Mario Voigt
Frage des Abgeordneten Hoffmeister (BSW)
Für uns ist sehr zentral, dass wir wieder ein Land der hohen Bildungsqualität und des Versprechens sind, dass jedes Kind die bestmöglichen Chancen bekommt. Deswegen steht in unserem Regierungsvertrag auch, dass wir den Grundsatz „Fördern und Fordern“ in den Mittelpunkt stellen. Das bedeutet eben auch die Einführung von Kopfnoten und auch von Versetzungsentscheidungen natürlich im Kontext der Schulordnung, damit wir tatsächlich auch wieder diese begabungsgerechte Förderung und Forderung haben. Jetzt ist Thüringen auch Land der Reformpädagogik. Wenn Sie sich überlegen: Mit Fröbel haben wir den ersten Kindergarten der Welt erschaffen. Wir haben mit Peter Petersen die Jenaplan-Schule in den 50er-Jahren auf den Weg gebracht. Das sind ja alles reformpädagogische Konzepte bis hin zu den Ganztagsschulangeboten Anfang der 90er, was immer wieder deutlich macht – und da muss man nicht bis Fichte zurückgehen –, dass wir in Thüringen wirklich ein Land der Bildungsreformer sind. Deswegen, glaube ich, tun wir gut daran, diesen Spannungsbogen gut hinzukriegen, nämlich auf der einen Seite zu sagen, wir wollen fördern und fordern, aber auf der anderen Seite auch die Frage, wie wir mit unseren reformpädagogischen Konzepten, die da sind, tatsächlich auch eine gute Vielfalt haben, denn jedes Kind ist unterschiedlich. Dafür begabungsgerechte Angebote zu schaffen, spielt für uns eine große Rolle, aber auch der Anspruch, die Bildungsqualität hochzuhalten und den Unterrichtsausfall zu senken. Ich habe es vorhin schon geschildert: Jede zehnte Schulstunde fällt aus. Das ist ein Wert, der wirklich schwierig ist, der katastrophal ist, weil er sich an den Bildungschancen unserer Kinder vergeht. Mittlerweile haben wir ein Bildungssystem, wo jeder zehnte Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlässt. Damit sind wir deutschlandweit Spitzenreiter. Wenn Sie sich die Lese- und Rechtschreibkompetenz anschauen, dann werden Sie feststellen, in der IQB-Bildungserhebung der HU Berlin sind wir bei den Neuntklässlern im Optimum Standard und beim Lesen Letzter. Und das kann doch bitte schön nicht unser Anspruch sein! Wir müssen doch wieder ein Schulsystem sein, das den Kindern bestmögliche Chancen fürs Leben bereitet.
(Beifall CDU)
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das bedeutet für uns, dass wir tatsächlich dort rangehen, aber immer mit Umsicht, mit Bedacht, mit einer gemeinsamen Konsultation. Ich bin sehr dankbar, dass der Bildungsminister sehr frühzeitig auf die Akteure zugegangen ist, um dort nötige, sage ich mal, Fragen und – das gehört auch dazu – Lob oder Kritik einzusammeln und das jetzt ganz strukturiert im Bildungsausschuss miteinander zu beratschlagen, um dann eine abgerundete Schulordnung vorzulegen. Er hätte das nicht machen müssen, hat es aber gemacht, denn das ist, glaube ich, eine Frage von Beteiligungskultur, Betroffene zu Beteiligten zu machen. Wenn ich das heute richtig vernommen habe, gab es ja am heutigen Tag auch Gespräche mit den Gemeinschaftsschulen. Deswegen glaube ich, das ist der Weg, den wir gehen müssen: klare Maßstäbe formulieren, gemeinsam hinter einem Ziel versammeln. Ich erlebe so viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, Pädagogen, Fachkräfte, die wirklich mittun wollen, damit unsere Kinder erfolgreich sind. Sie sind teilweise am Leistungslimit, weil wir einfach personaldeckenmäßig so knapp bemessen sind. Deswegen spielt für uns auch eine große Rolle, mehr Lehrer einzustellen. Wir haben Anfang Januar oder Mitte Januar 600 junge Lehrer angeschrieben, tatsächlich Lehramtsanwärter, haben gesagt: Hier, bleibt in Thüringen, geht nicht nach Hessen, geht nicht nach Sachsen, geht nicht nach Sachsen-Anhalt, sondern bleibt bei uns. Dann gab es fünf regionale Workshops, die mit über 500 Lehrern knackevoll waren. Das sind junge Leute, die hierbleiben wollen. Wenn es uns gelingt, in diesem Schuljahr die Trendwende hinzubekommen und deutlich zu machen, wir stellen mehr Lehrer ein als tatsächlich ausscheiden, dann tun wir was für die Bildungsqualität, aber wir tun auch was gegen Unterrichtsausfall. Auf dem Weg sind wir.
