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Jens Thomas

Die Linke 06.02.2026 Sitzungen 8/37

Dringender Regulierungsbedarf des Waschbärbestands in Thüringen zum Schutz von Artenvielfalt und Kulturlandschaft im Freistaat

Meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Präsident, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, der vorliegende Antrag befasst sich mit dem Waschbären als invasiver Art in Thüringen. Dass invasive Arten Herausforderungen für den Naturschutz darstellen können, bestreiten wir nicht. Artenschutz und der Schutz sensibler Ökosysteme sind wichtige Aufgaben. Aber dieser Antrag geht den völlig falschen Weg. Der Waschbär ist keine neue Erscheinung. Er wurde bereits 1934 gezielt in Deutschland angesiedelt und hat sich seitdem über Jahrzehnte hinweg stetig ausgebreitet. Diese Entwicklung ist Realität und lässt sich nach fast 100 Jahren nicht mehr rückgängig machen. Wer heute so tut, als könne man diese Art einfach wieder entfernen, verkennt die ökologische Ausgangslage. Die Konsequenz daraus kann nur sein: Wir müssen lernen, mit den Waschbären zu leben, und zwar auf eine Weise, die dem Naturschutz tatsächlich dient. Die AfD behauptet, eine konsequente und intensivierte Bejagung sei das effektivste Mittel zur Regulierung des Waschbärbestands. (Zwischenruf Abg. Cotta, AfD: Das ist doch Quatsch!) Diese Aussage ist wissenschaftlich nicht belegt. Populationsökologische Erkenntnisse zeigen vielmehr: Bei hochanpassungsfähigen Arten wie den Waschbären führt verstärkter Jagddruck häufig nicht zu einer nachhaltigen Bestandsreduktion. Verluste werden durch höhere Fortpflanzungsraten ausgeglichen und frei werdende Reviere rasch durch Tiere aus umliegenden Gebieten neu besetzt. Sowohl der NABU als auch der BUND weisen seit Jahren darauf hin, dass Abschüsse allein kein geeignetes Steuerungsinstrument sind und im Zweifel sogar kontraproduktive Effekte haben. Wer also ernsthaft Artenschutz betreiben will, darf sich nicht an Abschusszahlen orientieren. (Zwischenruf Abg. Cotta, AfD: Sie wissen aber schon, dass Waschbären mit Fallen gefangen werden, nicht geschossen! Das ist der Unterschied!) Vielmehr ist es richtig, Herr Cotta, über andere Regulationsmethoden nachzudenken. In Kassel wurde genau das versucht. In einem Pilotprojekt, das leider inzwischen aufgrund von Zuständigkeitsgerangel pausiert wurde, wurden Waschbären gefangen, ste ­ rilisiert und wieder ausgesetzt, um die Reproduktion gezielt zu begrenzen, ohne ständig neue Tiere nachrücken zu lassen. Dieses Projekt ist sicherlich kein Allheilmittel, aber es zeigt, es gibt Alternativen zur reinen Bejagung. Es gibt Wege, die wissen ­ schaftlich begleitet, tierschutzgerecht und langfristig angelegt sind. Im AfD-Antrag kommt diese Perspek ­ tive nicht vor. (Beifall Die Linke) Stattdessen setzen Sie eindeutig auf Abschussprämien, Intensivierung der Jagd- und Fangsysteme, unabhängig davon, ob diese Strategie überhaupt wirksam ist. Das ist kein Zufall, sondern ein bekanntes Muster. Ob Wolf, ob Kormoran, ob Fisch oder Biber, oder nun der Waschbär – die Antwort der AfD ist immer dieselbe: abschießen statt differenzieren, vereinfachen statt verstehen, Symbolpolitik statt Naturschutzpolitik. (Beifall Die Linke) Artenschutz ist aber kein Schießstand. (Zwischenruf Abg. Schubert, Die Linke: Ihr seid keine Naturschützer!) Er verlangt Fachlichkeit, wissenschaftliche Begleitung und den Mut, auch unbequeme, aber wirksame Wege zu gehen. Wir brauchen Prävention, etwa durch besseres Abfallmanagement, sowie Aufklärung der Bevölkerung. Und wir brauchen die Bereitschaft, neue Ansätze zumindest zu prüfen, statt sie komplett auszublenden. Der Antrag der AfD leistet das nicht. Er suggeriert Handlungsfähigkeit, wo ökologische Komplexität herrscht, und reduziert Naturschutz auf Jagdpolitik. Deshalb sagen wir als Linke klar: Wir nehmen den Schutz der Artenvielfalt ernst, aber wir lehnen eine Politik ab, die immer nur zur Flinte oder Büchse greift. Aus diesen Gründen wird die Fraktion Die Linke diesem Antrag nicht zustimmen. Vielen Dank. (Beifall Die Linke)

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