Christoph Zippel
Zuhause alt werden – Verbesserung für pflegende Angehörige in Thüringen umsetzen
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist ein Schockmoment: Da kommt ein Anruf aus dem Krankenhaus, vielleicht ein Unfall, vielleicht ein Schlaganfall, vielleicht sind es die Eltern, vielleicht ist es der Ehepartner, vielleicht ist es sogar ein Kind. Diesen Anruf kann jeder erhalten. Nur wie geht es nach diesem Anruf weiter? In welcher Lage wird der Angehörige sein? Ist Pflege nötig und wer übernimmt sie? Genau diese Fragen stellen sich Thüringer Tag für Tag. Und sie stellen sich diese Fragen unter enormem Druck. Die Entlassung aus dem Krankenhaus wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wissen sie, an wen sie sich wenden können? Gibt es in ihrem Landkreis einen Pflegestützpunkt, an den sie sich wenden können? Wahrscheinlich nicht. Wir glauben, dass sie in dieser Situation Zeit und Hilfe brauchen, denn sie sind verwundbar und sie haben so vieles zu ordnen. Deshalb bin ich unseren Partnern bei BSW und SPD und der Ministerin dankbar, dass wir uns in diesen wichtigen Fragen schlichtweg einig sind, dass wir pflegende Angehörige besser unterstützen wollen, dass wir hier in dieser Legislatur wirklich konkret vorankommen wollen, dass es Thüringer in dieser Situation künftig besser haben sollen, als sie es derzeit haben. Manchmal sind es Sachen, die nicht einmal viel kosten: das Entlassungsmanagement im Krankenhaus zum Beispiel, das den Angehörigen mehr Zeit lässt, gut informiert, gute Entscheidungen zu treffen, wie mit der Pflegesituation von Mama oder Papa umgegangen wird, vielleicht mal diesen einen Tag länger. Aber es sind auch Strukturen wie der Pflegestützpunkt. Hier war auch das Ministerium in den letzten Monaten aktiv, Mittel bereitzustellen, um in den Kommunen den Aufbau dieser Stützpunkte zu ermöglichen. Hier kann man einfach mal Fragen stellen, Hilfe bekommen und nicht nur eine Mailadresse von einer Stelle, die vielleicht wieder keine Antwort hat. Möglicherweise gibt es sogar noch eine mobile Pflegeberatung, die zu ihnen kommt, wenn sie nicht mehr können, weil es gerade einfach nicht mehr geht. Oft sind es harte Entscheidungen für Familien, wer nun die Hauptlast trägt. Oft nehmen sich Personen beruflich zurück, nehmen für ihre Eltern, Kinder, Partner finanzielle Einschnitte in Kauf. Oft sind es Töchter, Ehefrauen und Mütter, die dies tun. Ich finde, diese enormen Leistungen werden noch immer zu wenig anerkannt. Auch hier sind wir uns in der Koalition einig, dass es Verbesserungen braucht. Wir finden sehr gut, wenn Bundesministerin Karin Prien auf Bundesebene ein Pflegegeld anregt. Nun stellen Sie sich einen Moment vor, Sie werden Tag für Tag, Nacht für Nacht, wieder und wieder durch die Pflege gefordert. Wenn eine pflegende Ehefrau selbst krank wird, wenn ein pflegender Sohn dringend einen Termin wahrnehmen muss, wenn eine pflegende Tochter einfach mal durchatmen muss, dann müssen entsprechende Angebote verfügbar sein. Dafür müssen wir die Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie die Tages- und Nachtpflege ausbauen. Das fordern wir als CDU schon sehr lange. In den letzten zehn Jahren ist aber nicht viel passiert. Ich bin froh, dass wir nun gemeinsam mit der Landespflegeplanung endlich einen strukturierten Ansatz haben, wie wir vorgehen wollen, wie wir die Angebote auf den Bedarf abstimmen wollen. Ebenso wichtig ist ein unkomplizierter Zugang zu verlässlichen Informationen. Deshalb schlagen wir vor, alle für pflegende Angehörige relevanten Informationen auf einer zentralen Plattform zu bündeln. Sie sollen nicht auch noch Zeit mit mühsamer Recherche verlieren müssen, wenn sie schon die wertvolle Aufgabe der Pflege übernehmen. Wenn sie Glück haben, dann hilft manchmal ein freundlicher Nachbar. Er bringt den Einkauf mit, gießt mal die Blumen, putzt mal die Fenster. Menschen helfen Menschen. Das ist gelebte Solidarität in unseren Gemeinden hier in Thüringen. Nachbarschaftshilfe ist ein kostbarer gesellschaftlicher Schatz, den wir besser fördern sollen. Deshalb haben wir die Förderung weiter entbürokratisiert. Hier hat die Landesregierung bereits nachgebessert. Lassen Sie mich zum Schluss noch diesen Punkt deutlich machen: Wir haben wahrscheinlich alle den Wunsch, zu Hause alt werden zu dürfen. Für diesen Wunsch leisten tagtäglich Tausende Thüringer Angehörige mehr, als ihre Kraft eigentlich zulässt. Deshalb haben sie oft keine Zeit und Kraft mehr, uns in Anhörungen, Diskussionen und in Talks zu sagen, wie sehr sie unsere Unterstützung brauchen. Aber wer leise ist, der ist nicht unwichtig. Diese Menschen tragen unser Pflegesystem. Und deshalb will ich Sie heute bitten: Lassen Sie uns die pflegenden Angehörigen gemeinsam unterstützen! Stimmen Sie für unseren Koalitionsantrag! Vielen Dank.
(Beifall CDU, BSW, SPD)
