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Dirk Hoffmeister

fraktionslos 11.09.2026 Sitzungen 8/54

Entwurf der Rahmenvereinbarung VI zwischen der Thüringer Landesregierung und den Hochschulen des Landes (Laufzeit vom 1. Januar 2027 bis 31. Dezember 2034)

Herr Präsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Zuschauer auf der Tribüne und am Livestream, wenn wir heute über die Rahmenvereinbarung VI für die Thüringer Hochschulen sprechen, dann reden wir über Millionenbeträge, über Hochschulstrukturen, Kooperationen und Zielvereinbarungen. Aber am Ende geht es vor allem um Menschen, für die unsere Hochschulen da sind, nämlich um die Studierenden. Rund 45.000 junge Menschen studieren derzeit an den zehn staatlichen Hochschulen in Thüringen. Für sie bedeutet diese Rahmenvereinbarung zunächst eins: Verlässlichkeit. Wer heute in Thüringen ein Studium beginnt, muss darauf vertrauen können, dass sein Studiengang auch morgen noch angeboten wird, dass Lehrveranstaltungen stattfinden, dass Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter vorhanden sind, dass Bibliotheken, Labore und digitale Infrastruktur funktionieren und dass ein Studium nicht deshalb schlechter wird, weil sich von einem Haushaltsjahr zum nächsten die finanziellen Rahmenbedingungen ändern. Deshalb ist es wichtig, dass wir unseren Hochschulen mit dieser Vereinbarung einen Entwicklungsrahmen bis 2034 geben und die Finanzierung zunächst bis 2031 konkret absichern. Planungssicherheit für Hochschulen bedeutet auch Planungssicherheit für Studierende. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Thüringen leistet sich für 45.000 Studierende zehn staatliche Hochschulen. Rein rechnerisch könnte man diese Zahl an Studierenden sicherlich auch an zwei oder drei großen Hochschulen ausbilden. Aber was würde das für die Studierenden bedeuten? Es würde bedeuten, dass Studienangebote an bestimmten Standorten verschwinden, dass Wege länger wären, dass junge Menschen ihre Heimatregion verlassen müssen, obwohl der passende Studiengang bislang in erreichbarer Nähe angeboten wird. Deshalb halten wir es, als „Deine Stimme zählt“, für wichtig, die gewachsene Thüringer Hochschullandschaft mit ihren unterschiedlichen Profilen zu erhalten. Die Vielfalt unserer Hochschulen ist auch eine Vielfalt der Chancen für die Studierenden. Aber wir dürfen die Realität nicht ausblenden. Wenn die Zahl der Studierenden perspektivisch sinkt und gleichzeitig die finanziellen Möglichkeiten des Landes begrenzt sind, können wir nicht jede Struktur einfach unverändert fortschreiben. (Beifall Abg. Kobelt, Abg. Dr. Wogawa, fraktionslos) Deshalb ist diese Kooperation notwendig. Und auch hier muss die Perspektive der Studierenden entscheidend sein. Wenn Hochschulen Lehrangebote gemeinsam organisieren, Studiengänge besser aufeinander abstimmen, Infrastruktur gemeinsam nutzen und Doppelstrukturen abbauen, dann darf das nicht dazu führen, dass Studierende am Ende weniger Wahlmöglichkeiten haben oder ständig zwischen Hochschulstandorten pendeln müssen. Deshalb muss Kooperation die Qualität des Studiums verbessern und nicht das Studium komplizierter machen. (Beifall Abg. Kobelt, Abg. Dr. Wogawa, fraktionslos) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen dringend mehr Studierende in Thüringen. Diskussionen um Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer, geführt durch die AfD und zuletzt auch durch die Finanzministerin in den letzten Tagen in der Presse fabuliert, sind hier kontraproduktiv. (Beifall Abg. Kobelt, Abg. Dr. Wogawa, fraktionslos) Besonders deutlich wird das bei dem Studienbereich, der für die Zukunft unseres Landes von herausragender Bedeutung ist, bei der Lehrerbildung. Ich habe selbst viele Jahre als Lehrer gearbeitet, war lange in der Lehrerbildung tätig. Deshalb sage ich, wir müssen das Lehramtsstudium stärker aus der Perspektive der Studierenden und ihrer beruflichen Verantwortung betrachten. Ein junger Mensch, der sich heute für ein Lehramtsstudium entscheidet, hat einen berechtigten Anspruch darauf, dass wir ihn bestmöglich auf seinen Beruf vorbereiten. Natürlich braucht er fundiertes fachwissenschaftliches Wissen. Aber ein Lehramtsstudent studiert Mathematik, Deutsch, Geschichte, Biologie nicht allein, um möglichst viel über sein Fach zu wissen, er muss Lehrplaninhalte auch unterrichten können und in der Lage sein, dieses Wissen Schülern zu vermitteln. Deshalb gehört eine starke Fachdidaktik ins Zentrum der Lehrerbildung. Studierende müssen lernen: Wie erkläre ich einen schwierigen Sachverhalt? Wie gehe ich mit einer heterogenen Schülerschaft um? Der Unterricht an einer Grundschule stellt andere Anforderungen als an einem Gymnasium und an einer Gemeinschaftsschule. Genau deshalb ist es wichtig, dass wir ein verbindliches Curriculum für die Lehrerbildung einführen, wenn wir das Lehramtsstudium praxisorientiert machen wollen. Genau in dieser Hinsicht kann Thüringen eine Vorreiterrolle haben. (Beifall Abg. Kobelt, Abg. Dr. Wogawa, fraktionslos) Deshalb fordere ich das Ministerium dazu auf, bei der Ausgestaltung der Ziel- und Rahmenvereinbarung darauf hinzuwirken, dass wir hier ein verbindliches Curriculum für die Lehrerbildung implementieren. Lehrerbildung ist eine akademische Berufsausbildung, und das sollten wir immer vor Augen haben. Hier haben wir als Thüringer starkes Potenzial. Danke. (Beifall Abg. Kobelt, Abg. Dr. Wogawa, fraktionslos)

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