Linda Stark
Lebens-, Ausbildungs- und Wohnbedingungen für Azubis verbessern – Azubiwerk für Thüringen schaffen
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe restlich verbleibende Zuhörende auf der Tribüne und am Livestream, wir beraten heute einen Antrag meiner Fraktion, der nicht nur ein politisches Projekt ist, sondern eine klare Antwort von Politik auf die Lebensrealität vieler junger Menschen bei uns hier in Thüringen, auf ihre Sorgen, auf ihre finanziellen Unsicherheiten und auf ihre Suche nach einer Perspektive. Es geht um nichts Geringeres als die Frage: Wie ernst nehmen wir die Zukunft derjenigen, die unser Land morgen am Laufen halten?
(Beifall Die Linke)
Mit unserem Antrag möchten wir eine grundlegende Debatte darüber anstoßen, wie wir jungen Menschen in der beruflichen Ausbildung bessere Chancen, mehr Teilhabe und konkrete Entlastung verschaffen können. Thüringen braucht Fachkräfte – das ist keine neue Erkenntnis –, doch die fallen nicht vom Himmel, sondern sie müssen ausgebildet werden, und zwar unter Bedingungen, die ihnen ein gutes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen, die es ihnen ermöglichen, ohne tägliche Sorgen um ihre berufliche Ausbildung weitermachen zu können. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Steigende Mieten, zu geringe Ausbildungsvergütungen und fehlende Unterstützungsangebote führen dazu, dass junge Menschen ihre Ausbildung abbrechen oder sie gar nicht erst antreten können, besonders, wenn sie aus finanziell benachteiligten Elternhäusern kommen. Die Fakten liegen auf dem Tisch: Trotz eines leichten Anstiegs bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen fehlt es in Thüringen weiterhin an attraktiven Rahmenbedingungen für Auszubildende. Besonders die steigenden Lebenshaltungskosten, allen voran die Mieten in den Städten Erfurt, Jena und Weimar, stellen für viele junge Menschen ein unüberwindbares Hindernis dar. Aber auch fehlende Beratungsangebote oder Ansprechpersonen stellen für viele junge Auszubildende eine emotionale Belastung dar. Unser Antrag greift genau diese Herausforderungen auf. Mit dem Azubiwerk in Thüringen wollen wir ein strukturelles Angebot schaffen, das sich am Studierendenwerk orientiert, aber konkret auf die Bedingungen von Auszubildenden eingeht. Das Azubiwerk soll bezahlbaren Wohnraum für mindestens 500 Azubis bereitstellen, soziale Beratung, Bildungs- und Freizeitangebote schaffen sowie Mitbestimmung ermöglichen. Es soll aber auch Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure der Ausbildung in Thüringen fördern sowie auch die Vernetzung der Auszubildenden untereinander, und es soll eine jährliche landesweite Auszubildendenkonferenz organisieren. Meine Damen und Herren, ein Azubiwerk ist kein Luxus. Es ist eine Investition in junge Menschen, in Bildung, in unsere Fachkräfte und in Thüringens Zukunft.
(Beifall Die Linke)
Wir bitten Sie daher um Ihre Zustimmung, auch für eine neue Wertschätzungskultur gegenüber jungen Menschen in der Ausbildung. Ich freue mich – auch wenn er gerade nicht anwesend ist –, dass der Ministerpräsident im letzten Plenum bereits bei der Regierungsbefragung die Wichtigkeit von guten Ausbildungsbedingungen noch mal herausgestellt hat und bereits letztes Jahr zum 1. Mai der Idee von einem Azubiwerk offen gegenüberstand. Deshalb freue ich mich auf eine positive Debatte. Vielen Dank.
(Beifall Die Linke)
