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Katja Maurer

Die Linke 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Pflegefamilien in Thüringen unterstützen

Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 2025 wurden in Deutschland über 200.000 Kinder und Jugendliche in einem Heim oder in einer Pflegefamilie aufgenommen – über 200.000 Kinder und Jugendliche! Über 80.000 sind davon in einer Pflegefamilie aufgenommen worden und zu den häufigsten Gründen hat gehört, dass eine Bezugsperson ausgefallen ist, dass es Erziehungskompetenzen gab, die eingeschränkt waren, oder dass es tatsächlich zu Kindeswohlgefährdung gekommen ist. Über 200.000 Kinder und Jugendliche, das sind Kinder mit Namen, Ängsten, Hoffnungen, Kinder mit einem gigantischen Rucksack. Diese Kinder haben oft die Erfahrung gemacht, dass Erwachsene nicht zuverlässig sind, nicht die Kraft haben, sie zu schützen oder ihnen die Sicherheit zu geben, die sie dringend brauchen. Wenn dann eine Pflegefamilie sagt, wir nehmen dieses Kind auf, dann verdient das unseren allergrößten Respekt. 80.000 Kinder haben so ein Zuhause bekommen, weil sich Menschen freiwillig gemeldet haben. Ich finde das mehr als beeindruckend und ich möchte hier meine unbegrenzte Wertschätzung ausdrücken. (Beifall Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) Diese Pflegefamilien bieten ein funktionierendes Zuhause an. Sie wecken die Kinder morgens verlässlich, hören zu, sie trösten, helfen bei den Hausaufgaben, sie begleiten sie zum Arzt und schaffen neben all dem Alltag am Ende auch noch Erinnerungen, so etwas wie eine richtige Kindheit. Deshalb möchte ich vor allen Dingen an allererster Stelle Danke sagen, Danke sagen an die Pflegeeltern, Pflegegeschwister, an die Angehörigen, die unterstützen, die einem Kind ein Zuhause geben, Danke sagen für die Zeit, die sie für sie investieren, die Geduld, aber auch die Liebe, die sie einbringen, für die Kraft, die es manchmal braucht, ein Kind mit sehr schwierigen Erfahrungen zu begleiten, und vor allen Dingen ein Danke, dass sie zu alldem sich auch noch zusätzlich um all die bürokratischen Hürden kümmern. Eines wissen die allermeisten Menschen nicht, und zwar, dass Pflegefamilien oft über sehr, sehr viele Jahre der Lebensmittelpunkt eines Kindes sind, nämlich durchschnittlich über vier Jahre. Das zeigt: Pflegefamilien, das sind nicht einfach nur kurzfristige Auffangnetze, sondern das sind Menschen, die Kinder begleiten, oft auch über diese Pflegschaft hinaus bis in das Erwachsenenalter. Genau deshalb müssen wir in der Politik ihnen auch den Rücken freihalten. Wir können nämlich nicht einerseits sagen, dass Pflegefamilien total wichtig sind, und andererseits akzeptieren, dass sie sich in einem Dschungel aus unterschiedlichen Zuständigkeiten, bürokratischen Verfahren und regional unterschiedlichen Regelungen kämpfen müssen. Das ist nicht fair, nicht fair gegenüber den Pflegefamilien, aber erst recht nicht gegenüber den Kindern, die aufgenommen werden müssen. Denn – und das ist auch wichtig für die Debatte – die Bereitschaft, ein Kind aufzunehmen, sinkt. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags verweist darauf, dass es keine einheitliche Statistik dazu gibt, sagt aber auch, dass Verbände schon lange darauf hinweisen, dass jedes Jahr rund 4.000 Familien fehlen. Und das muss uns alarmieren. Deswegen haben wir als Linke einen Antrag eingereicht, der den Antrag der Koalition ergänzen soll. An erster Stelle sind wir erst einmal dankbar dafür, dass es diesen Antrag gab und wir uns im Ausschuss schon intensiv damit beschäftigen konnten, was insbesondere die Landesregierung für Vorschläge hat auf die Fragen der Koalition hin, die gestellt worden sind. Unser Antrag soll die Debatte ergänzen. Ich hoffe, dass wir im zuständigen Ausschuss genau darüber sprechen und dann sogar eine Anhörung planen, damit beide Anträge am Ende wirklich die Situation der Pflegefamilien verbessern. (Beifall Die Linke, Thüringen.Gerecht) Ich habe es gerade eben schon gesagt, eines der größten Probleme ist, dass die Pflegekinderhilfe sehr unterschiedlich ausgestattet ist. Es kommt also sehr wohl darauf an, in welchem Landkreis man lebt oder in welcher kreisfreien Stadt. Und dann hat man eben ein unterschiedliches Recht auf Schutz, Sicherheit und erfährt oft ganz unterschiedliche Standards in der Pflegekinderhilfe. Wir brauchen aber gleiche Standards in der Beratung, Begleitung, Fortbildung und vor allen Dingen bei der finanziellen Unterstützung. Wir brauchen auch ausreichend Personal in den Jugendämtern. Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Denn was bringt eine Regelung – jedes Gesetz, das wir hier auf die Beine stellen –, wenn am Ende die Fachkraft fehlt, die die Fälle betreut? Was bringt ein Anspruch auf Unterstützung, wenn niemand da ist, der es umsetzt? Ich freue mich auch, dass wir darüber mit Ihnen, der Koalition, im Ausschuss diskutieren. Ein sehr wichtiger Punkt, den Pflegefamilien immer wieder mitbringen, ist, dass sie Zugang zu Fortbildung brauchen: kostenfrei, niedrigschwellig und verlässlich. Denn auch sie wollen der bestmögliche Hort für die Kinder sein. Wir richten in unserem Antrag deshalb zum Beispiel eine dauerhafte Telefonsprechstunde für Notfälle ein. Das eine ist die Beratung, die ganzheitlich sein muss. Das andere ist der kurzfristige Notfall, der begleitet werden muss. Oder wir bieten auch die Möglichkeit einer digitalen Hilfeplangesprächsbegleitung an, denn der Alltag der Familien ist ohnehin wahnsinnig kompliziert. Es ist wahnsinnig schwierig, Termine freizumachen. Warum dann nicht digital? Erleichterung ist ein wahnsinnig großer Punkt. Deswegen kurz und knapp: Wir fordern einheitliche Qualitätsstandards. Wir fordern, dass Pflegefamilien finanziell gut ausgestattet werden müssen. Da denke ich zum Beispiel auch an Frauen, die insbesondere Care-Arbeit übernehmen und sich dann am Ende wundern, warum ihre Rente zum Leben nicht reicht. Wir fordern auch Beratung, Supervision und Fortbildung, die eben, wie gesagt, kostenfrei und allzeit bereit sichergestellt sein muss. Entlastungsangebote und Krisenhilfe, diese müssen ausgebaut werden, genauso wie die Unterstützung in den Jugendämtern. Wir fordern aber auch, dass Pflegekinder zum Beispiel mit Behinderung mehr in den Fokus geraten, denn wenn ein Kind eine Behinderung oder besondere gesundheitliche Herausforderungen hat, wird es noch schwieriger, eine geeignete Pflegefamilie zu finden. Und wir fordern, dass insbesondere der Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden von Pflegekindern weiter gestärkt wird. Eines möchte ich Ihnen am Rand noch sagen – 40 Sekunden habe ich Zeit –: Pflegefamilien beschäftigen sich nicht nur mit spezifischen Pflegefamiliengesetzen. Sie beschäftigen sich auch damit, was auf Bundesebene passiert. Die angekündigten und umgesetzten Kürzungen spüren eben Familien wie Pflegefamilien ganz besonders, die nämlich in Grenzsituationen leben. Wenn Sie sich wundern, warum bei den großen Sozialprotesten ganz viele Familien gefehlt haben, dann kann ich Ihnen sagen, dass das daran liegt, dass sie genau in diesem Moment dieses System, dieses Land geschützt haben und die Kinder betreut haben, die kein Zuhause hatten. Und deswegen noch einmal vielen Dank. (Beifall Die Linke)

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