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Linda Stark

Die Linke 09.09.2026 Sitzungen 8/52

b) auf Antrag der Fraktion Die Linke zu dem Thema: „Ausbildungsstart: Azubis unter Druck – Thüringen als Ausbildungsstandort entlasten und stärken“

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauende und vor allem aber liebe Auszubildende! Letzte Woche begann für 1.000 junge Menschen in Thüringen die Ausbildung. Ein neuer Lebensabschnitt, verbunden mit großen Erwartungen, an den Betrieb, an die Berufsschule, an die eigene Zukunft. Für viele beginnt dieser Abschnitt aber nicht mit Aufbruchstimmung, sondern mit Druck. Der DGBAusbildungsreport 2026 hat in diesem Jahr die mentale Gesundheit von Auszubildenden in den Mittelpunkt gerückt, und die Ergebnisse sollten uns alle aufrütteln. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, unter psychischen Belastungen zu leiden – diese Belastungen enden eben nicht an der Betriebstür, sondern treffen das tägliche Leben –, 49,9 Prozent der Auszubildenden berichten von finanziellen Herausforderungen, 35 Prozent von Druck durch ihre Wohnsituation. Für Thüringen ist das keine bloße abstrakte Zahl. Über 70 Prozent unserer Azubis leben noch bei Eltern oder bei Verwandten, weil ein eigenständiges Wohnen schlichtweg nicht finanzierbar ist. Wer nicht weiß, wie die Miete bezahlt wird, wer sich Sorgen macht, ob das Geld am Monatsende noch reicht, der kann sich nicht mit voller Kraft auf seine Ausbildung konzentrieren. Ausbildungsqualität ist eben nicht nur die Frage der Lerninhalte, sie ist eine Frage von Lebensbedingungen. (Beifall Die Linke) Der Report zeigt uns aber eben auch, was Ausbildung stärkt und entlastet, nämlich eine gute Organisation im Betrieb, Ausbilder/-innen, die tatsächlich vor Ort und ansprechbar sind, echte Mitbestimmung von Auszubildendenvertretungen, starke Jugendauszubildendenvertretungen und verlässliche Rahmenbedingungen. Das ist auch keine utopische Forderung, das sind Mindeststandards, die wir in Thüringen politisch absichern können und auch müssen. (Beifall Die Linke) Und es lohnt sich auch wirtschaftlich: 2025 lag die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsschulabschluss in Thüringen bei 28,2 Prozent, mit Abschluss bei nur 4,2 Prozent. Wer in gelingende Ausbildung investiert, investiert in die Zukunft unseres Landes. Wenn Sie es mit der Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium wirklich ernst meinen, muss ich diese Landesregierung fragen: Wo sind denn Ihre Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen? Mit der neuen Fachkräftestrategie bleibt diese Landesregierung an entscheidender Stelle vage: viele Überschriften zur Fachkräftesicherung, aber eben kaum konkrete budgetierte Maßnahmen, die die Ausbildungsbedingungen selbst verbessern. Es reicht eben auch nicht, auf das Programm „Junges Wohnen“ zu verweisen, wenn davon bei Azubis nichts ankommt. Im Jahr 2025 wurden in Thüringen 325 Wohneinheiten über das Bundesprogramm „Junges Wohnen“ gefördert – für Studierende. Für Auszubildende waren es null. Es gab keine einzige geförderte Wohnung für Auszubildende. Das ist die reale Bilanz ihrer Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium. (Beifall Die Linke) Es reicht ebenso wenig, TikTok-Videos zur Gleichstellung von Ausbildung und Studium zu produzieren, wenn im Alltag der Auszubildenden eben nichts davon ankommt. Symbolpolitik in sozialen Netzwerken ersetzt keine Struktur, kein Budget und keinen Zeitplan. (Beifall Die Linke) Meine Damen und Herren, wir reden hier nicht über ein neues Thema. Wir als Fraktion haben Antworten auf diese Probleme mit unserem Antrag zur Schaffung eines Auszubildendenwerks geliefert. Der Landtag hat am 18. Dezember letzten Jahres die Landesregierung beauftragt, bis Juni dieses Jahres zu prüfen, unter welchen Bedingungen ein Azubiwerk mit Wohnraum für mindestens 500 Auszubildende, Sozial- und Finanzierungsberatung, Freizeitangeboten und eben diesen Mitbestimmungsstrukturen möglich ist. Dieser Prüfbericht liegt inzwischen vor, oder sagen wir eher, es liegt ein fünfseitiges kleines Berichtchen vor. Und was steht drin? Die Einrichtung wäre zwar grundsätzlich möglich, wird aber aus fachlicher Sicht nicht befürwortet. Begründung: angespannte Haushaltslage und Bürokratieabbau. Selbst die von uns geforderte und beschlossene jährliche Auszubildendenkonferenz wird abgelehnt, obwohl im eigenen Koalitionsvertrag dieser Regierung ausdrücklich vereinbart ist, die Gründung eines Azubiwerks als unabhängige, rechtlich selbstständige Einrichtung zu prüfen. (Beifall Die Linke) Bemerkenswert ist noch etwas an diesem Bericht: Als mögliche Finanzierungsquelle nennt der Bericht selbst das Bundesprogramm „Junges Wohnen“, genau eben dieses Programm, aus dem im Jahr 2025 exakt null Wohnungen für Auszubildende gefördert wurden. Wenn das Ihre Antwort als Landesregierung ist, zeigen Sie ernsthaft, wie egal Ihnen die Probleme der Auszubildenden sind. (Beifall Die Linke) München und Hamburg zeigen, dass Auszubildendenwerke funktionieren. Auch Berlin prüft derzeit ein eigenes Auszubildendenwerk. Dass es in Flächenländern bislang keines gibt, ist aber kein Argument gegen die Idee eines Auszubildendenwerks, sondern die Chance, dass Thüringen hier vorangeht, statt sich hinter einer angeblichen Unmöglichkeit zu verstecken. Dieser eigene Bericht der Landesregierung sagt es doch selbst: Es wäre möglich, man will es nur schlichtweg einfach nicht. Deshalb, meine Damen und Herren: Wer Ausbildung wirklich stärken will, muss endlich handeln, statt Videos zu drehen, aus denen nichts folgt. Vielen Dank. (Beifall Die Linke)

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