, es braucht gute Rahmenbedingungen und es braucht eine Politik, die zuhört und nicht nur applaudiert. Genau darum geht es heute. Wir wollen genauer hinschauen, wir wollen lernen und wir wollen die Ergebnisse nutzen, um die Hamburger Engagementstrategie nämlich weiterzuentwickeln. Denn wer freiwilliges Engagement ernst nimmt, muss es sichtbar machen, unterstützen und stärken. Meine Damen und Herren, Hamburg kann stolz sein auf seine Ehrenamtlichen. Aber Stolz allein reicht nicht. Unser Anspruch muss sein, dass Engagement in dieser Stadt leichter wird, vielfältiger wird und für viele Menschen möglich wird. Denn wie es im Zusammenhang mit dem Ehrentag so treffend heißt: "Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen." Genau diese Menschen wollen wir stärken. Genau deshalb brauchen wir diese Auswertung und Ihre Unterstützung. Danke sehr!

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