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Dirk Hoffmeister

BSW 26.03.2026 Sitzungen 8/41

Rückenwind für junge Menschen, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erlangen möchten – Thüringenkolleg Weimar erhalten: Aufnahmestopp aufheben und Strukturen sichern

Herr Präsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Zuschauer auf der Tribüne und am Livestream, wir beraten den Antrag der Linken „Rückenwind für junge Menschen, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erlangen möchten – Thüringenkolleg Weimar erhalten: Aufnahmestopp aufheben und Strukturen sichern“. Wow, ein echt vollmundiger Antrag. Die Linke fordert: Erhalt des Thüringenkollegs in der vorliegenden Form, Schaffung bzw. Erhalt von kostengünstigen Wohnmöglichkeiten. So weit, so gut. Was ist das Thüringenkolleg und was bietet diese Schulform? Sie bietet die Möglichkeit, auf dem zweiten Bildungsweg die Allgemeine Hochschulreife bzw. das Abitur zu erwerben. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, als Bildungspolitiker mit 27 Jahren Diensterfahrung als Lehrer denke ich Bildung prinzipiell Output-orientiert, um jungen Menschen die besten Chancen auf dem Weg in ihr Berufsleben zu bieten. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, aus dieser Perspektive betrachtet geht es nicht um den Erhalt eines Prestigeobjekts für 61 Schüler aus Weimar und Jena, das jährlich 1 Million Euro an Steuergeld kostet. Nein, es geht um den Erhalt einer Schulform, die Menschen in Thüringen die Möglichkeit bietet, auf dem zweiten Bildungsweg kostenlos und in Vollzeitform ihr Abitur zu erlangen. Es geht nicht um kurzfristig gedachte Symbolpolitik oder lokale Befindlichkeiten. Nein, es geht um Perspektiven für die Menschen in Thüringen. (Beifall CDU, BSW) Ich möchte meine Freude zum Ausdruck bringen, dass im Koalitionsarbeitskreis das Ministerium meinen Vorschlag aufgegriffen hat, dass Kollegiaten prinzipiell auch an Gymnasien beschult werden können, dass das also durchaus ein möglicher Weg wäre, an ein Abitur zu kommen. Durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur wird ein entsprechender Vorschlag erarbeitet, dass erstens der Erhalt der Schulform Thüringenkolleg als eigenständige Schulform und zweitens die Beschulung an Standorten von beruflichen Gymnasien in Thüringen erfolgen soll. (Beifall CDU, BSW) Das bietet eindeutige Vorteile. Erstens, mehr Schüler partizipieren von dieser Schulform: Schüler aus Artern, Sondershausen und Sonneberg haben jetzt die Möglichkeit, wohnortnah in Vollzeitform an ihr Abitur zu kommen, und nicht nur Schüler aus Weimar oder Jena. Zweitens, mehr Wahlmöglichkeiten bei der Kurswahl in der Qualifikationsphase der Oberstufe: Jeder, der sich mit Schule etwas auskennt und auch mal einen Blick in die Verwaltungsvorschrift wagt, weiß, dass Lehrerwochenstunden, das heißt also Stunden, die an Schule unterrichtet werden dürfen, sich nach der Anzahl der Schüler richten. Das heißt also, je mehr Schüler ich habe, desto mehr Wochenstunden habe ich und desto mehr Kursangebote kann ich Schülern unterbreiten. Eine höhere Kursauswahlmöglichkeit war unter anderem auch ein Wunsch der Kollegiaten. Drittens, eine langfristige Perspektive für diese Schulform vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: Nicht nur in Kindergärten werden unsere Kinder immer weniger. Sie werden perspektivisch auch an den weiterführenden Schulformen und auch im Bildungsgang Thüringenkolleg perspektivisch weniger. Wenn ich also hier die Möglichkeit schaffe, dezentral, wohnortnah einzelnen Schülern diese Möglichkeit zu bieten, trägt das wesentlich dazu bei, nicht nur diese Schulform zu erhalten, sondern auch Schülern die Möglichkeit zu bieten, auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur zu machen. (Beifall BSW) Und es entfällt auch die Notwendigkeit eines Wohnheims, zumindest das, was wir in Weimar haben, denn, ich glaube, ein junger Mensch, der vielleicht schon Berufserfahrung hat, wird kaum auf die Idee kommen, in einem Wohnheim zu wohnen. Wir als BSW-Fraktion stehen für Vernunft und Gerechtigkeit. Wir stehen für einen richtigen Rückenwind, der Menschen in unserem Land echte Chancen bietet. Wir stehen für kein laues Lüftchen oder heiße Luft oder Symbolpolitik. Der Erhalt eines Prestigeprojekts hat absolut nichts mit Vernunft und Gerechtigkeit zu tun. Eine Politik im Sinne von Vernunft und Gerechtigkeit stellt der Vorschlag des Ministeriums dar, der also hier – ich hatte es ja vorhin bereits erläutert – jungen Menschen, und das sogar wohnortnah, die Möglichkeit verschafft, ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu erreichen. (Beifall BSW) Eingedenk der Tatsache, dass es hier um junge Menschen in Thüringen geht, sind wir, um ganz einfach den Vorschlag, den uns das Ministerium vorlegt, zu beraten, damit einverstanden, den Antrag der Linken vor diesem Hintergrund an den Ausschuss zu überweisen, und haben gleichzeitig als Brombeerkoalition einen entsprechenden Antrag hier ins Plenum eingebracht. Der liegt ja im Prinzip hier den Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werbe nach Einbringung unseres Antrags, der jungen Menschen in Thüringen eine sichere Möglichkeit bietet, ihr Abitur in Thüringen zu erwerben, darum, für die Überweisung an den Ausschuss zu stimmen. Danke schön. (Beifall CDU, BSW)

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