Roberto Kobelt
Führerscheinreform neu ausrichten für einen bezahlbaren und sicheren Führerschein
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich muss mich auch schon ein bisschen wundern. In der Vergangenheit hatte ich ja durchaus sympathisiert mit Argumenten auch der AfD, wenn es darum ging, das Leben der Menschen einfacher zu machen. Das kann man ja offen sagen. Aber jetzt machen Sie mit Ihrem Antrag genau das Gegenteil. Also das stößt bei mir auf vollkommenes Unverständnis. Vielleicht ist es auch sinnvoll, sich mal ein bisschen zurückzuversetzen in diejenigen, die es betrifft. Mein Sohn ist jetzt 19 und hat seinen Führerschein gemacht und die Freunde auch alle oder halt auch nicht, weil sie sich das nicht leisten können. Ich denke, das ist der wichtigste Punkt aufseiten der Nutzer, der betroffen ist, da zu sehen, wo die Probleme sind. Und in Thüringen kostet ein Führerschein durchschnittlich 3.500 Euro. Das können Sie sich mal ausrechnen, wenn ein junger Mensch im ländlichen Raum in Ausbildung ist, hat vielleicht 1.000 Euro, kann so 80 Euro sparen jeden Monat, wie lange der braucht, wenn er jetzt nicht vermögende Eltern hat, sondern das von seinem eigenen erarbeiteten Geld erstatten muss, wie viele Jahre er dafür sparen muss, um einen Führerschein zu machen, und wie viele Jahre er dann von der realen Arbeitswelt abgehängt ist, weil in vielen Berufen, gerade Handwerksberufen oder in anderen ist es notwendig, auch einen Führerschein zu haben. Das ist doch ein Riesenproblem, wenn ein Führerschein für einen jungen Menschen 3.500 Euro durchschnittlich in Deutschland kostet. Deswegen, das sage ich ganz offen, finde ich jeden Vorschlag, der dies vereinfacht, gut. Bei anderen Punkten kann man ja oft auf der Bundesregierung rumhacken, aber in diesem Punkt sich diesem schwierigen Thema anzunehmen und dort eine Vereinfachung in verschiedenen Punkten vorzusehen, das finde ich in Ordnung. Deswegen finde ich Ihren Antrag zu dem Thema aus sachlichen Gründen auch nicht gut. Wenn man sich mal im Bekannten- und Freundeskreis den Punkt begleitetes Fahren anschaut: Also alle die auf Feldwegen oder in der Nacht mal mit Hütchen das Einparken oder Anfahren am Berg mit Schleifenlassen der Kupplung – nicht ganz so einfach – geübt haben, die das also vorweg mal auf irgendeine Art und Weise gemacht haben, das sind die wenigen, die dann mit Mindeststunden in der Fahrausbildung auch hinkommen. Deswegen ist der Ansatz, ein begleitetes Fahren zu machen, vollkommen gut. Das werden natürlich immer Vertrauenspersonen sein, die Eltern usw. Und da Bedenken zu haben, dass die die jetzt auf die Autobahn schicken und da mit 200 km/h rumfahren lassen im begleiteten Fahren, das finde ich im Grunde unbegründet. Man muss auch den Familien und Menschen ein bisschen was zutrauen, dass sie, wenn es so eine Regelung gibt, auch verantwortlich damit umgehen. Ich denke, das ist ein guter Punkt. Ein zweites Beispiel: In der Coronazeit war es ja möglich, die Theorieausbildung komplett digital zu ermöglichen. Dann gab es so eine Übergangsphase, die das gemacht hatten. Es lief dann nach zwei Jahren aus, warum auch immer. Das kann ich nicht beurteilen. Aber zum Beispiel mein Sohn hat dann noch die Möglichkeit gehabt als einer der letzten, auch noch digital vollkommen zu machen, und das war für junge Menschen ein viel besseres Angebot. Sie konnten sich dann individuell damit beschäftigen, haben die Online-Stunden gemacht, haben aber auch Begleitprogramme gehabt, wo sie weiter üben konnten. Und im wahren Leben ist es doch oftmals so, dass sich junge Menschen dann in die doch traditionelle Theorieausbildung oftmals setzen, da auf Durchzug schalten und dann den Online-Katalog durchgehen und so lange die Apps durchspielen und üben, bis sie die Fragen beantwortet haben. Das kann man natürlich kritisieren, aber im Grunde ist es doch auch eine andere Lernmethode, die bei den Jugendlichen auch vielleicht attraktiver ist, vielleicht auch ein bisschen mehr für Motivation sorgt. Deswegen der zweite Punkt, digitale Angebote zu unterstützen, dies auch zu ermöglichen, das komplett digital zu machen. Für jemanden, der nicht mobil ist im ländlichen Raum, müssen die Eltern jedes Mal zur Fahrschule fahren für die Theorieausbildung, ist auch ein riesiger Aufwand. Warum nicht, wenn es die Möglichkeit gibt, sollte es doch ermöglicht werden. Das sind zwei Punkte, die angesprochen wurden. Und wenn der Umfang vereinfacht wird – und da muss man, glaube ich, auch ein bisschen Vertrauen in den Fahrlehrer haben –, wenn die Fahrlehrer sagen können: „Ich habe hier jemanden, der kann schon gut fahren, der hat da noch eine Schwäche, da mache ich mit dem mehr Autobahnfahrten oder Parken“, oder wie auch immer, das sollen doch die Fahrlehrer individueller je nach Leistungsstand und Einschätzung entscheiden können. Da immer Vorgaben zu machen, Mindestangaben, auf die Autobahn – geben Sie doch mehr Verantwortung dann auch den Fahrlehrern zurück in der praktischen Ausbildung! Ich denke, dann wird der Führerschein auch günstiger, und das muss doch unser Ziel sein, dass die Kosten dort mindestens um ein Drittel sinken oder sogar halbiert werden. Dafür werden wir uns einsetzen als Deine Stimme zählt.
