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Andreas Bühl

CDU 26.06.2026 Sitzungen 8/49

Christliche Kirchen schützen und christlich-abendländische Traditionen bewahren

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Prophet, es ist schon erstaunlich – und das will ich mit meiner Rede auch deutlich machen –, dass das, was Sie hier gerade vorgetragen haben, und das, wofür Ihre Fraktion steht und auch Ihre Partei in Sachsen-Anhalt, augenscheinlich sehr weit auseinander liegen. Von daher scheint es mir sehr deutlich zu sein, dass Sie hier versuchen, ein Ablenkungsmanöver von dem zu tun, was Ihre wirkliche Politik, Ihre Partei darstellt. Zum Schluss haben wir, was Ihre Absichten betrifft, eben schon intensiv gesprochen. Der Angriff auf die Kirchen, den haben Sie in dem Antrag hier davor schon gut dargestellt. Und für uns ist deswegen dieser Antrag auch ein wichtiges präventives Mittel, um weiteren Angriffen von Ihnen schon mal vorzubauen. Ich will meine Rede dazu auch nutzen, deutlich zu machen, wofür die AfD an dieser Stelle steht, und das auch mit verschiedensten Wortmeldungen belegen, (Unruhe AfD) weshalb es gut ist, dass wir uns klar hier dazu bekennen, was an der christlich-jüdisch-abendländischen Tradition bei uns fest verankert bleiben muss. Das fängt schon an bei jedem Sonntagmorgen, wo in Thüringen die Glocken läuten. Niemand hat es bewusst angeordnet, doch ordnet dieser Klang seit 1.000 Jahren die Zeit dieses Landes. Er teilt die Woche, er teilt die Tage und das Jahr, Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten. Die meisten, die diese Feiertage begehen, würden sich – leider, muss ich sagen – nicht mehr als Gläubige bezeichnen. Das sage ich als gläubiger Christ, dass ich das sehr schade finde. Und dennoch wissen alle, es gehört dazu. Ja, die Kirchen, die sind für viele kein Bekenntnis mehr, aber sie sind doch ein gemeinsames Fundament, das uns alle trägt, ob wir glauben oder nicht. Diese Glocken erinnern nicht nur an die Zeiten von Gottesdienst und Messe und sie schlagen nicht nur die Stunde um Stunde für die Zeit, sie erinnern auch beständig hörbar an eine 2.000-jährige Wahrheit, dass über dem Menschen etwas steht, das keine irdische Macht ihm geben oder nehmen kann. Das Christentum ist nicht als Religion der Starken in die Welt gekommen, sondern als der Glaube von Verfolgten. Die ersten Christen sind im Römischen Reich umgebracht worden, weil sie sich weigerten, dem Kaiser zu opfern, weil sie den Staat nicht zu größter Macht erklärten. Und zum Schluss steht in der Offenbarung des Johannes: „[…] denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ Es ist der gefährlichste Satz, den eine absolute Macht hören kann, denn er zieht eine Grenze, die jedem Zugriff verwehrt ist. Der Mensch besitzt etwas, das für niemanden, auch nicht den Staat, verfügbar ist – seine Würde. Aber nur der restlos Verfügbare ist der vollkommene Untertan. Der ist ein Mensch, den staatliche Macht formen kann. Das Christentum aber ist die Grenze staatlicher Macht über den Menschen und auch deshalb eine am meisten verfolgte Religion weltweit. Wie weit die AfD bereit ist zu gehen, um Kirchen anzugreifen, weiter als es die SED wagte, das haben wir in der Diskussion gerade eben im Hohen Haus gehört. Und ein Blick nach Sachsen-Anhalt zeigt, was unserem Lande bevorstünde, käme die AfD auch nur in die Nähe der Regierung. Dort wollte ein Antrag zum Landesprogramm derer Partei christliche Feiertage – ich zitiere – als überflüssig abschaffen und durch Julfest und Sonnenwende ersetzen. Jetzt wird man gleich aus der AfD argumentieren, der Antrag wurde ja abgelehnt, das sei überhaupt nicht Beschlusslage geworden. Das stimmt, aber das beruhigt mich kein bisschen. Denn Anträge werden nicht aus dem Nichts geboren. Sie zeigen, was in einer Partei gedacht, gewollt und für mehrheitsfähig gehalten wird. Und ja, der Antrag beruft sich dabei auf den Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland, der gesagt hat: Wir sind keine christliche Partei. Umso mehr hat mich erstaunt, Herr Prophet, was Sie eben hier gerade vorgetragen haben, was auch nicht zum Punkt davor gepasst hat. Das Christentum, so die Begründung im Antrag, steht für Dinge, die die AfD ablehne: „Feindesliebe“, „andere-Wange-hinhalten“ und „alle Menschen sind gleich“. Meine Damen und Herren, wenn Autoritäre Oberwasser bekommen, dann sagen Sie augenscheinlich die Wahrheit. Und das steht dort schwarz auf weiß. Aber hier will ich der AfD eindeutig zustimmen. Auch wenn Sie allzu gern über sich behaupten, der Verteidiger des Abendlandes zu sein, mit dem Christentum haben sie nichts, scheinbar gar nichts zu tun. Denn nichts fürchten totalitäre Bewegungen so sehr wie eine Distanz, eine Instanz über dem Staat. Solange das Christentum diese Instanz ist, bleibt der Mensch ihrem Zugriff entzogen. Erst wenn der Glaube geräumt ist, ist die Stelle frei für eine neue politische Religion. Und wer diese ideologisch ausfüllt, wer solche Anträge wie in Sachsen-Anhalt befeuert, der hat einen Namen, und auch das will ich mit Zitaten deutlich machen, der Name ist Björn Höcke. Mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands, sagt er, könne er nichts anfangen, weil Christentum und Judentum einen Antagonismus darstellen würden – Antagonismus, also ein unüberbrückbarer Gegensatz. Damit geht er hinter das Zweite Vatikanische Konzil von 1965 zurück. Über die Bibel schreibt er, ihre Geschichten seien für ihn Begebenheiten aus einer fernen Welt. Es gab da zu viel Wüste und zu wenig Wald. Schon bei Pegida störte ihn das Bekenntnis zum christlich-jüdisch geprägten Abendland, weil ihm darin – Zitat – antike und germanische Wurzeln fehlen. Und er wörtlich sagt: Ich denke, es muss noch einmal daran nachgearbeitet werden. – „Nachgearbeitet“ – am Christentum müsse noch „nachgearbeitet“ werden, bis es ihm passt. Und das macht deutlich, dass die Rede von Herrn Prophet nicht zu dem passt, was Ihre Partei hier in Thüringen vertritt. (Beifall CDU)

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