Babette Pfefferlein
Versorgung mit Gebärdensprachdolmetschern in Thüringen verbessern – Anerkennung der Gebärdensprache als Fremdsprache regeln, Diskriminierung in der SED-Diktatur anerkennen
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, ich bin erst einmal froh, dass wir diesen Antrag heute noch beraten dürfen, und ich bin auch froh, dass wir noch Gebärdendolmetscherinnen gefunden haben, die heute hier anwesend sind. Dann erst noch einmal ein herzliches Dankeschön von meiner Seite an Sie. Wir haben uns in den letzten Jahren sehr viel mit den Schwierigkeiten beschäftigen müssen, die die Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag betreffen und die sie viel zu oft von einer Teilhabe abhalten, wie wir sie kennen und täglich selbstverständlich hinnehmen. Ich habe die kleine Hoffnung, dass dadurch, dass wir recht häufig im Parlament und im Ausschuss darüber beraten haben, was gemacht werden muss, um mehr Möglichkeiten der Teilhabe zu schaffen, das Thema in der breiten Öffentlichkeit mehr angekommen ist. Ich erinnere mich besonders an die öffentliche Anhörung im Rahmen der Änderungen des Sinnesbehindertengeldgesetzes, die sehr eindrücklich war. Wir hatten das Gesetz damals angefasst, um die Aufwandsentschädigungen für die Mehrbelastung von Menschen mit Behinderungen der Sinne zu erhöhen. Aber während dieser Befassung haben wir auch sehr viel über die Probleme der Menschen erfahren, die schwerhörig oder gar taub sind. In der Anhörung ist sehr deutlich geworden, dass der Zugang zu Gebärdendolmetschenden im Freistaat Thüringen häufig nicht gewährleistet werden kann. Dafür gibt es vielfältige Gründe und nicht allein die Politik kann das lösen. Herr Montag hatte vorhin auch darauf hingewiesen. Zuerst einmal gibt es vergleichsweise wenige Gebärdendolmetschende. Wir hatten oft genug Mühe, für unsere öffentlichen Veranstaltungen der Fraktion Gebärdendolmetscherinnen zu finden. Sicher gibt es erst einmal einen Mangel an Ausbildungs- und Zertifizierungsmöglichkeiten, das ist ein Grund. Fest steht jedenfalls, dass es nicht genügend ausgebildete Gebärdendolmetschende im Freistaat gibt, um die Nachfrage zu decken. Es steht auch nicht genug Geld zur Verfügung, um in den wichtigsten Bereichen des Alltags immer Gebärdendolmetschende hinzufügen zu können. Ich habe große Hochachtung vor der Arbeit der Gebärdendolmetschenden. Das ist ein Beruf, der sehr kommunikative Fähigkeiten und spezielle Kenntnisse erfordert, viel Einfühlungsvermögen und natürlich das Beherrschen der Gebärdensprache in ihren ganzen Facetten. Dazu gehören auch Dialekte und regionale Variationen. Dazu gehört auch ein Verständnis für die Welt der Gehörlosen und die Anerkennung und die Akzeptanz der Unterschiede. Nur mit dem entsprechenden Hintergrund können Informationen korrekt übersetzt und Missverständnisse vermieden werden. Denn nur so können hörende und gehörlose Personen gleichberechtigt an Gesprächen teilnehmen. Ich hoffe sehr, dass wir ein Stück für die Notwendigkeit geworben haben, dass wir mehr Gebärdendolmetschende brauchen. Deshalb müssen die Ausbildungsmöglichkeiten mehr werden. Da macht es sicher Sinn, das im Schulterschluss mit anderen Bundesländern auszubauen. Auch eine finanzielle Unterstützung durch Stipendien könnte Anreize schaffen, Menschen zur Ausbildung zum Gebärdendolmetscher zu bewegen. Das könnte die nächste Landesregierung angehen. Zur Vollständigkeit gehört aber auch, die Arbeitsbedingungen und die Vergütung besser zu machen, damit der Beruf überhaupt attraktiver wird. Und das Bewusstsein für den Bedarf und die Bedeutung des Gebärdendolmetschers muss allgemein geschärft werden. Deshalb plädiere ich an dieser Stelle noch einmal dafür, spezielle Förderprogramme aufzulegen. Vielleicht können künftig auch Onlineplattformen oder Apps oder die KI allgemein den Zugang zum Gebärdendolmetschen erleichtern. Vor allem für Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen könnte das ein Weg sein, ihre Informationen barrierefreier zur Verfügung zu stellen. Aber solche Maßnahmen ersetzen niemals die wirkliche zwischenmenschliche Kommunikation. Deshalb – so ist auch meine Überzeugung – muss das Bewusstsein und die Bedeutung sowie die Notwendigkeit des Gebärdendolmetschens gestärkt werden. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
