Vivien Rottstedt
Medizinische Versorgung sichern – Heilmittelerbringer stärken – Weiterbildungsförderung bedarfsgerecht ausbauen
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Sehr geehrte Abgeordnete, liebe Zuschauer an den Bildschirmen, wer schon einmal nach einem Schlaganfall wieder laufen lernen musste, wer nach einer Operation wochenlang auf Physiotherapie gewartet hat und wer für sein Kind nach einem dringenden Termin beim Logopäden gesucht hat, der weiß, wie unverzichtbar Heilmittelerbringer für unsere funktionierende Gesundheitsversorgung sind. Es geht weder um Wellness noch um irgendeinen Randbereich. Es geht um Menschen, die anderen helfen, nach Krankheit, Unfall oder chronischen Beschwerden wieder in ihren Alltag zurückzufinden.
(Beifall AfD)
Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen halten die Versorgung vor Ort am Laufen. Sie helfen, Beweglichkeit zurückzugewinnen, sie unterstützen Kinder beim Sprechen, sie erhalten Selbstständigkeit. Sie entlasten die Ärzte, die Pflege und Angehörige. Gerade im ländlichen Raum entscheidet daher jede Praxis darüber, ob die Versorgung tatsächlich erreichbar bleibt. Wenn vor Ort eine Praxis schließt, dann bedeutet das für viele Patienten längere Wege, längere Wartezeiten und manchmal sogar den Verzicht auf eine ganz wichtige Behandlung. Unser Antrag setzt deshalb an einem sehr konkreten Punkt an. Viele Heilmittelabbringer brauchen Fortbildungen und Zusatzqualifikationen, um bestimmte Leistungen überhaupt anbieten und abrechnen zu können. Die Weiterbildung ist in diesen Berufen also häufig keine nette Zugabe für die Karriere, sondern vielmehr Voraussetzung dafür, dass die Versorgung überhaupt stattfinden kann. Diese Weiterbildung kostet viel Geld. Dabei geht es konkret um Lehrgangsgebühren, Fahrt- und Übernachtungskosten und bei jungen Familien auch um die Betreuungskosten. Für Angestellte ist das eine erhebliche Belastung und für kleine Praxen eine Investitionsentscheidung. Für etwaige Praxisnachfolger kann es mit darüber entscheiden, ob ein Standort übernommen werden kann oder nicht. Hier ist Thüringen ziemlich schwach aufgestellt. Ein Beispiel ist der Thüringer Weiterbildungscheck. Er zeigt, dass Thüringen zwar Förderinstrumente hat, diese aber für die Realität der Heilmittelerbringer nicht ausreichend sind. Die Förderung ist eng gehalten und Nebenkosten werden nicht so abgebildet, wie es ein Flächenland wie Thüringen benötigt. Derzeit ist die Richtlinie ohnehin ausgesetzt. Unser Antrag fordert kein neues Fördermonster, er fordert keine neue Behörde, er fordert keine zusätzlichen Parallelstrukturen. Er fordert stattdessen, eine bestehende Förderkulisse sinnvoll auszubauen und weiterzuentwickeln. Heilmittelerbringer sollen künftig ausdrücklich als Zielgruppe mitberücksichtigt werden, Förderquoten sollen verbessert und Nebenkosten realistisch miteinbezogen werden. Die Landesregierung soll darüber hinaus dem Landtag über die finanziellen und administrativen Auswirkungen berichten. Wer eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung aufrechterhalten will, muss alle Bereiche der Versorgung im Blick haben. Die Brombeerregierung redet ständig von Fachkräftesicherung. Hier liegt eine Möglichkeit auf dem Tisch, die sofort geprüft und umgesetzt werden kann. Denn die Menschen, die die Patienten wieder auf die Beine bringen, dürfen nicht weiter politisch in der zweiten Reihe stehen. Da die ESF Plus-Förderperiode 2027 ausläuft, muss Thüringen jetzt also entscheiden, welche Prioritäten künftig gelten sollen. Ich bitte daher um Ausschussüberweisung.
(Beifall AfD)
