Dr. Stefan Wogawa
b) Personal und Ressourcen entlasten – Patientensteuerung, Patientenschutz und Prävention im Thüringer Gesundheitswesen stärken
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Zuhörer auf der Tribüne und am Livestream, Sie werden nicht überrascht sein, dass ich dem Koalitionsantrag Sympathie entgegenbringe. Ich habe ihn seinerzeit nicht unwesentlich mit erarbeitet und stehe nach wie vor dazu, auch in neuer Funktion. Der Antrag ist durch die Arbeit im Ausschuss weiter qualifiziert worden, einschließlich eines Anhörungsverfahrens. Danke an die Akteure des Gesundheitswesens, die sich mit ihren Stellungnahmen daran beteiligt haben. Ich möchte im Folgenden zu drei Schwerpunkten sprechen: zu sektorenübergreifenden Ansätzen, zur Prävention und zur Digitalisierung. Natürlich spielt auch der Bürokratieabbau eine wichtige Rolle. Meine Damen und Herren, ich wiederhole zunächst eine Einschätzung aus der ersten Debatte zum Thema. Eine fehlende Patientensteuerung und damit letztlich die medizinisch nicht intendierte Inanspruchnahme von Leistungen führt zu drei Problemen: Sie führt zu unnötigen Arztbesuchen, zu Informationsverlusten und zu ineffizienten Abläufen, so argumentiert die Kassenärztliche Vereinigung. Die genannten Folgen kann niemand wollen. Ziel sollte stattdessen sein, Menschen schnelle und hochwertige Hilfe zukommen zu lassen.
(Beifall Abg. Hoffmeister, Abg. Kobelt, fraktionslos)
Der Ausschuss hat erstens einen Kerngedanken des Ursprungsantrags bestätigt. Die sektorenübergreifende Vernetzung von Leistungserbringern, ob ambulant, stationär, Öffentlicher Gesundheitsdienst, Nachsorge oder Pflege, ist wesentlich für eine verbesserte Patientensteuerung und damit auch für einen effektiven Patientenschutz. Das Gesundheitssystem hat viele Säulen, die für Patienten schnell wie ein Dschungel wirken können. Die Lotsenfunktion der Hausärzte schafft hier einen wirksamen Wegweiser. Wesentlich ist zweitens, dass – ich zitiere aus der Beschlussempfehlung – „der Gesundheitsförderung und Prävention Schlüsselaufgaben in der Reduktion der Krankheitslast zukommen“. Von der Reparaturmedizin oder – wem der Begriff nicht gefällt – der kurativen Medizin wandelt sich das Gesundheitswesen zu einer systemischen Gesunderhaltung. Angesichts der alternden Gesellschaft und der steigenden Kosten unter anderem für chronische Krankheiten ist das auch dringend nötig. Prävention bildet hierbei ein Kernelement. Der Dachverband der Betriebskrankenkassen bezeichnet sie zu Recht als künftiges Fundament der gesundheitlichen Versorgung. Der Bedeutung der Digitalisierung wird der Antrag drittens ebenfalls gerecht, einschließlich des Datenschutzes. Die Wissenschaft fragt heute nicht mehr, ob Digitalisierung im Gesundheitswesen sinnvoll ist. Sie liefert stattdessen Analysen, wie datenbasierte Prozesse Behandlungen nachweislich verbessern, wie sie Kosten senken und wie sie das Personal in den Gesundheitseinrichtungen entlasten. Das muss auch in Thüringen Konsequenzen haben. Hinsichtlich der Schaffung einer telemedizinischen Praxisregion steht die Koalition im Wort. Ich erwarte, dass dieses wichtige und richtige Vorhaben bald in Angriff genommen wird.
(Beifall Abg. Hoffmeister, Abg. Kobelt, fraktionslos)
Der Gesundheitsausschuss hat auch festgestellt, dass – ich zitiere erneut – „erheblicher Handlungsbedarf bei der individuellen Gesundheitskompetenz besteht“. Diesem Aspekt wendet sich die Linksfraktion insbesondere zu. Ihr Antrag ergänzt somit den Koalitionsantrag. Meine Kollegen und ich werden deshalb beiden Anträgen zustimmen. Vielen Dank.
(Beifall Abg. Hoffmeister, Abg. Kobelt, fraktionslos)
