Lutz Liebscher
Erarbeitung des Landeskonzepts zur Suchtprävention – Gefahren und Abhängigkeiten flächendeckend vorbeugen und bekämpfen
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Besucherinnen und Besucher. Laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit sterben in Deutschland jedes Jahr mindestens 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Es sind 47.000 Menschen im Zusammenhang mit alkoholbedingten Ursachen, und etwa 2.000 Menschen sterben infolge des Missbrauchs illegaler Drogen. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen, dass Suchtprävention kein Randthema ist, sondern eine der zentralen gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Zielgerichtete, wissenschaftlich fundierte Prävention kann die Gesundheit der Bevölkerung stärken, gesellschaftliche Kosten senken und die Lebensqualität vieler Menschen nachhaltig verbessern. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir heute den Antrag der Koalitionsfraktionen zur Erarbeitung eines Landeskonzepts zur Suchtprävention diskutieren. Damit greifen wir ein wichtiges Vorhaben aus unserem Regierungsvertrag auf. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Suchtprävention ist eine Frage von Gesundheit, von sozialer Gerechtigkeit und von gesellschaftlicher Verantwortung. In Thüringen sehen wir, dass der Konsum von Alkohol, Nikotin, Cannabis und anderen Substanzen steigt. Gleichzeitig nehmen medienbezogene Störungen und Verhaltenssüchte insbesondere unter jüngeren Menschen spürbar zu. Diese Entwicklung dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen, dass Thüringen ein Land bleibt, in dem Prävention, Aufklärung und Hilfe überall zugänglich sind, in der Stadt genauso wie auf dem Land. Dafür braucht es ein Landeskonzept, das bestehende Angebote bündelt, Lücken identifiziert und schließt und Akteure miteinander vernetzt. Wir wissen, dass es in Thüringen bereits viele engagierte Projekte gibt. In Schulen, in den Kommunen, in Jugendeinrichtungen und auch in der Suchthilfe. Diese leisten wertvolle Arbeit, oft mit großem persönlichen Engagement. Dieses Engagement wollen wir stärken. Wir wollen es sichtbar machen und wir wollen es besser koordinieren. Denn Prävention wirkt nur dann, wenn sie verlässlich, vernetzt und flächendeckend ist. Thüringen hat zudem bereits heute innovative Projekte, auf die wir stolz sein können. Sie zeigen, wie moderne Präventionsarbeit aussehen kann. Mit dem Pilotprojekt SubCheck, das mobile Drug-Checking-Angebote auf Musikveranstaltungen anbietet, sind wir Vorreiter im bundesweiten Vergleich. Es hilft, akute Gesundheitsrisiken durch verunreinigte Substanzen zu verringern, und liefert gleichzeitig wichtige Erkenntnisse über Konsumtrends. Die Evaluation der Charité hat gezeigt, dass Teilnehmende eine 22-mal höhere Wahrscheinlichkeit hatten, bei verunreinigten Substanzen auf den Konsum zu verzichten, und eine achtmal höhere Wahrscheinlichkeit, bei stark wirksamen Proben die Dosis zu reduzieren oder ebenfalls ganz auf den Konsum zu verzichten. Zudem zeigte sich, dass das Projekt Wissen über Risiken stärkt und zu einem bewussteren, sicheren Umgang mit Substanzen beiträgt. SubCheck leistet damit nicht nur einen Beitrag zur Risikominderung und Schadensvermeidung, sondern dient auch der Überwachung des Schwarzmarkts und der Früherkennung von Trends im Drogenkonsum. Meine sehr geehrten Damen und Herren, zu nennen ist auch das Projekt „Welt der Versuchungen“, das auf einem modernen pädagogischen Ansatz basiert. Hier in Erfurt entsteht ein neues, bundes- und europaweit einzigartiges Ausstellungshaus, das mit einem innovativen, Suchtprävention ergänzenden Ansatz Kunst und Wissenschaft miteinander verbindet. Ein Ort zur Gesundheitsförderung und Begegnung, ein Erkundungs- und Vermittlungsort. Es geht hier nicht um Abschreckung, sondern um Aufklärung, um Information und um Befähigung, meine sehr geehrten Damen und Herren. Die Grundidee lautet: Der verantwortungsvolle Umgang mit Suchtverhalten, das im individuellen wie im gesellschaftlichen Zusammenleben eine große Rolle spielt, kann und muss erlernt werden. Im Konzept soll ein besonderer Fokus auf jungen Menschen in unserem Land liegen. Erst kürzlich haben wir hier im Parlament über die Verschlechterung des mentalen Gesundheitszustands von jungen Menschen im Freistaat debattiert. Wer frühzeitig über Risiken, Konsumverhalten und Alternativen aufgeklärt wird, hat bessere Chancen, gesund aufzuwachsen. Ebenso wichtig ist es uns, die Unterstützung von Kindern aus suchtbelasteten Familien zu stärken. Sie dürfen mit ihren Sorgen nicht alleingelassen werden, meine sehr geehrten Damen und Herren. Darüber hinaus müssen wir weitere Herausforderungen ernst nehmen. Mediensucht, Glücksspiel und digitaler Konsumdruck sind längst Teil der Lebensrealität vieler Menschen bei uns im Freistaat. Deshalb wollen wir moderne Kommunikationswege und auch soziale Medien gezielt für die Aufklärung nutzen, dort, wo junge Menschen tatsächlich auch erreicht werden. Wir setzen uns zudem für eine enge ressortübergreifende Zusammenarbeit ein. Gesundheit, Bildung, Inneres und Justiz müssen hier an einem Strang ziehen. Nur gemeinsam können wir verhindern, dass Sucht entsteht, und denjenigen helfen, die bereits jetzt Unterstützung brauchen. Mit dem Landeskonzept schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige, zukunftsorientierte und wirksame Präventionspolitik. Wir schützen damit nicht nur Einzelne vor gesundheitlichen Risiken, sondern wir stärken die Gesellschaft als Ganzes. Ich bitte Sie herzlich um Zustimmung zu diesem Antrag und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall BSW, SPD)
