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Matthias Herzog

BSW 05.12.2025 Sitzungen 8/31

Thüringens Tourismusstrategie neu ausrichten – Tourismus- und Landesmarketing aus einem Guss

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, vor gut 200 Jahren hat der Dichter Matthias Claudius gesagt: Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen. – Ich bin mir sicher, die Fortschreibung der Thüringer Tourismusstrategie wird dafür sorgen, dass in Zukunft mehr über Thüringen erzählt wird. Denn ja, Thüringen ist ein Reiseland. Wir beraten im Wirtschaftsausschuss die Fortschreibung der Tourismusstrategie, denn ganz sicher: Tourismus ist in Thüringen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit beachtlichem Entwicklungspotenzial. So ehrlich darf man da auch sein. Auch diese Branche ist mit großen Herausforderungen konfrontiert: Die Coronamaßnahmen oder -einbußen sind nicht kompensiert und die hohen Energiepreise üben einen enormen Kostendruck aus. Umso wichtiger ist es, dass sich die Koalitionsfraktionen auf eine ambitionierte Fortschreibung der Tourismusstrategie verständigt haben. Wir nehmen damit entscheidende Weichenstellungen für einen zukunftsfähigen Thüringen-Tourismus vor. Als BSW ist es uns in den Verhandlungen gelungen, die Schaffung neuer Doppelstrukturen zu vermeiden. Aber vor allem – Frau Müller, das ist ein Schwerpunkt, ein starker und ein sehr wichtiger Schwerpunkt – haben wir das Thema „Barrierefreiheit“ in der Strategie verankert, nicht als Randnotiz, sondern als klar formulierten Auftrag an die Landesregierung. Wir haben uns darauf verständigt, dass ein gleichberechtigter Zugang für alle Menschen konsequent mitgedacht und geschaffen werden muss – bei jeder Investition, bei jedem touristischen Produkt, bei jedem Infrastrukturprojekt. Dabei will ich deutlich betonen: Barrierefreiheit geht weit über Rampen oder abgesenkte Bordsteine hinaus. Wanderwege müssen auch für Menschen mit Gehbehinderung zugänglich sein. Wo es Videotafeln zu Sehenswürdigkeiten gibt, braucht es auch Infoangebote für Sehbehinderte. Wo es Audioguides gibt, braucht es adäquate Lösungen für Menschen mit beeinträchtigtem Hörvermögen. Es geht hier in erster Linie um einen gleichberechtigten Zugang für alle Menschen zu den vielfältigen und tollen Attraktionen Thüringens. Aber es geht auch um harte wirtschaftliche Fakten. Barrierefreiheit erschließt neue Gästegruppen, schafft Teilhabe. Das ist Standortpolitik, Sozialpolitik und Wirtschaftsförderung zugleich. Wenn wir den jetzt vorliegenden Antrag beschlossen haben, ist die Arbeit längst nicht beendet. Wir brauchen zeitnah weitere Beschlüsse, um in die Umsetzung zu kommen. Dazu gehört auch die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel für konkrete Maßnahmen im Bereich „Barrierefreiheit“. Ein weiteres Thema, das wir im Rahmen der Umsetzung der Tourismusstrategie deutlich stärker in den Fokus rücken müssen, ist der Sport. Sportveranstaltungen sind Publikumsmagnete. Sie bringen Übernachtungen, Gastronomieumsatz, Sichtbarkeit und Identifikation. Wir haben in Thüringen positive Beispiele, es gab gestern ja eine Diskussion dazu. Beispielsweise haben die Tischtennismeisterschaften in Erfurt gezeigt, was möglich ist, wenn Infrastruktur, Organisation und Marketing zusammenpassen. Wir haben Weltklasse-Wintersportveranstaltungen. Wir haben Ballsportveranstaltungen: ThSV Eisenach, Science City Jena – Basketball, Tischtennis in Mühlhausen, Volleyball der Frauen in Suhl und in Erfurt, Rollstuhlbasketball in Elxleben und vieles Weitere – alles 1. Liga. Aber wir müssen ehrlich sein: Thüringen bleibt aufgrund fehlender Sportstätteninfrastruktur ganz klar unter seinen Möglichkeiten. Natürlich geht es nicht darum, eine Fußballweltmeisterschaft nach Erfurt, Jena oder Thüringen zu holen, da müssen wir realistisch bleiben. Aber im Moment könnten wir nicht einmal ein größeres U 19-Handballturnier hier austragen, weil es keine geeignete Ballsporthalle gibt. Vieles wäre denkbar, scheitert jedoch an fehlender Infrastruktur. Eine moderne Tourismusstrategie muss diese Potenziale des Sports mitdenken und heben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir als BSW-Fraktion sehen diese Strategie als Chance für mehr Gerechtigkeit, für mehr Teilhabe und für ein moderneres, attraktiveres und wirtschaftlich erfolgreicheres Thüringen. (Beifall CDU, BSW, SPD) Deshalb werbe ich für Ihre Zustimmung. Vielen Dank. (Beifall CDU, BSW, SPD)

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