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Roberto Kobelt

BSW 11.09.2025 Sitzungen 8/23

Willkommen Zuhause – vereinfachte Zulassung für reimportierte Simson-Mopeds

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte am Anfang meiner Rede kurz begründen, warum wir als Brombeerkoalition einen eigenen Antrag zu diesem Thema gestellt haben. Der Hauptpunkt ist, es geht um Authentizität. Herr Höcke, es ist sehr einfach, sich in einem Wahlkampf als Oberstudienrat aus Hessen mit Sonnenbrille auf ein geliehenes Simson-Moped zu setzen und sich fotografieren zu lassen und diese Plakate im ganzen Land aufzuhängen. Das ist Ihr gutes Recht. Das kann jeder machen. Aber es hat absolut nichts mit der ostdeutschen Identität zu tun. (Beifall CDU, BSW) Zwei Sachen kann die Generation meiner Eltern, die in der Wendezeit und Nachwendezeit eine schwere Zeit hatten, nicht leiden: Das Erste ist, dass ihnen nach der Wende gesagt wurde, wie ihr Leben war, wie schlecht es teilweise war, und wie sie jetzt zu leben haben. Der zweite, aber noch schlimmere Punkt – das machen Sie und deswegen kritisieren wir Sie auch dafür – ist, die Identität der Menschen für Propaganda, für Plakate, für Werbung zu nutzen – und das kann hier überhaupt niemand leiden. (Beifall CDU, BSW) Ich weiß nicht, ob Sie wissen, wie sich das anfühlt oder angefühlt hat, mit 14 Jahren nicht das Motorrad oder mit 16 oder 18 das Auto von den Eltern nutzen zu können, sondern so ein altes Moped zu bekommen, selber daran rumzuschrauben, in jeder Situation einsatzfähig sein zu müssen. Kennen Sie vielleicht das Gefühl, wenn Sie einmal im Monat zu spät zum Unterricht gekommen sind? Mein Schulweg war 8 Kilometer lang, wir mussten alle in unserem kleinen Ort mit einer Simson oder Schwalbe oder Star oder Sperber fahren. Wissen Sie, wie das war, wenn dann auf halber Strecke der Vergaser abgesoffen ist und man das Werkzeug rausholen musste? (Zwischenruf Abg. Urbach, CDU: Ja!) (Zwischenruf Abg. Wolf, BSW: Ja!) (Beifall CDU, BSW) Dann hatte man zwei Möglichkeiten, wenn man in der Schule angekommen ist: Entweder man hatte die Deutschlehrerin und dann hat man einen Verweis bekommen oder man hatte den Physiklehrer, der hat einen beglückwünscht, dass man es geschafft hat, sein Moped zu reparieren. (Beifall CDU, BSW) Und kennen Sie das Gefühl, wenn Sie vielleicht auf dem Weg zu Ihrer ersten Freundin waren und eine halbe Stunde zu spät gekommen sind, weil Sie zwischendurch die Zündkerze wechseln mussten? (Beifall CDU, BSW) Ich glaube, Sie haben das alles nicht erlebt, das können Sie auch nicht erlebt haben. In RheinlandPfalz, ich weiß nicht, vielleicht sind Sie Vespa gefahren oder was anderes, aber das Gefühl hatten Sie auf jeden Fall nicht. Deswegen ist es wichtig an so einer Stelle, auch einen Antrag zu stellen, der authentisch ist, der auch detaillierter ist, mehrere Punkte aufgreift – mein Vorredner, Herr Waßmann, hat es ja auch schon gesagt, ich möchte gar nicht im Detail darauf eingehen. Aber wir ermöglichen es mit unserem Antrag, dass sowohl die Elektromobilität, Umbau – das ist auch ein Marketingeffekt, kann man sagen, manche mögen es, manche nicht, aber wenn junge Leute sich aufmachen, die Optik nicht verändern und damit eine neue Zielgruppe erreichen und mehr junge Menschen, die vielleicht dann auf sowas stehen, auch mobil werden lassen, dann ist das auch in Ordnung. Zum Zweiten haben wir ganz klar gesagt und nicht nur mit Ankündigung, sondern ganz konkret in dem Antrag, wie man das auch erreicht, dass man es in Thüringen erreichen kann, dass man es auf Bundesebene erreichen kann, und dass die Reimporte auch qualifiziert so abgegolten werden können, dass sie umgesetzt werden – nicht nur mit Vorschlägen, sondern mit Umsetzung. Das werden wir in der Koalition tun und darauf können Sie sich verlassen. (Beifall CDU, BSW, SPD) Zum Abschluss möchte ich noch mal dazu kommen: Wir haben uns in unserer Fraktionssitzung – unsere dauern ja immer ein bisschen länger, vielleicht auch aus solchen Gründen – ein bisschen Zeit genommen und über das Thema gesprochen. Ich habe mal alle Kollegen gefragt, wie ihre Lebensereignisse dazu waren. Da kam für mich nichts Erstaunliches, aber dann doch Konkretes, jeder hatte eine Geschichte zu erzählen, der eine von seinen abgebrochenen Fußrasten, der andere vom Zuspätkommen, vom eigenen Schrauben. Es waren alle vertreten. Ich bin wirklich stolz, in der BSWFraktion zu sein. Alle unsere Abgeordneten sind früher Star, Simson, Schwalbe oder S 51 gefahren. Darauf bin ich sehr stolz und da maße ich mir auch an, sagen zu können, dass unsere Lebensgeschichte dazu auch authentisch ist. Das finde ich gut, deswegen bin ich auch zum BSW gekommen. (Heiterkeit BSW) (Zwischenruf Abg. Stark, Die Linke: Nicht we- gen der Inhalte?) Ja, das ist so. Wir sind alles Abgeordnete, die in Thüringen aufgewachsen sind. Das strahlt Authentizität aus, darauf bin ich stolz und freue mich. Das spiegelt sich auch in dem Antrag wider. Ganz vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BSW, SPD)

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