Dirk Hoffmeister
Pflegefamilien in Thüringen unterstützen
Okay, danke. – Ob wir dafür allerdings zwingend eine landesweite 24/7-Telefonsprechstunde benötigen oder vorhandene Strukturen besser vernetzen, sollten wir sorgfältig prüfen. Ich denke, darüber kann man im Ausschuss reden. Auch digitale Hilfeplangespräche können Familien entlasten. Digitalisierung kann Wege verkürzen, sie darf aber das persönliche Gespräch nicht ersetzen, wenn es notwendig ist. Wir wissen ja, dass Pflegekinder ihr Päckchen mit sich tragen, und hier sind auch persönliche Gespräche notwendig. Sinnvoll kann auch ein digitales Pflegenetzwerk sein. Gerade bei Krisen- und Bereitschaftspflege zählt manchmal jede Stunde. Auch hier gilt: Wir brauchen eine Lösung, die funktioniert, und keine weitere Datenbank. Ein weiterer Punkt ist für mich die Bereitschaftspflege. Diese Familien stehen bereit, wenn Kinder kurzfristig aus einer akuten Situation herausgenommen werden müssen. Deshalb sollten wir die Voraussetzungen für ein landeseinheitliches Finanzierungsmodell ernsthaft prüfen – dass das in allen Kommunen gleich bezahlt wird. Kritischer sehe ich hingegen den Versuch, immer mehr Detailsteuerung auf die Landesebene zu ziehen. Die Pflegekinderhilfe liegt wesentlich in kommunaler Verantwortung. Wir brauchen einheitliche Qualitätsstandards dort, wo sie dem Kindeswohl dienen, aber wir brauchen ebenso Handlungsspielräume für Fachkräfte und Jugendämter vor Ort. Ein neuer Bericht ersetzt keinen Sozialarbeiter. Ein zusätzliches Monitoring ersetzt keine Beratung und ein neuer Standard ersetzt keine Pflegefamilie. Deshalb müssen wir uns bei jeder Forderung fragen: Was kommt tatsächlich bei dem Kind und der Pflegefamilie an? Auch über die finanzielle Anerkennung von Pflegeeltern müssen wir sprechen. Die Linke schlägt nach dem Bremer Vorbild eine elterngeldähnliche Leistung von monatlich 850 Euro vor. Das Anliegen ist nachvollziehbar. Wer ein Pflegekind aufnimmt, übernimmt eine gesellschaftliche und außerordentlich wichtige Aufgabe. Aber bevor wir eine neue Leistung einführen, müssen Finanzierung, Anspruchsvoraussetzungen und das Verhältnis zu den bestehenden Leistungen sauber geklärt sein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, Pflegefamilien wollen nicht ständig hören, wie wichtig ihre Arbeit ist. Sie wollen, dass jemand erreichbar ist, wenn es schwierig wird. Sie wollen klare Entscheidungen. Sie wollen kompetente Ansprechpartner, weniger Zuständigkeitsgerangel und sie wollen als Partner ernst genommen werden. Genau daran sollten wir unsere Politik ausrichten. Deshalb sollten wir die Vorschläge dieses Antrags im Ausschuss ernsthaft prüfen und gute Ansätze aufnehmen. Aber wir sollten auch dort widersprechen, wo zusätzliche Bürokratie geschaffen oder kommunale Verantwortung ohne erkennbaren Mehrwert zentralisiert werden soll. Am Ende zählt nicht, wie viele neue Strukturen wir geschaffen haben. Entscheidend ist, ob ein Pflegekind ein stabiles Zuhause findet und ob die Menschen, die ihm dieses Zuhause geben, die Unterstützung bekommen, die sie tatsächlich brauchen. Das ist für mich nicht nur eine politische Frage, als Pflegevater ist es auch eine ganz persönliche. Vielen Dank.
(Beifall Abg. Kobelt, Abg. Dr. Wogawa, fraktionslos)
