Michael Gwosdz
Liebe Kolleginnen, liebe Gäste auf den Zuschauertribünen, Ich frage mich ja manchmal, was kann Ausschussarbeit bewirken, wenn man so seit Jahren im Parlamentsbetrieb ist und da sehr viel Routine hat und oft die Debatten eigentlich auch schon geführt sind, wenn man im Ausschuss tagt. Ich muss sagen, damals als Vorsitzender des Sozialausschusses, die letzte Legislaturperiode, wenn es mal eine Ausschusssitzung gab, wo ich wirklich gemerkt habe, was für eine Wirkung eine Ausschusssitzung, was für eine Wirkung eine öffentliche Anhörung entfalten kann, dann war es diese Anhörung im Februar mit Ihnen, mit den Menschen, die gehörlos sind und den ganzen Berichten. Das hat mich tatsächlich auch noch mal massiv bewegt. Und ich möchte anschließend noch an die Bitte, die wir hier gemeinsam aussprechen, die Bitte um Entschuldigung für das erlittene Unrecht, auch noch einmal die Bitte um Entschuldigung um mein persönliches Nichtwissen und Ignoranz. Ich bin aufgewachsen in einem Stadtteil, wo das damals für den Bezirk Mittelfranken die eine große Gehörlosenschule war. Die Menschen in meinem Stadtteil, die dort wohnten und diese Schule besucht haben, wurden alle nach der oralen Methode damals unterrichtet. Wir hatten wenig Berührungspunkte, tatsächlich faktisch ein. Ich habe Theorieunterricht und Praxisunterricht für den Führerschein mit sehr vielen Gehörlosen gemacht. Das war aber auch das Einzige und ich hatte überhaupt keine Ahnung, was das bedeutet, Lautsprache zu erlernen. Und es hat mich bis dato, bis Canzo Özdemir dieses Thema aufgebracht hat, ehrlicherweise...auch nie erreicht und nicht beschäftigt. Ich hatte auch nicht die Aktivität. Und das war für mich so ein Beispiel, dass dieses Thema aufkam bis hin zu der Anhörung, wie viel auch oft wir gar nicht wahrnehmen in unserer Gesellschaft, was für ein Leid in unserer Nachbarschaft neben uns passieren und stattfinden kann und von dem wir eigentlich auch hätten Zeuginnen und Zeugen hätten werden können, es aber nicht wahrgenommen haben. Und das allein ist es auch wert, dass wir diese Anhörung hatten, um uns selber mit diesem Thema noch mal zu vertiefen. Und natürlich ist es wichtig, weil wir auch endlich an diesen Punkt kommen, dieses Leid anzuerkennen und unser Bedauern auszudrücken. Und wir können uns, glaube ich, gar nicht selbst entschuldigen, sondern nur um Entschuldigung bitten, ob Sie uns die gewähren. Darüber müssen Sie entscheiden. Ich möchte auch noch einmal ausdrücklich Janzo Östimir für ihre Hartnäckigkeit danken. Da hat Andreas Kurzic schon genau die richtigen Worte gesagt. Vielleicht ist es auch eine gute Fügung, dass sie in den Bundestag gewählt wurde und dort an diesem Thema weiterarbeiten kann, auf anderer Ebene. Denn das ist ein Appell, den ich auch noch einmal an alle richten muss. Das, was wirklich notwendig ist, nämlich eine Entschädigung, dafür braucht es nicht nur uns hier in Hamburg. Dieses Thema, diese Anerkennung des Unrechts muss in allen anderen Landtagen, Landesparlamenten auch stattfinden und natürlich auch im Bundestag. Deswegen berichten Sie von der heutigen Sitzung, berichten Sie von diesem Antrag, berichten Sie von diesem Beschluss auch in Ihren Kontakten in die anderen Landtage und in den Bundestag hinein. Nehmen Sie das mit, stoßen Sie das an, dass das auch anderswo stattfindet.Und ich möchte abschließend einmal noch Richtung Frau Hebel von der AfD einen Hinweis geben, weil mich das tatsächlich jetzt geärgert hat. Wenn Sie das gelesen haben, die Berichte im Ausschussprotokoll und zugehört haben und auch jetzt in der Debatte, dann wissen Sie, Die verwehrte Bildung hat für sehr viele Gehörlose auch dazu geführt, dass sie natürlich maximal in schlechten, schlecht bezahlten oder vielleicht gar nicht in Arbeit gelandet sind. Diese verwehrte Bildung, der mangelnde Zugang nachher zu qualifizierten Jobs, führt langfristig natürlich auch dazu, dass ich im Alter keine Rente habe oder in Grundsicherung lande. Und deswegen ist eine finanzielle Entschädigung für das erlittene Unrecht, das kann das nicht aufwiegen, das ist richtig, aber eine finanzielle Entschädigung für dieses erlittene Unrecht und für die verwehrten Bildungschancen ist aus meiner Sicht unabdingbar verbunden. Da reicht es nicht nur einmal um Entschuldigung zu bitten. Vielen Dank.Dankeschön, Herr Quatsch. Weitere Wortmeldungen?
