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Nina Behrendt

Thüringen.Gerecht 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Schreibschrift statt Tablets – für bewährte Methoden beim Schriftspracherwerb

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, werte Zuschauer! Ja, Kinder müssen mit der Hand schreiben lernen, mit Stift und Papier. Darüber müssen wir hier nicht streiten. Wie gut unsere Kinder lesen und schreiben lernen, ist ein ernstes Thema. Eltern machen sich Sorgen, Lehrkräfte auch. Und die AfD? Die macht daraus mal wieder richtig schön Stimmung. Schon allein der Titel „Schreibschrift statt Tablets“ – „statt“, als müssten sich unsere Grundschulen entscheiden, entweder oder. Zum Schluss wollen wir beides, aber in der richtigen Reihenfolge, mit einem klaren pädagogischen Ziel. Zuerst lernen die Kinder die Druckschrift. Dann wird daraus eine verbundene Schrift, flüssiger, gut lesbar und die ganz eigene. Genau das beschreibt der Lehrplan. Seit diesem Schuljahr wird er erprobt. Damit setzen wir um, was wir im Koalitionsvertrag versprochen haben. Und im Lehrplan steht ein Satz, den ich als Mutter sofort unterschreiben kann: Maßgeblicher als die gewählte Schriftform ist die Qualität des Handschreibunterrichts. Und die Tablets? Der Lehrplan sagt klar, digitales Schreiben ergänzt die Handschrift und ersetzt sie nicht. Zuerst der Stift, dann das Tablet. Zudem sind private Handys und Tablets an unseren Grundschulen schon heute grundsätzlich untersagt, es sei denn, die Nutzung ist pädagogisch angeleitet, medizinisch notwendig oder durch einen Notfall begründet. (Beifall Thüringen.Gerecht) Meine Damen und Herren, was bleibt von diesem Antrag der AfD? Sie behauptet, der Lehrplan führe nicht zur verbundenen Schrift. Der neue Lehrplan tut genau das. Der Antrag fordert: beim Schreibenlernen keine digitalen Geräte. Eine Ausnahme sieht er nicht vor. Auch nicht für das Kind, das wegen einer Behinderung keinen Stift halten kann. Für diese Kinder ist ein Tablet kein Spielzeug. Es ist ein notwendiges Hilfsmittel, um sich schriftlich ausdrücken, am Unterricht teilnehmen zu können und seine Fähigkeiten zu zeigen. Ein pauschales Verbot trifft genau die Kinder, die am meisten Unterstützung brauchen. Denn ein guter Schreibunterricht heißt, individuell zu fördern. Der Lehrplan verlangt ausdrücklich die Differenzierung und Individualisierung, weil Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Bedürfnissen in die Grundschule kommen. Und dann die Begründung, da steht plötzlich etwas von der „christlich-abendländischen Kultur“, von „Parallelstrukturen“ und es geht darum, dass „die Gesellschaft fragmentiert“. Meine Damen und Herren, was hat das mit dem Schreibenlernen zu tun? Wenn Schreibschrift eine Kulturtechnik ist, und das ist sie, dann gehört sie jedem Kind, auch dem Kind, das aus einem anderen Land stammt – gerade dem. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD) Denn wer gemeinsam mit anderen schreiben lernt, gehört dazu. So entsteht Zusammenhalt. Nicht durch Anträge, die Kinder nach Herkunft sortieren. Die AfD nimmt ein ernstes Thema und macht daraus Stimmung – zu spät, ohne Belege und auf dem Rücken von den Kindern. Deshalb sage ich für Thüringen.Gerecht Ja zur Handschrift, Ja zum Stift und zum Papier, Ja aber auch zu digitalen Werkzeugen, wenn sie altersgerecht, pädagogisch begründet eingesetzt werden und Nein zu einem falschen Entweder-Oder und Nein zu diesem Antrag. Vielen Dank. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD)

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