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Heike Werner

15.03.2024 Sitzungen 7/131

Das stille Leiden an ME/CFS beenden: Forschung, Versorgung und Aufklärung stärken

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, ja, ich glaube, man hat das heute schon herausgehört: Der Beratung heute im Landtag gehen viele Beratungen im federführenden Ausschuss, aber natürlich auch in dem beteiligten Ausschuss für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft voraus. All die Beratungen, Anhörungen usw. sind nun in die Beschlussempfehlung eingeflossen. Auch ich möchte mich an dieser Stelle wirklich sehr herzlich bedanken. Ich denke, wir haben sehr interessante, sehr informative Ausschussberatungen hierzu gehabt. Ich will nur an die Anhörung von Expertinnen und Experten erinnern, die ja nicht nur aus dem medizinischen Bereich und aus der Forschung kamen, sondern unter denen eben auch Betroffene waren, die hier sehr eindrücklich geschildert haben, welche Probleme sie im Alltag haben, wie belastend das ist, wenn man lange Zeit nicht weiß, welche Erkrankung man hat oder sich auch im medizinischen Setting nicht ernst genommen fühlt. Insofern war das sehr eindrücklich und hat aber auch noch mal gezeigt, auf wie vielen Ebenen hier Handlungsbedarfe bestehen, um wirklich eine bestmögliche medizinische Behandlung oder Versorgung zu gewährleisten. Ich glaube, wirklich sehr deutlich geworden ist: Hier müssen viele Hände ineinandergreifen. Es ist gar nicht so einfach, sich in unserem versäulten Gesundheitssystem entsprechend gemeinsam auf den Weg zu machen, also die sektorenübergreifende Versorgung zu überwinden, sich gemeinsam über Forschungsinhalte zu verständigen, über Bildung, Ausbildung, Weiterbildung nicht nur zu reden, sondern auch zu belegen, wie das am besten umgesetzt werden kann, bis hin dazu, dass man eben weiter am Ball bleibt, indem man bei der Landesgesundheitskonferenz eine entsprechende Arbeitsgruppe ins Leben ruft, die das Thema weiterbearbeiten und eine Umsetzung auch begleiten wird. Ich wollte mich aber hier auch melden, um vor allem noch mal ein Thema anzusprechen, das uns in der Beratung, denke ich, ausdrücklich auf die Agenda gesetzt wurde, nämlich wie wichtig Information und Transparenz sind und wie wichtig es ist, dass Bürgerinnen und Bürger die entsprechenden Informationen auch erreichen. Deswegen lassen Sie mich einige wenige Dinge an der Stelle noch mal ansprechen. Es wurde schon gesagt: ME/CFS wurde natürlich auch durch Post-COVID-Erkrankungen sichtbarer. Wir haben hier in Thüringen nicht nur einen tollen Antrag, der heute beraten wird, sondern es eben auch schon geschafft, Versorgungslücken zu schließen. Ein Projekt, das heute schon angesprochen wurde, das Projekt WATCH, will ich hier an der Stelle noch mal hervorheben. Es geht darum, gerade weil Menschen die beste gesundheitliche Versorgung auch erreichen soll und natürlich nicht alle nach Jena fahren können und sollen, hier zu schauen, wie man die Strukturen vor Ort stärken kann. Mit WATCH haben wir eine mobile, wohnortnahe Versorgung zur Steuerung der sektorenübergreifenden Therapie in Thüringen ins Leben gerufen. Es ist ein Projekt, das bundesfinanziert ist. Wir können, denke ich, sehr dankbar und froh über das Projekt sein, in dem das Universitätsklinikum Jena, die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen sich gemeinsam diese wohnortnahe und sektorenübergreifende Versorgung auf die Agenda geschrieben haben. Das heißt, zunächst wird eine umfangreiche Untersuchung von Patientinnen und Patienten in dem sogenannten Post-COVID-Bus durchgeführt, der in die Nähe des Wohnorts der an dem Projekt teilnehmenden Patientinnen und Patienten kommt. Anschließend erhalten die Patientinnen und Patienten einen neuen Übungs- und Behandlungsplan, der ganzheitlich aufgestellt ist, nämlich für Gehirn, Körper und Geist, mit dem die Post-COVID-Symptome nachhaltig verbessert werden sollen, der zu Hause durchgeführt werden kann und bei dem auch spezielle Apps zum Einsatz kommen. Das Projekt ist am 1. November 2023 gestartet. Die Laufzeit geht im Moment bis zum 31.08.2026. Das hängt mit der Förderdauer des Innovationsfonds zusammen. Aber wir sind der Meinung und sind froh, dass mit der Versorgung durch dieses WATCH-Projekt eine deutliche Linderung der Beschwerden von vielen Post-COVID-Patientinnen und -Patienten erzielt werden kann. Ein weiteres Beispiel für Thüringen ist, dass bereits im Jahr 2021 unter dem Dach des Zentrums für Sepsis- und Infektionsforschung am Universitätsklinikum Jena das Post-COVID-Zentrum eingerichtet wurde. Hauptanliegen war auch hier die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Bezug auf die Behandlung und Erforschung von Post-COVID bei Erwachsenen und Kindern. Im Zuge dessen soll beispielsweise auch ein Register entstehen, in dem das Spektrum und die Verläufe der Symptome systematisch erfasst werden sollen. Das Zentrum wird auch durch das Land Thüringen finanziell unterstützt. Mittlerweile haben sich knapp 3.000 Erwachsene zu einer umfassenden Eingangsdiagnostik vorgestellt. Mit den meisten bestehen in Abhängigkeit der Beschwerden und Vorbefunde nun regelmäßige Folgetermine. Eine erste Langzeitauswertung der Daten von 1.022 Patientinnen und Patienten ergab, dass ein Fünftel – und jetzt kommen wir zum Ausgangsantrag zurück – der Long-COVID-Betroffenen auch nach über einem Jahr immer noch an ME/CFS leidet. Mittelfristig sollte die Arbeit des Zentrums dazu beitragen, dass die Patientenversorgung verbessert wird und wichtige Eckpunkte für die weiteren politischen Entscheidungen auch für drohende Pandemien geliefert werden können. Einen Dank, den ich hier ganz explizit noch mal – und ich hoffe mit Ihrer Unterstützung – loswerden möchte, ist der an die vielen verschiedenen Selbsthilfegruppen, die wir hier in Thüringen haben, die sich in den letzten Monaten, Jahren auf den Weg gemacht haben, nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige zu unterstützen – Frau Pfefferlein hatte das Thema der Bekannten schon angesprochen. Ich denke, wir wissen alle, wie wichtig Selbsthilfegruppen in dem Bereich sind, weil sie eben gut Informationen an Betroffene weitergeben können, weil sie in der Lage sind, auch die Sprache der Betroffenen zu sprechen und auch Diagnostik zu übersetzen. Insofern: Herzlichen Dank! Wer sehen will, welche Selbsthilfegruppen es im Bereich dieser Krankheitsbilder gibt, kann sich über die Landeskontaktstelle für Selbsthilfe Thüringen hier auch informieren. Es gibt beispielsweise Selbsthilfegruppen im Wartburgkreis, in Jena, im Altenburger Land, in Gera, im Eichsfeld, in Nordhausen und auch in Sonneberg. Dafür also vielen herzlichen Dank für diese Initiative! (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) Lassen Sie mich einen letzten Punkt auch zum Thema „Information und Transparenz“ noch ansprechen, weil Herr Lauerwald wieder angefangen hat, alles Mögliche zusammenzuwerfen. Zunächst einmal: Ja, es gibt auch bei Impfungen Impfreaktionen oder Nebenwirkungen. Diese sind aber, egal, welche Impfung wir anschauen, sehr selten. Natürlich ist es so, wenn viele Menschen gleichzeitig geimpft werden, wie es bei Corona der Fall gewesen ist, dann werden natürlich auch einzelne Fälle sichtbarer. Aber wenn Sie sich die letzten Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts anschauen – da gibt es auch noch Unterschiede, aber ich nehme mal die vom Paul-Ehrlich-Institut –, dann sind es 0,029 Prozent der Geimpften, die eine schwerwiegende Nebenwirkung hatten. Bei einer Anfrage aus dem Bundestag waren es sogar nur 0,001 Prozent der Geimpften. Jedem dieser Menschen wird natürlich geholfen. Auch das soll an dieser Stelle noch mal ganz deutlich gesagt werden. (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) Deswegen als allerletzte Information: Ja, es kann Nebenwirkungen oder Impfreaktionen geben. Aber gerade bei Corona gilt: Noch nie wurden genau diese Fälle auch so deutlich gemeldet und sind in einem Register nachlesbar. Zum Zweiten: Wie eben gesagt, wird jeder auch entsprechend behandelt. All die Dinge, die ich eben erwähnt habe, stehen natürlich auch Menschen mit Impfreaktionen zur Verfügung. Als Letztes: Im Gegensatz zu dem, Herr Lauerwald, was Sie gesagt haben, werden genau diese Symptome auch beforscht. Es gab dafür schon Studien. Es sind weitere Studien geplant. Damit bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

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