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Christoph Zippel

CDU 06.02.2026 Sitzungen 8/37

Erste Hilfe in den Lehrplan – Lebensrettung in der Fläche stärken

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass das ein wichtiges Thema ist, denke ich, kann man mir abnehmen. Ich darf behaupten, dass ich die Kurse, um die es heute hier geht, selbst zu Dutzenden durchgeführt habe. Ich selbst habe mehrere Hundert Kinder und Jugendliche in diesen Kursen ausgebildet. Von daher wage ich es mal, zu diesem Thema zu sprechen. Alles, was inhaltlich schon gesagt wurde zur Bedeutung der Reanimation, ist richtig und dazu braucht man, glaube ich, auch nichts weiter sagen. Nichtsdestotrotz hat es dieser Antrag, der ein wichtiges Thema anspricht, geschafft, so kurz zu springen, wie selten zuvor ein Antrag hier im Plenum zu kurz gesprungen ist. Ich will Ihnen das auch ganz kurz begründen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von der AfD-Fraktion, welche Aspekte Sie eben nicht berücksichtigt haben. Zunächst einmal sprechen Sie von zwei Schulstunden pro Jahr. Ich darf Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass das viel zu wenig ist. (Unruhe AfD) Es geht um die ständige Wiederholung, und wenn Sie wollen, dass das bei den Kindern verfängt, dann geht es darum, auch die komplexen Inhalte darzulegen und nicht einfach nur stumpf auf die Reanimation zu achten. Studien haben gezeigt, dass Sie das dann erfolgreich bei Erwachsenen und bei Kindern verankern, wenn Sie es in einem komplexen Gesamtrahmen verankern und die Kinder und Jugendlichen auch verstehen, was es mit der Rettungskette auf sich hat, was Vitalfunktionen sind und anderes. Der zweite Punkt, wo Sie zu kurz springen, ist der Punkt, dass Sie das Ganze ab der 7. Klasse fordern. Da darf ich Ihnen sagen: Das ist viel zu spät. Es gibt auch hier klare Untersuchungen, dass Kinder und Jugendliche viel früher schon in der Lage sind, mit diesen Informationen zu arbeiten. Auch hier gibt es international gute Erfahrungen. Ich darf nur aus den USA berichten, die schon sehr, sehr früh – auch schon bei viel jüngeren Kindern – zum Beispiel das Heimlich-Manöver unterrichten. Das hat schon viele Leben in den USA gerettet, dass auch Kinder in der Lage sind, bei ihren jüngeren Geschwistern oder bei den Eltern diesen Handgriff durchzuführen. Selbst wenn sie noch jünger sind, sind Kinder in der Lage, den Notruf abzusetzen. Von daher ist auch hier die 7. Klasse viel zu spät, wenn Sie wirklich Erfolge zeitigen wollen. Gleichzeitig lässt Ihr Antrag viele Fragen unbeantwortet. Ich stelle nur mal ganz diffus in den Raum: Wer soll das bitte schön unterrichten? Diese Themen verlangen eine spezielle Qualifikation. Das können Sie nicht einfach den Lehrern überstülpen. Dafür brauchen Sie speziell ausgebildete Fachkräfte. Sie brauchen dafür qualifizierte Ausbilder. Ich selbst habe Ausbilder ausgebildet, ich weiß, was es bedeutet, dass Sie da nicht einfach irgendjemanden nehmen können. Das sind Leute, die auch eine Fähigkeit, ein Verständnis für das Thema haben müssen. Das beachten Sie gar nicht bei dieser Thematik. Was auch noch ein wichtiger Punkt ist: Sie bedenken auch keine wichtigen benachbarten Themen. Es gibt zum Beispiel die erfolgreiche Konstruktion der sogenannten BBK-Kurse, also vom entsprechenden Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Hier gibt es spezielle Erste-Hilfe-Kurse, die von vielen Schulen genutzt werden, mit einem speziellen Aspekt und Konzentration auf sogenannte Selbstschutzinhalte. Diese Kurse wurden ins Leben gerufen, nachdem wir insbesondere in Ostdeutschland große Hochwasserkatastrophen hatten und man erkannt hat, dass es sinnvoll ist, auch Kinder und Jugendliche frühzeitig sowohl in Erster Hilfe zu schulen sowie ihnen Fähigkeiten im Selbstschutz und in der Katastrophenvorsorge beizubringen. Was machen wir mit diesen Kursen? Wäre es nicht sinnvoller, eher diese Kurse zu stärken? Hier sind wir beim Thema der Bundesebene. Auch das spielt in Ihrem Antrag keine Rolle, Sie blenden das komplett aus. Ebenfalls haben Sie nicht berücksichtigt, dass dieses Thema bereits Teil des Unterrichts ist. Ja, es gibt kein geschlossenes Curriculum zu dieser Thematik, aber es ist gelebte Praxis an den Schulen, dass dieses Thema bereits fachübergreifend thematisiert wird. Wie verbinden wir das? Wie verknüpfen wir das mit dem, was Sie vorschlagen? Auch hier: keine Ideen. Dann ist noch eine wichtige Frage offen: Wie vernetzen wir den Ansatz, dass wir an den Schulen verstärkt erste Hilfe unterrichten wollen, mit den bereits bestehenden Organisationen bzw. Diensten? Ich will hier nur mal in Erinnerung rufen, dass wir eine ganze Reihe erfolgreicher Schulsanitätsdienste in Thüringen haben. Welche Rolle könnten die in diesem Zusammenhang spielen? Auch dazu keine Äußerung Ihrerseits. Jugendsanitätsdienste – MalteserJugend, Johanniter-Jugend, DRK-Jugend –: keine Hinweise dazu Ihrerseits. Auch die könnte man dort gut verankern. Über das Thema „Jugendfeuerwehren“ müssen wir gar nicht sprechen, auch da sind die jungen Kameradinnen und Kameraden in einer wichtigen Rolle. Was mich am meisten ärgert, ist, dass Sie nicht mal wissen, was wir hier im Landtag beschlossen haben. Wir haben die Landesregierung damit beauftragt, einen Masterplan Rettungsdienst auszuarbeiten. Es hätte doch geradezu danach geschrien, diese wichtige Idee auch mit diesem Masterplan Rettungsdienst zu verknüpfen. Aber keine Sorge, wenn Sie das nicht machen, machen wir das. Ich bin sehr sicher, dass die Landesregierung an dieser Stelle dieses wichtige Thema auf dem Plan haben wird. Ich weiß, dass minister- und ministerienübergreifend an diesem Thema gearbeitet wird und wir deswegen natürlich auch das Bildungsministerium bei diesem Thema einbinden werden. Es wurde schon gesagt: Diesem Antrag ist nicht zuzustimmen. Es macht auch keinen Sinn, diesen Antrag an den Ausschuss zu überweisen. Dieser Antrag ist quasi die Mutter aller unvollständigen Anträge hier im Plenum. Vielen Dank. (Beifall CDU, BSW)

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