Stefanie Blaschka
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wenn man diesen Antrag von SPD und GRÜNEN so liest, fragt man sich irgendwie schon: Was genau ist eigentlich der politische Mehrwert? Denn dass der Senat die Ergebnisse des Deutschen Freiwilligensurveys auswertet, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dafür braucht es keinen Bürgerschaftsantrag. Eine zuständige Behörde sollte solche Untersuchungen standardmäßig analysieren, gerade wenn es um das Ehrenamt geht und damit um den gesellschaftlichen Zusammenhalt unserer Stadt. Und ehrlich gesagt... Und ehrlich gesagt stellt sich auch noch eine weitere Frage: Liegen dem Senat die Hamburg-spezifischen Daten möglicherweise längst vor? Grundsätzlich wäre es jedenfalls wünschenswert, wenn Hamburg solche Zahlen zukünftig auch selbst regelmäßig erheben und auswerten würde, statt ausschließlich auf bundesweite Erhebungen zu warten. Der veröffentlichte Bundesbericht zeigt nämlich etwas doch höchst Alarmierendes: Das freiwillige Engagement in Hamburg ist von 35,6 Prozent im Jahr 2019 auf nur noch 31,5 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Meine Damen und Herren, das ist kein kleiner statistischer Ausschlag, wie eben geschildert, das ist ein massiver Einbruch beim Ehrenamt in unserer Stadt. Und noch schlimmer: Schlechter steht bundesweit tatsächlich nur Sachsen-Anhalt da. Da müssten beim Senat doch eigentlich alle Alarmglocken läuten. Doch genau diese Entwicklung wird im Antrag von Rot-Grün nahezu beiläufig behandelt. Statt die Ursachen dieses Rückgangs ernsthaft zu analysieren und politische Konsequenzen einzuleiten, formuliert man einen weiteren Prüfauftrag und kündigt einen Bericht zum Bundesbericht bis Ende 2026 an. Aber die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, brauchen keine Verwaltungsschleifen. Sie brauchen Unterstützung – und zwar jetzt. Engagement muss attraktiv sein und darf nicht weitere Probleme mit sich bringen. Viele Vereine und Initiativen kämpfen mit immer mehr Bürokratie. Ehrenamtliche verbringen ihre Zeit mit komplizierten Förderanträgen, Datenschutzauflagen und Dokumentationspflichten, statt sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren zu können. Hinzu kommen steigende Kosten, fehlende Räume und mangelnde Planungssicherheit. Viele Ehrenamtliche haben mittlerweile das Gefühl, dass ihr Engagement zwar gern öffentlich gelobt wird, sie im Alltag aber allein gelassen werden. Und genau deshalb reicht es eben nicht, immer nur neue Datenauswertungen anzukündigen. Die Hamburger Engagementstrategie muss endlich konsequenter umgesetzt werden. Hier wäre es jedenfalls wünschenswert, wenn SPD und GRÜNE endlich liefern würden. Gerade mit Blick auf den – wie eben schon angekündigten und bevorstehenden – Tag des Engagements am 23. Mai wird doch deutlich, welches Potenzial in diesem Bereich steckt. Allerdings hätte man diesen Tag durchaus größer, sichtbarer und vielfältiger gestalten können. Ja, in Hamburg findet zwar das "Forum WIR" statt, das einen wichtigen Schwerpunkt im Bereich Integration legt. Aber Engagement in Hamburg ist ja noch deutlich breiter und vielfältiger. Deshalb wäre es sinnvoll gewesen, auch die Freiwilligenbörse dieses Jahr wieder stattfinden zu lassen, um die Vielfalt des Ehrenamts sichtbar zu machen. Doch gerade bei der Freiwilligenbörse herrscht immer wieder Unsicherheit über Finanzierung und Perspektive. Das ist das völlig falsche Signal. Wer das Ehrenamt stärken will, muss solche Initiativen verlässlich unterstützen und Mittel bereitstellen und langfristig Planungssicherheit geben. Auch ein runder Tisch mit den wichtigen Initiativen und Akteuren und Politik sollte wiederbelebt und institutionalisiert werden. Wir erwarten deshalb vom Senat deutlich mehr als nur einen Bericht Ende 2026. Wir erwarten eine zügige Überarbeitung und Umsetzung der Hamburger Engagementstrategie mit konkreten Maßnahmen gegen den Rückgang des Ehrenamts. Wir brauchen weniger Bürokratie für Vereine und Initiativen, verlässliche Förderung statt kurzfristige Projektlogik, mehr Unterstützung für junge Ehrenamtliche, eine dauerhafte Absicherung zentraler Einrichtungen wie der Freiwilligenbörse und insgesamt endlich eine Politik, die Ehrenamt nicht nur lobt, sondern auch praktisch möglich macht. Meine Damen und Herren, das Ehrenamt ist keine Nebensache – das wurde eben schon zutreffend gesagt –, das ist das Fundament unserer Stadtgesellschaft. Ohne die vielen Ehrenamtlichen würde Hamburg an vielen Stellen schlicht nicht funktionieren. Gerade deshalb muss uns der deutliche Rückgang des freiwilligen Engagements zutiefst beunruhigen. Der Antrag ist am Ende nicht schädlich. Daher werden wir ihn als CDU-Fraktion unterstützen. Aber ein Schritt nach vorne ist er eben auch nicht. Vielen Dank!
