thueringer-landtag.de ↗

Dr. Stefan Wogawa

BSW 04.02.2026 Sitzungen 8/35

c) auf Antrag der Fraktion der SPD zu dem Thema: „Beschäftigte stärken statt pauschal zu kritisieren: Ursachen steigender Krankheitstage in Thüringen in den Blick nehmen“

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste, es ist immer eine besondere Aufgabe, als Letzter in einer Aktuellen Stunde zu sprechen. Sie müssen jetzt stark sein und das eine oder andere noch mal hören, was meine Vorredner gegebenenfalls schon gesagt haben. Die SPD-Fraktion fordert angesichts steigender Krankheitstage in Thüringen, die Beschäftigten zu stärken, statt sie pauschal zu kritisieren. Das ist ein wichtiges, ein richtiges Anliegen, hinter das wir uns auch als BSW-Fraktion stellen. (Beifall BSW, SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer die leicht steigenden Krankheitstage reflexhaft mit Faulheit und sinkender Arbeitsmoral erklärt, verkennt die Realität. Dem stellen wir uns als BSW klar entgegen. (Beifall BSW) Wir werden keinen Generalverdacht für Beschäftigte mittragen. Wenn man Menschen, die täglich hart arbeiten, im Krankheitsfall pauschal Missbrauch unterstellt, dann ist das zynisch und für uns inakzeptabel. (Beifall BSW) Es liegt auf der Hand, dass der Druck in der Arbeitswelt zunimmt. Immer mehr unsichere Beschäftigungsverhältnisse, Personalmangel, Schichtarbeit und Niedriglöhne prägen leider immer größere Teile der Arbeitswelt. Es wäre erstaunlich, wenn dies nicht zu gesundheitlichen Problemen führt. Schauen wir uns einige Fakten dazu an. Ja, es gab einen leichten Anstieg der Krankheitstage, aber dieser Anstieg ist deutlich differenzierter zu betrachten, als es so manche Schlagzeile nahelegt. Worum geht es konkret? Erstens: Ein zentraler Grund für Krankentage sind klassische Atemwegserkrankungen, Erkältungen, Grippe, Bronchitis, auch Coronainfektionen und weitere grippeähnliche Infekte. Sie sind übrigens der häufigste zu beobachtende Einzelfaktor bei krankheitsbedingten Arbeitsausfällen. Wer daraus eine angebliche Krankfeiermentalität ableiten will, der verzerrt die Realität. Wir müssen uns fragen: Sollen derart Erkrankte wirklich arbeiten, sollen sie wirklich ihre Kolleginnen und Kollegen anstecken und damit für mehr Kranke sorgen? Wir gehen davon aus: Nein. Zweitens: Auch psychische Gesundheitsprobleme, Depressionen, Angststörungen, Burn-out-Symptome sind wesentliche Gründe für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Das trifft leider auch in Thüringen zu. Es gibt eine Vielzahl von Gründen für psychische Erkrankungen, aber Dauerstress ist ein ganz wichtiger Grund. Und schließlich drittens: Bestimmte Berufsgruppen weisen traditionell höhere Fehltage auf als andere. Das betrifft beispielsweise Erzieherinnen und Erzieher sowie Pflegekräfte. Sie zeigen überdurchschnittlich viele Krankheitstage. Auch dafür gibt es Gründe: enge Kontakte zu Erkrankten, Schichtarbeit und psychische sowie körperliche Belastungen. Entsprechend ist die Frage zu stellen: Welche Ursachen haben Krankheitstage? Da ist eindeutig herausgestellt: Hohe Krankenstände korrelieren mit hoher Belastung, mit Druck, mit Unsicherheit, mit Arbeitsverdichtung und anderen ähnlichen strukturellen Ursachen. Wir als BSW-Fraktion betonen: Thüringen ist kein Land der Faulenzer. Wir sind ein Land mit vielen hart arbeitenden Menschen, denen häufig schwierige Arbeitsbedingungen zugemutet werden, die leider krank machen. Der Anteil ist in Thüringen immer noch höher als etwa in Bayern oder BadenWürttemberg und daran muss gearbeitet werden. Wenn es wirklich darum geht, den Krankenstand zu reduzieren, brauchen wir bestimmte Maßnahmen. Wir sind als BSW eine Partei der wirtschaftlichen Vernunft und der sozialen Gerechtigkeit. Wir sprechen uns deshalb für vier Punkte aus: eine höhere Tarifbindung, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und höhere Löhne. Vielen Dank. (Beifall BSW, SPD)

Alle Reden von Dr. Stefan Wogawa Protokoll ↗