Es ist so interessant, dass Sie schon völlig aus der Fassung sind, nur weil ich hier nach vorne trete. Wahnsinn, Wahnsinn. Also, sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Abgeordnete, auch ich muss sagen, finde immer wieder bemerkenswert, in welchem Ton die CDU hier Debatten anmeldet. Heute haben wir wieder so ein bisschen den All-Time-Classic, so etwas wie, weiß ich nicht, Bravo-Hits 92 oder so. Das alte Schreckgespenst der sogenannten Kuscheljustiz, diesmal in der Ausführung der grünen Kuscheljustiz. Und ich muss auch sagen, dass mich das besorgt, dass Sie da keine Sensibilität für haben in einer Zeit, in der wir als demokratische Parteien gemeinsam für die Unabhängigkeit unserer Justiz einstehen sollen. Gerade in diesen Zeiten insinuieren Sie, dass Urteile je nach Parteibuch der Justizsenatoren fallen. Und das ist gefährlicher Unsinn.Und er wird ja dann auch ganz dankbar von rechts außen hier im Saal aufgegriffen. Und Sie werfen mir damit nichts weniger vor, als politischen Einfluss auf Ermittlungs- und Strafverfahren zu nehmen. Und ich weise diesen Vorwurf in aller Schärfe zurück. Und zwar nicht nur für mich, sondern auch für alle Richterinnen und Staatsanwältinnen in unserer Stadt. Denn auch die diskreditieren Sie, indem Sie solche Dinge insinuieren.Herr Semeker, mit einem Punkt würde ich gleich vorweg einmal aufräumen wollen, weil Sie das Thema Streitwertgrenzen angesprochen haben. Ihnen ist schon klar, dass es einen gemeinsamen Beschluss der JustizministerInnenkonferenz gibt zu diesem Thema, der sich in der Tat auf eine relativ hohe Zahl festgelegt hat, nämlich 10.000 Euro. Wissen Sie, warum die Zahl so hoch ist? Weil aus Ihrer Bundestagsfraktion noch viel höhere Zahlen aufgerufen wurden und weil wir als Justizministerinnen und Justizminister gemeinsam ausgelotet haben, wo ist die Grenze dessen, was unter den verschiedenen Strukturen, die wir sozusagen bundesweit in den Bundesländern haben, vertretbar ist. Und da kommt man bei diesen 10.000 Euro raus. Bei 9.000 wäre man allein schon beim Inflationsausgleich und die letzten 1.000 sozusagen sind ein bisschen in die Zukunft gedacht. Das wird uns in Hamburg aber nicht vor unüberwindbare Herausforderungen stellen.Und dann muss ich schon sagen, diese Skandalisierung, die Sie hier aufbauen, die funktioniert nur, indem Sie wichtige Fakten weglassen. Und deswegen finde ich das ja schön, dass ich heute die Gelegenheit habe, auch hier in der Runde mal über Fakten von rot-grüner Justizpolitik zu sprechen. Wir machen nämlich sehr engagiert, sachorientiert und zukunftsgerichtet Politik in dieser Stadt mit deutlichen Investitionen im Personal, Digitalisierung und Gebäude. Wir haben in der letzten Legislaturperiode, das ist angesprochen worden, drei große Stellenoffensiven für die Justiz auf den Weg gebracht. Und zwar mit einem deutlichen Fokus auf organisierte Kriminalität, auf den Kampf gegen Drogen- und Waffenhandel, auf den Kampf gegen Kinderpornografie und auch häusliche und sexualisierte Gewalt. Und allein für die Strafjustiz, das ist richtig gesagt worden, waren 87 Stellen dabei. Und das hat mit Kuschelig gar nichts zu tun. Und das sind auch harte Zahlen für die harten Jungs in der organisierten Kriminalität, weil damit nämlich auch verbunden ist, dass wir die Vermögensabschöpfung und die Vermögensfahndung gestärkt haben, damit sich auch solche Verbrechen nicht lohnen.Außerdem treiben wir die engere Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft voran, etwa am Hauptbahnhof, im Hafen, aber auch darüber hinaus. Und das neue Pilotprojekt wie die gemeinsame Eingangsstelle haben Sie hier sicherlich bewusst nicht angesprochen. Und zur Staatsanwaltschaft möchte ich auch gerne noch einmal sagen, ich finde das schon bemerkenswert, dass die Kritik, auch Sie sagten es war vor vier Wochen, hier in der Runde noch einmal so groß kam, weil Sie ja ganz genau wissen, dass sich diese Personaloffensive gerade ausrollt und dass dem entsprechend die Entlastungseffekte noch gar nicht eingetreten sein können. Also haben Sie sich genau diesen Zeitpunkt gesucht, um noch einmal ordentlich zu meckern, obwohl Sie wissen, dass die Lösung auf dem Weg ist und in Teilen umgesetzt wird. Sie wissen auch sehr gut, dass wir mit der Einführung der E-Akte natürlich eine besondere Belastungssituation haben. Bis 2026 wollen wir fertig sein und gerade die Strafjustiz, die jetzt als letztes dran ist, hat da eine hohe Anforderung und das belastet die Kolleginnen und Kollegen zusätzlich. Und deswegen schäme ich mich auch überhaupt gar nicht, dass wir an verschiedenen Stellen auch stetendische Hilfskräfte zum Einsatz bringen, um beispielsweise lästige Büroarbeiten sozusagen, die auch noch Zeit kosten, wenigstens an dieser Stelle damit zu unterstützen. So, und ich habe ihn. Herr Lippertz hat vorhin eine Zahl gesagt zu den unbesetzten Stellen bei der Staatsanwaltschaft. Ich habe Ihnen heute eine aktuelle Zahl mitgebracht. Vielleicht freuen Sie sich über die. Alle R1-Stellen der Staatsanwaltschaft sind derzeit besetzt. Und die neu geschaffenen Stellen werden bis Anfang 2026 vollständig besetzt sein. Und das ist kein Zufall, sondern...Das ist das Ergebnis der Anstrengungen, die wir in den letzten Monaten unternommen haben. Gleiches gilt für den Justizvollzug. Die Situation ist angespannt, ja. Ich bin auch immer im engen Austausch mit dem Personalrat und der Gewerkschaft. Gemeinsam haben wir in der Tat eine ganze Reihe von Maßnahmen angestrengt, die hier auch schon angesprochen worden sind. Wir werden die Heilfürsorge als eine der ganz wichtigen Maßnahmen, um auch in diesem Bereich künftig gut aufgestellt zu sein, für die Personalgewinnung in diesem Jahr auf den Weg bringen. Ich habe dafür lange gekämpft. Die Kolleginnen und Kollegen aus dem AVD haben sich sehr darüber gefreut, dass das jetzt kommt und dass ihnen das Verhältnis zwischen denen und mir vielleicht etwas zu kuschelig ist. Das kann ich sogar verstehen, weil es ja überhaupt gar nicht in ihr Weltbild von grüner Politik passt.Und zu den Situationen an Amtsgerichten möchte ich Ihnen auch einfach noch mal ein bisschen auf die Sprünge helfen. Wir haben ein sehr erfolgreiches Quereinsteigerprogramm, mit dem wir in den letzten anderthalb Jahren alleine 80 neue Mitarbeitende aus verschiedenen Berufsgruppen für die Justiz gewinnen konnten. Also auch hier gehen wir mit großen Schritten voran. Jetzt zur Belegungssituation im Justizvollzug, die Sie ein bisschen hier zum Schwerpunkt gemacht haben, Herr Semeker. Sie haben mit meinem Vorgänger den Justizvollzugsfrieden geschlossen. Sie haben sich also gemeinsam auf die Umstrukturierung des Justizvollzugs und damit auch auf die Haftplatzkapazitäten im Großen und Ganzen verständigt. Und dann pünktlich zum Wahlkampf fiel Ihnen ein, dass Sie nicht mehr Ihrer Meinung sind. Das ist in Ordnung, aber Sie bleiben hinten raus dann auch relativ vage, was das dann jetzt eigentlich in sehr Konsequenz bedeuten soll. Das ist auch verständlich, weil Sie ja ganz genau wissen, dass wir nicht mehr eben ein neues Gefängnis aus dem Boden stampfen können, dass Haftplatzbedarfe Schwankungen unterliegen, dass wir nicht nur Plätze, sondern auch Personal brauchen und dass es CDU-Politiker waren, die in der Vergangenheit den Abbau von Haftplätzen gefordert haben, wenn die Auslastung mal etwas runtergegangen ist. Und ich habe Ihnen mal ein Beispiel mitgebracht. Aufgrund der Haftzahlen in den 90er Jahren hat man zur Jahrtausendwende angenommen, wir bräuchten ungefähr so 3.000 Haftplätze in Hamburg und hat dann auch entsprechend Kapazitäten geschaffen. Und dann sanken die Zahlen aber sehr deutlich, allein von 2003 auf 2008 um 1.100 Plätze. Und deshalb ist es einfach zunächst sinnvoll,auch mit anderen Maßnahmen Belegungsspitzen zu begegnen. Wir arbeiten derzeit selbstverständlich daran, innerhalb der bestehenden Strukturen all das auszuschöpfen, alle Kapazitäten nutzbar zu machen. Wir werden ja auch noch den Ausbau des Maßregelvollzugsalzernats weiter vorantreiben. Das wird eine Entlastung für den Justizvollzug mit sich bringen, ebenso die Fertigstellung der Jugendanstalten, mit der wir noch mal weitere Plätze hinzubekommen. Und Sie finden ja, wenn Sie mal aufmerksam den Koalitionsvertrag lesen, auch aus guten Gründen ein, passt es ja darauf hin, dass wir möglicherweise tatsächlich weitere Kapazitäten schaffen müssen. Gegebenenfalls auch temporär. Ja, Sie müssen schon mal zuhören. Ich habe ja eben sehr deutlich gemacht, in welcher kurzen Jahreszeitspanne extrem große Schwankungen auftreten können. Und Sie gehören doch alle hier auf dieser Seite immer zu den Ersten, die sagen, der Staat darf nicht zu viel Geld ausgeben. Also insofern müssen Sie ja schon noch mal entscheiden, welche Geschichte Sie hier eigentlich erzählen wollen.Die Maßnahmen, die man ergreift, müssen sowohl wirtschaftlich als auch personalwirtschaftlich Sinn machen. Dementsprechend agieren wir hier auch umsichtig. Dann haben Sie sich jetzt so wahnsinnig hochgezogen an der Verfügung zur Einweisung in den offenen Vollzug. Wissen Sie eigentlich, aus welcher Zeit diese Verfügung stammt, Herr Semeker? Also ich weiß es. Ja, die stammt aus der CDU-Regierungszeit. Und zwar unter CDU-Justizsenator Lüdemann. Und der hat gar nicht die Einschränkungen, die wichtigen Einschränkungen, die Frau Zax hier vorgetragen hat, die hatten sie damals gar nicht, sondern die gibt es jetzt. Es ist Ihnen gar nicht peinlich, dass Sie das Gegenteil davon behaupten, obwohl Sie eigentlich nur die Verfügung mal angucken müssten. Ich finde, das ist irreführend und das finde ich eigentlich nicht angemessen, wenn wir uns hier über ernste Fragen unterhalten. Und um das auch noch mal juristisch einzuordnen,§ 12 Absatz 2 des Hamburgischen Strafvollzugsgesetzes legt fest, dass geeignete Gefangene im offenen Vollzug unterzubringen sind. Das ist Rechtslage, das ist kein Gnadenakt, hat auch nichts mit grüner Kuscheljustiz zu tun. Und außerdem hat das Bundesverfassungsgericht 2007 deutlich gemacht, jetzt müssen Sie ganz genau zuhören, auch wenn das für Sie manchmal schwierig ist mit dem Bundesverfassungsgericht, Das sicherzustellen ist, dass objektiv für den Vollzug geeignete Ver...durch geeignete organisatorische Maßnahmen und Verfahrensregelungen, insbesondere durch eine zügige Eignungsprüfung und zeitnahe Verlegung, berücksichtigt werden, um eine unverhältnismäßige Beeinträchtigung grundrechtlich geschützter Belange zu vermeiden. Das ist die rechtliche Situation, vor der wir stehen. Unsere Aufgabe, und die haben wir uns ja gemeinsam gegeben mit dem Hamburgischen Resozialisierungs- und Opferhilfegesetz, ist eine gute Resozialisierungsarbeit zu ermöglichen. Und das ist für mich Handlungsleiten. Und eins sollten Sie inzwischen auch wissen, mein Handeln lässt sich nicht durch populistische Stimmungsmache beeinflussen. Aber ich bin immer sehr offen für konstruktive und fundierte Vorschläge. Sie haben ja gesagt, auf Ihrer Fraktionsklausur, wenn ich das richtig mitbekommen habe, Sie wollen eine konstruktive Opposition sein. Also wenn Sie diesen Beschluss anfangen wollen umzusetzen, sagen Sie gerne Bescheid. Meine Hand ist ausgestreckt.