buergerschaft.de ↗

Regina-Elisabeth Jäck

SPD 4:32 min Sitzungen 23/9

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Mitglieder des Gehörlosenverbandes, Wer Sprache verbietet, verbietet Identität. Wer Gebärdensprache unterdrückt, unterdrückt Menschenrechte. Jahrzehntelang wurden gehörlosen Schülerinnen und Schülern auch in Hamburger Bildungseinrichtungen das Recht auf ihre eigene Sprache der Gebärdensprache verwehrt. Durch das Gebärdensprachverbot ist vielen Menschen großes Unrecht angetan worden. Am 6. Februar diesen Jahres war ich bei der öffentlichen Anhörung der gehörlosen Menschen im Sozialausschuss persönlich dabei. Ich habe den Berichten zugehört, die mich und uns alle sehr, sehr erschüttert haben. Den Berichten von Betroffenen, denen über Jahre, über Jahrzehnte hinweg systematisch physisch und psychisch Gewalt angetan worden ist. Die Kinder, die als Kinder in der Schule nicht die Gebärdensprache benutzen durften, die gedemütigt bestraft wurden, wenn sie ihre Sprache benutzten. Über Träume, die sie nie verwirklichen konnten, weil ihnen Bildung und ein selbstbestimmtes Leben verwehrt.Ich danke Ihnen von Herzen für Ihren Mut und Ihre Bereitschaft, darüber öffentlich zu sprechen. Meine Fraktion und ich versprechen Ihnen, wir werden uns dafür einsetzen, dass Ihre Geschichten politische Folgerungen haben werden. Die hamburgische Bürgerschaft stellt daher heute fest, durch den 1880 auf dem Mailänder Kongress beschlossenen Vorzug der Lautsprache, der in der Praxis in vielen Ländern als sogenanntes Gebärdensprachverbot umgesetzt wurde, mussten viele gehörlose Menschen Gewalt und Leid erleben, das sich bis heute auf ihre Lebenssituation auswirkt. Die Folgen dieser strukturellen Gewalt, insbesondere in Bildungseinrichtungen, sind bis heute nicht umfassend aufgearbeitet worden. Das dadurch zugefügte Leid weder anerkannt noch die Opfer entschädigt worden.Die hamburgische Bürgerschaft bittet die Betroffenen für das in Hamburg erlittene Leid um Entschuldigung. Mit diesem Antrag heute ersuchen wir den Senat, sich auf Bundesebene für einen Entschädigungsfonds einzusetzen. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Erfahrung gehörloser Menschen an Hamburger Schulen unter Einbeziehung gehörloser Menschen als Expertinnen und Experten in eigener Angelegenheit und unter Einbeziehung der Forschungsperspektive DevStudies zu veranlassen. Zu prüfen, wie Unterstützungsleistungen für gehörlose Menschen in Hamburg einfacher, schneller und barrierefrei zugänglich gemacht werden können und einen Zwischenbericht bis 30.06.2026 der Bürgerschaft vorzulegen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von den Linken, von der CDU, ich freue mich sehr, dass wir diesen Antrag heute interfraktionell einbringen können und ich danke Ihnen dafür sehr.Dieser gemeinsame Antrag ist ein Zeichen des Respekts gegenüber Menschen, deren Stimme zu lange nicht gehört wurde. Er ist überdies ein Zeichen, das wir aus der Geschichte lernen. Er ist Auftrag und Verpflichtung, aktiv dafür zu sorgen, dass ein solches Unrecht nicht wiederholt, weder in Hamburg noch anderswo. Lassen Sie uns diesen Antrag heute gemeinsam beschließen. Vielen Dank.

Alle Reden von Regina-Elisabeth Jäck Rede ansehen ↗