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Jens Thomas

Die Linke 04.04.2025 Sitzungen 8/15

Schutz der Bevölkerung und der Weidetiere vor dem Wolf in Thüringen verbessern – Wolfsstatus auf EU- und Bundesebene anpassen – Wolfsmanagementplan für den Wolf in Thüringen evaluieren

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Augsten, unser Antrag ist kein Gefälligkeitsantrag. Mit unserem Antrag verfolgen wir das Ziel, den Umgang mit dem Wolf in Thüringen auf eine neue, sachlich fundierte und langfristig tragfähige Grundlage zu stellen, denn wir wollen auch die berechtigten Interessen der Weidetierhalterinnen und -tierhalter ernst nehmen – das beanspruchen Sie ja auch für sich –, aber gleichzeitig dem Anspruch eines verantwortungsvollen Naturund Artenschutzes gerecht werden. Für uns geht es um die Frage, wie wir gesellschaftlich mit den Nutzungskonflikten umgehen, die durch die Veränderungen in unserer Umwelt entstehen. Diese Konflikte gilt es, nicht durch Polarisierung, sondern durch kluge, praktikable und wissenschaftlich begründete Maßnahmen zu lösen. Genau hier setzt unser Alternativantrag an. Ich sage es noch mal: Laut Regierung leben in Thüringen rund 25 Wölfe. Es ist eine kleine und empfindliche Population. Eine pauschale Bejagung, wie sie durch die geplante Herabstufung vorbereitet werden soll, ist nicht angemessen. Sie birgt das Risiko, Rudelstrukturen zu zerstören, das Verhalten einzelner Tiere unberechenbarer zu machen und letztlich Probleme eher zu verschärfen als zu lösen. Der Antrag der Regierungskoalition von CDU, SPD und BSW konzentriert sich fast ausschließlich auf diese Richtung: Absenkung des Schutzstatuts, Aufnahme ins Jagdrecht, Handlungsleitfäden zur Entnahme. Was hingegen fehlt, sind konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Herdenschutzes, zur Unterstützung der Tierhaltenden oder zur Stärkung bestehender Strukturen wie dem „Kompetenzzentrum Wolf/Biber/Luchs“. Diese Einseitigkeit halten wir für problematisch, denn wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, Herdenschutzmaßnahmen, insbesondere korrekt installierte Elektrozäune und Herdenschutzhunde, sind die wirksamste Methode zur Reduktion von Nutztierrissen und eine generelle Bejagung hat keinen präventiven Effekt. Unser Antrag schlägt deshalb einen anderen Weg vor. Wir wollen auf Prävention setzen. Konkret fordern wir den bedarfsgerechten Ausbau mobiler Herdenschutzkapazitäten, Notfallzaunsets, technische Soforthilfe, mobile Beratungsteams. Und ein zentraler Punkt ist für uns die Entschädigung. Sie muss zügig, unbürokratisch und transparent erfolgen. Betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter sollen im Schadensfall schnell und verlässlich Hilfe erhalten. Außerdem sollte unserer Meinung nach geprüft werden, ob die bestehende Richtlinie zur Gewährung von Zuwendungen und Billigkeitsleistungen noch den aktuellen Gegebenheiten gerecht wird. Die Voraussetzungen für Unterstützung sind teils zu hoch, währenddessen die Leistungen oft nicht ausreichen, um den tatsächlichen Schaden oder die Schutzmaßnahmen zu decken. Es ist daher zu überprüfen, ob die Zugangshürden gesenkt werden können und ob Umfang und Höhe der Leistungen angepasst werden müssen, etwa bei der Förderung von Herdenschutzhunden, der Zaunbeschaffung oder bei der indirekten wirtschaftlichen Belastung durch den Schutzaufwand. Darüber hinaus setzen wir auf gezielte Präventionsprogramme in besonders betroffenen Regionen, dort, wo es wiederholt zu Rissen kommt. Schulungen, Beratung, zusätzliche Förderung von Schutzmaßnahmen, all das ist für uns Teil eines modernen Wolfsmanagements. Und ja, Herr Augusten, entgegen Ihren Ausführungen schließen wir gezielte Entnahmen einzelner schadensverursachender Tiere nicht aus. Aber das muss auf Einzelfallentscheidungen beruhen, unter engen rechtlichen Voraussetzungen und innerhalb transparenter Verfahren. Ein pauschaler Abschuss auf Vorrat ist dafür unserer Meinung nach nicht sinnvoll. Ebenfalls wichtig: Jede Veränderung des Schutzstatus muss auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgen. Politische Entscheidungen ohne belastbare ökologische Daten untergraben den Artenschutz insgesamt und senden ein fatales Signal an andere Bereiche der Umweltpolitik. Entscheidungen müssen am Maßstab der Wissenschaft ausgerichtet sein und nicht an kurzfristigen politischen Interessen. (Beifall Die Linke) Sehr geehrte Damen und Herren, unser Alternativantrag steht für eine Versachlichung der Debatte. Er nimmt die Sorgen der Weidetierhaltung ernst, aber er übersetzt diese nicht in populistische Forderungen, sondern in praktikable, zielgerichtete Maßnahmen. Er stärkt die Menschen vor Ort durch Beratung, durch Prävention, durch Unterstützung. Wir bitten Sie daher, diesen Weg mit uns zu gehen und beide Anträge an den Ausschuss für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten zu überweisen. Denn wenn Sie uns überzeugen wollen, warum verweigern Sie dann die Beratung im Ausschuss? Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall Die Linke)

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