Dirk Hoffmeister
Pflegefamilien in Thüringen unterstützen
Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer auf der Tribüne und am Livestream, wenn wir heute über Pflegefamilien sprechen, dann sprechen wir über Kinder, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, und wir sprechen über Menschen, die bereit sind, für diese Kinder Verantwortung zu übernehmen. Ich möchte an dieser Stelle auch persönlich werden. Ich bin selbst Pflegevater. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ein Pflegekind in die eigene Familie aufzunehmen. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – jeden Tag rund um die Uhr. Es bedeutet, einem Kind Sicherheit, Verlässlichkeit und ein Zuhause zu geben. Und es bedeutet, manchmal auch mit Behörden zu sprechen, sich durch Zuständigkeiten zu arbeiten, Anträge auszufüllen und Hilfeplangespräche zu führen – wobei sich der Sinn und Zweck von Hilfeplänen nach der jeweiligen Kompetenz des Amtes richtet. Da haben wir selbst sehr negative Erfahrungen machen müssen, bis hin, dass wir uns an den Bürgerbeauftragten wenden mussten. Auch das gehört zur Wahrheit dazu. Deshalb sage ich ausdrücklich: Pflegefamilien verdienen nicht nur unsere Anerkennung, sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und – ganz wichtig – kompetente Ansprechpartner. Das ist leider Gottes in ganz Thüringen nicht überall gewährleistet. Die Linke greift mit ihrem Antrag gleich ein reales Problem auf. Nach den dort genannten Zahlen ist die Zahl der Pflegekinder in Thüringen innerhalb von zehn Jahren um knapp 25 Prozent gestiegen. Gleichzeitig bestehen zwischen den Kommunen erhebliche Unterschiede bei Beratung, Unterstützung und Qualitätssicherung – darauf hatte auch die Kollegin Heber hingewiesen. Und genau darüber müssen wir reden. Aber auch aus dem berechtigten Wunsch nach besserer Unterstützung darf nicht einfach ein neues Paket aus Berichtspflichten, Monitoring und zusätzlichen Verwaltungsstrukturen entstehen. Pflegeeltern brauchen Hilfe und nicht noch mehr Bürokratie. Einige Forderungen des Antrags halte ich durchaus für bedenkenswert. Eine verlässliche Erreichbarkeit in Krisensituationen ist wichtig. Wer mit einem Pflegekind in einer schwierigen Situation steckt, muss wissen, an wen er sich wenden kann.
