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Thomas Meyer

DIE LINKE 4:04 min Sitzungen 23/9

Sehr geehrte Abgeordnete, sehr geehrte Taube und hörende Bürgerinnen und Bürger, mir wurde vor kurzem eine Geschichte erzählt, die sich mir sehr eingeprägt hatte. Als sich damals in Hamburg das Gebärdensprachverbot gelockert hatte, durfte an Vorschulen noch gebärdet werden. Ab der ersten Klasse war das dann verboten. An einer Gehörlosenschule trug es sich dann zu, dass plötzlich eine Klassenlehrerin vor einer zweiten Ja, nein, in der zweiten Stunde. Sie vor einer kompletten Leerin klassisch saß. Und sie konnte sich nicht erklären, warum, wieso, weshalb. Und konnte auch die Kinder nicht fragen, weil sie selbst nicht gebärden konnte. Zum Glück hatte sie eine Kollegin, die gebärden konnte. Und diese fragte die Kinder. Und die Kinder antworteten, die Lehrerin versteht uns nicht. Wir dürfen hier nicht gebärden und das gefällt uns nicht. Deswegen gehen wir zurück zur Vorschule. Das im Endeffekt, ohne es zu wissen, haben diese Kinder durch einen Klassenboykott demonstriert.Kaufe Menschen wussten schon lange um die Werte ihrer Sprache und haben sich auch für ihre Rechte eingesetzt. So auch 1891, als 800 Gehörlose sich mit einer Petition an Kaiser Wilhelm wandten, um einfach zu protestieren, dass man ihnen gewaltsam ihre Sprache nimmt. Seit Jahrzehnten engagieren sich taube Menschen und ihre Verbände dafür, dass die Gebärdensprache anerkannt wird und seit Jahren auch um eine Entschädigung für das erlittene Leid. Ohne diesen langen Kampf der Taubengemeinschaft, den wir als Linke seit Jahren begleiten und immer wieder in das Parlament mit einbringen, würden wir heute hier nicht stehen und diese Debatte halten. Und ich bin froh, dass ich dieses tun darf. Wir stehen hier heute als hörende Abgeordnete und möchten die Gemeinschaft der Taubenmenschen um Entschuldigung bitten. Um Entschuldigung, dass einige Hörende über 100 Jahre lang gehörlosen Menschen Sprache und Lebenschancen geraubt haben. Dafür, dass einige Hörende ihnen systematisch Gewalt angetan haben und der sie noch heute leiden. Es ist kein Zufall, dass hier in der Bürgerschaft hörende Abgeordnete über das Unrecht von tauben Menschen reden, über den Antrag später abstimmen dürfen und dass die einzigsten gehörlosen Menschen, die heute hier in diesem Raum sind, dort oben auf den Besucherrängen sitzen.Das Verbot der Gehörensprache in der Schule wurde 1880 beim Mailehrerkongress der gehörlosen Lehrer beschlossen. Dessen Präsident verkündete damals, jetzt hören Sie genau zu, mündliche Rede ist die einzige Kraft, die das von Gott dem Menschen eingegebene Licht wieder entflammen kann. Die Überlegenheit der Lautsprache und die Minderwertigkeit der Gebärdensprache wurde damals seitdem als wissenschaftliche und pädagogische Wahrheit verkauft. Das war aber nie Wissenschaft, sondern immer nur Ideologie.Wir beschließen heute, dass eine Studie die Situation an Hamburger Schulen aufarbeitet, und zwar mit Beteiligung von gehörlosen Menschen und aus Sicht der Dev Studies. Also der Wissenschaft der Gebärdensprachen, Kulturen und Soziologie gehörloser Menschen. Diese Beteiligung war uns Linken sehr wichtig und deswegen freut es uns auch, heute gemeinsam mit SPD, Grünen und CDU diesen Antrag einzubringen. Und wir wissen auch, dass dieses jetzt der erste Schritt ist, den wir gehen und dass noch weitere Schritte folgen müssen. Und wenn wir merken von den Linken, dass wir jetzt in Stocken geraten, werden wir wieder den Finger in die Wunde legen und wieder dieses Thema ins Parlament holen. Vielen Dank.

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