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Jens Thomas

Die Linke 22.05.2026 Sitzungen 8/45

Das Auerwild in Thüringen retten – Lebensraum stärken, Gefahr reduzieren, Bestand erhöhen

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, beim Auerwild handelt es sich ohne Zweifel um eine der am stärksten bedrohten Tierarten Thüringens und ja, der Bestand ist weiterhin kritisch niedrig. Genau deshalb wird seit vielen Jahren mit erheblichem Aufwand daran gearbeitet, diese Art in Thüringen überhaupt zu erhalten. Was die AfD aber hier macht, ist etwas anderes. Sie versucht, eine einzelne bedrohte Art herauszugreifen, um sie politisch gegen den Ausbau der Windkraft in Stellung zu bringen. Genau deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. (Zwischenruf Abg. Abicht, AfD: Alles Klassenkampf!) Wenn man sich die Antworten der Landesregierung auf die zahlreichen Anfragen der AfD selbst anschaut, dann wird eines sehr deutlich: Thüringen unternimmt bereits seit Jahren enorme Anstrengungen zum Schutz des Auerwilds. Es gibt aufwändige Monitoringprogramme, eine eigene Aufzuchtstation, Auswilderungsprojekte, Habitatpflegemaßnahmen, internationale Kooperation, Raubwildmanagement und umfangreiche Fördermaßnahmen. Allein seit 2022 wurden über 200 Tiere ausgewildert bzw. zur Bestandsstützung eingebracht. Seit Jahren fließen erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in dieses Projekt. Das zeigt doch, der Schutz des Auerwilds wird in Thüringen keineswegs ignoriert. Und gleichzeitig zeigen dieselben Antworten der Landesregierung auch etwas anderes: Die Probleme des Auerwilds bestehen seit Jahrzehnten. Die Bestände waren bereits seit den 1970er-Jahren massiv eingebrochen, also lange vor dem heutigen und notwendigen Ausbau der Windenergie. Teilweise lag der geschätzte Bestand in Thüringen nur noch im einstelligen Bereich. Die Ursachen dafür sind bekannt: der Verlust geeigneter Lebensräume, Veränderungen der Waldstrukturen, intensive forstliche Nutzung vergangener Jahrzehnte, Zerschneidung von Lebensräumen, hohe Prädation und inzwischen zunehmend auch die Folgen der Klimakrise und des Waldsterbens. Das alles sind in erster Linie menschengemachte Probleme, aber Windenergie gehört eben gerade nicht zu den zentralen Ursachen für das historische Aussterben des Auerwilds in Thüringen. Genau an diesem Punkt wird der Antrag unseriös, indem genau das suggeriert wird. (Zwischenruf Abg. N. Hoffmann, AfD: Nein, tut er nicht!) Dabei ist klar, dass die relevanten EU-Vogelschutzgebiete gerade nicht für Windenergie in Anspruch genommen werden sollen und entsprechende Schutzmechanismen bestehen. Wir lehnen daher den durchschaubaren Versuch ab, den Artenschutz gegen die Energiewende zu instrumentalisieren, denn die Klimakrise selbst ist längst eine massive Bedrohung für Wälder, Artenvielfalt und Ökosysteme. Gerade das Auerwild leidet unter den Veränderungen der Waldstrukturen infolge von Trockenheit, Hitze und Borkenkäfer-Kalamitäten. Wer also ernsthaft über den Schutz des Auerwilds reden will, darf Klimaschutz und Energiewende nicht gegeneinander ausspielen. Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt: Die AfD entdeckt den Artenschutz gern dann, wenn er sich gegen Windkraft oder gegen erneuerbare Energien richten lässt. Beim Flächenverbrauch durch Straßen, bei industrieller Landwirtschaft, bei Pestiziden, beim allgemeinen Artensterben oder bei der Klimakrise erleben wir diese Leidenschaft eben nicht. Das macht die vorgegebene Motivation hinter diesem Antrag wenig glaubwürdig. Wir brauchen stattdessen einen ehrlichen Naturschutz, den Schutz und die Wiederherstellung geeigneter Waldlebensräume, eine klimaresiliente Waldentwicklung, ein wissenschaftlich fundiertes Monitoring, den Erhalt großer störungsarmer Waldflächen und eine Energiewende, die naturverträglich umgesetzt wird. Das Auerwild verdient ernsthaften Schutz, nicht seine politische Instrumentalisierung. Deshalb lehnen wir als Linke den Antrag ab. Vielen Dank. (Beifall Die Linke)

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